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Griechenland: Überwintern auf der Kupferinsel

Zypern, reich an Urlaubsstränden und Mythen mausert sich in Herbst und Winter zum Schatzkästchen für Genießer und Individualisten.



Auch Esel helfen bei der Weinlese auf Zypern
Picture by T. Micke

Die olympischen Götter waren ja wirklich alles andere als zimperlich im Umgang miteinander. Und welche Bosheiten sich Zeus und seine Göttergattin Hera ohne Rücksicht auf irdische und überirdische Verluste im Altertum lieferten, das mag ja ansatzweise noch aus der Schule bekannt sein. Aber was Chronos, der Schurke seinem Papa Uranos mit dem Messer antat, nur damit die unvergleichliche Aphrodite "schaumgeboren" – wie es so poetisch heißt – an Zyperns Küste dem Meer entstieg, das darf man gar nicht laut erzählen. Genauso wenig wie die Storys rund um die nimmersatte Schönheitskönigin jugendfrei sind, auch wenn sie den Besuchern in den Ausgrabungsstätten rund um Paphos von den fantastischen Mosaiken noch so sittsam und unschuldig entgegen flirtet.

Ein kleines Kloster in Zyperns Troodos-Gebirge
Picture by T. Micke

Umso ruhiger das Bild, das Zypern heute bietet. Vor allem, nachdem es seit kurzem wieder echte Anstrengungen gibt, die zweigeteilte Insel – der Osten ist seit Jahrzehnten türkisch besetzt, im Westen liegt die unabhängige Republik Zypern – zusammenzuführen. Denn sowohl die Türkei, als auch Zypern wollen in die EU, die den letzten "Eisernen Vorhang" Europas quer durch die gespaltene Hauptstadt Lefkosia nicht dulden wird.

Jetzt im Herbst, wenn der klassische Strandurlauber seinen Sonnenschirm einklappt und die Sommerhitze langsam einer milderen Meeresbrise weicht, zeiht Zypern einen anderen Menschenschlag an. Radfahrer, Wanderer und Winterflüchtlinge, angelockt von einer neuen Idee, die abseits von Hotelburgen und Ferienreservaten einen ursprünglicheren Blick für die Schönheit der Insel ermöglicht.

Kleine Villen in Zyperns Bergdörfern können für den Urlaub gemietet werden
Picture by T. Micke

In den kleinen Siedlungen und Dörfern rund um das mehr als 1900 Meter hohe Troodos-Gebirge im Südwesten der Insel werden genau jene Häuschen und Höfe revitalisiert, die mit der Zeit wegen Mangel an örtlichen Beschäftigungsmöglichkeiten in Richtung Hauptstadt und Tourismus-Zentren verlassen wurden. Dabei gelingen gleich mehrere kleine Genie-Streiche auf einen Schlag: Die alte Dorf-Struktur in so malerischen Ortschaften wie Kalavasos oder Tochni bleibt erhalten. Kleine Geschäfte und der oft einzige Dorfwirt können sich wieder über mehr Kundschaft freuen. Und der "Ghetto-Urlaub" hat keine Chance, bei dem Gäste maximal mit dem einheimischen T-Shirt-Verkäufer vor dem Hotel Kontakt haben. Denn selbst wer Halbpension bucht, kommt in den Genuss, im Kafenion, dem eigentlichen Kommunikationszentrum jeder Ortschaft, zu frühstücken und zu Abend zu essen und ist somit schlagartig in das Dorfleben eingebunden. – Ein Wohlfühl-Faktor, der ganz von alleine eintritt, weil auch der örtliche Gästebetreuer sofort persönliche Kontakte schafft.

Die kleinen und großen Wohnungen, teils mitten im Ortskern, bieten dafür je nach Kategorie alles, was das Herz begehrt, von eigener Küche über schattigen Innenhof zum Ausspannen und Lesen bis zum Terrassen-Swimmingpool mit Panoramablick.

Ganz Wackere borgen sich bei Zypernbike im Paphos Fahrräder aus
Picture by T. Micke

Je nach Vorlieben kann man dazu im Package ein Auto zur individuellen Inselerkundung mieten (Achtung. Linksverkehr!) einen Reiturlaub im nahen Reiststall buchen oder mit Mountainbike und Rennrad auf (geführte) Tour gehen. Dazu bieten sowohl das "Agrotourismus"-Konzept, als auch "Zypernbike" in Paphos hervorragend gewartetes, neuwertiges Material an, mit dem der Hobbysportler getrost auch auf längere, anspruchsvollere Touren gehen kann, als nur die zehn Minuten zum Strand hinunter.

Sollte es dann im Winter bei uns stürmen und schneien, kann man auf Zypern, das übrigens wegen seiner unermesslichen Bodenschätze in der Bronzezeit dem Kupfer (griechisch: Kypros) seinen Namen gegeben hat, zur Orangenernte mit 15 bis 25 Grad rechnen. Und wenn dann schon im Jänner die Mandelbäume zu blühen beginnen und die Insel von einem Meer an Hyazinthen und Krokussen duftet, will man eigentlich gar nicht mehr zurück.

Perikles ist Dorfwirt im zypriotischen Dörfchen Arsos
Picture by T. Micke

Schon gar nicht, wenn der alte Perikles, ein Dorfwirt, an dem Goscinny und Uderzo für ihre Asterix-Zeichnungen maßgenommen haben müssen, in seiner Taverna im Dörfchen Arsos eine traditionelle "Fisch-Mezèdes" auftischt, bei der man üblicherweise schon nach den Vorspeisen – gebratene Kalamares mit Schafskäse gefüllt, Oliven mit Koreander, selbsteingelegte Kapern und eben jede Menge frischer Fische – satt ist. Da hilft dann oft nur noch ein starker zypriotischer Kaffee – zu dem es polsterzipf-ähnliche, mit Topfen gefüllte, warme Purekia gibt – und danach ein Zivania, der einem guten italienischen Grappa wirklich um nichts nachsteht...


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© Eine Reportage von T. Micke (06-10-02) – Kontakt