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Trendscouts: Ist die Zukunft berechenbar?

Wissen, was kommt: Das war schon immer ein Traum des Menschen. Zukunftsforscher und Trendscouts ersetzen heute die Orakel und Hellseher von einst.



Der Weg in die Zukunft ist immer unberechenbar und immer ein Abenteuer
Picture by T. Micke

Zum Jahreswechsel ist es Tradition, zurückzublicken auf das vergangene Jahr. Man fragt sich aber auch, was das neue bringen wird, liest Horoskope und versucht sich mit Bleigießen und Deutungen.

Die Zukunft: Nichts wäre gewinnbringender und nützlicher, als sie zu kennen. Heerführer befragten in der Antike das Orakel von Delphi, um Tipps für die bevorstehende große Schlacht zu bekommen. Im Mittelalter wurden bei Hofe Seher beschäftigt, die oft genug in der Geschichte mit ihren Aussagen über Leben und Tod entschieden. Und wenn US-Notenbankchef Alan Greenspan heutzutage zur Wallstreet-Gemeinde spricht, deuten die Aktien-Analysten an seinen Worten herum, als wisse der Börsenguru wirklich bereits über die zukünftigen Kurssprünge Bescheid.

Mit sich erfüllenden Zukunftsvorhersagen lässt sich eben viel Geld machen. Trendscouts und Modeberater glauben heute schon zu wissen, was wir morgen chic finden. Und Elektronik-Konzerne tun gut daran, Zukunftsberater zu beschäftigen, die das Telefonier-, Spiel- und Fernsehverhalten der Menschen in fünf, zehn oder zwanzig Jahren vorauszuahnen versuchen.

US-Zukunftsforscher John Naisbitt: "Der zuverlässigste Weg die Zukunft vorauszuahnen, ist die Gegenwart zu verstehen."
Picture by Petra Spiola

Während sich "Mode-Hellseher" zumindest noch an den Trends der Vergangenheit orientieren können (auf weite Hosenbeine folgen irgendwann enge, auf breite Schuhspitzen folgen mit Sicherheit schmale) tun sich "echte" Zukunftsforscher schwerer, wenn es zum Beispiel um die Folgen der Globalisierung geht, den Effekt steigender Überalterung in Europa (wichtig für Versicherungen) oder die langfristigen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Natur. Nicht alles war schon einmal da, und es braucht oft sehr genaue Analysen von Vergangenheit und Gegenwart, um die Richtung für die Zukunft zu erkennen.

"Der zuverlässigste Weg, die Zukunft vorauszuahnen, ist, die Gegenwart zu verstehen", sagt Zukunftsguru John Naisbitt. Der in Wien lebende Autor des Bestsellers Megatrends, in dem er zehn Thesen für die Zukunft aufstellte, beriet schon Präsident John F. Kennedy.

Mehr als 14 Millionen Bücher hat Naisbitt mit seiner Expertise als Trend- und Zukunftsforscher bereits verkauft. Einer seiner Leitsprüche "Wir ertrinken in Informationen, aber uns dürstet nach Wissen" passt gut zur heutigen "Informationsgesellschaft" und scheint auch der Schlüssel zum boomenden Erfolg dieser neuen Berufssparte der Zukunftsforscher zu sein: Informationen haben wir wohl genug. Sie richtig zu deuten, ist die Kunst.

Zukunftsforscher Matthias Horx gibt Trendreferate und Firmenseminare
Picture by Matthias Horx

In seinen Zukunftsinstituten in Wien und Frankfurt bietet Matthias Horx, ein zweiter Trend-Guru unserer Zeit, mit großem Erfolg Seminare und Workshops an, und hält vor Firmenbelegschaften und Vereinen Trend-Referate zu so unterschiedlichen Themen wie Telekommunikation, Wein und Marketing. Matthias Horx: "Zukunftsforschung ist eine Wissenschaft, die den Wandel der Gesellschaft und der Welt analysiert und daraus Schlüsse für das Kommende zieht. Sie hat den Sinn, dass wir uns besser auf die Zukunft vorbereiten können."

Im Internet gibt der Soziologe außerdem Kostproben seiner "seherischen Fähigkeiten": Der Wellness-Hype sei bald vorrüber und werde durch einen so genannten Selfness-Trend abgelöst, was bedeutet, dass sich die Gesellschaft zu einer neuen Selbstveränderungskultur hinbewegt. Stimmt die Horxsche Vision, dann wird wohl bald eine ganz andere Berufsgruppe einen Boom erleben: Die der Psychiater, Psychotherapeuten und Persönlichkeitstrainer.


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© Eine Reportage von T. Micke (11-01-04) – Kontakt