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Radioaktiver Zigarettenrauch durch Polonium

Lautet Ihr Neujahrsvorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören? Wir liefern gern ein paar Zusatzargumente. Denn laut Geheim-Gutachten werden Raucher auch noch von Polonium verstrahlt.



Zigarettenrauch enthält Polonium
Picture by T. Micke

Wenn weltweit jedes Jahr 6 Billionen Zigaretten geraucht werden und jede davon 10 Milligramm Teer enthält, dann werden jährlich 60 Millionen Kilo dieses klebrigen Teers in menschlichen Lungen abgelagert. Mit diesem Teer könnte man 6000 Eisenbahnwaggons mit 10 Tonnen pro Fuhre randvoll beladen..." – Robert Proctor ist US-Wissenschaftshistoriker an der angesehenen Stanford University und häufig Gutachter in Tabakprozessen, bei denen es um viele Milliarden Dollar geht. Proctor liebt diese drastischen Vergleiche und verfehlt damit selten seine Wirkung beim rauchenden Publikum, das diese Zahlen eigentlich kennen sollte. In unserem Interview legt er dann sogar noch ein Schäuflein nach: "Diese 6 Billionen jährlichen Zigaretten verursachen – so viel weiß man heute schon – in 20 bis 30 Jahren zwei Millionen Lungenkrebs-Tote pro Jahr. 135 Millionen Menschen, die jetzt schon auf der Welt sind, werden dann an Lungenkrebs, verursacht durchs Rauchen, zu Tode kommen. Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum wir hier in den USA so scharf gegen Tabakkonzerne und das Rauchen vorgehen. Denn es ist ganz und gar nicht so, dass Rauchen eine freie Willensentscheidung ist. Die meisten Raucher sind süchtig nach Nikotin und den vielen Zusatzstoffen, die die Tabakkonzerne den Zigaretten heimlich beigeben."

Der amerikanische Wissenschaftshistoriker Robert Proctor ist Gutachter in vielen Tabakkonzern-Prozessen
Picture by Robert Proctor

Kakao und Bananenöl verbessern heutzutage den Geschmack der Zigarette genauso wie Lakritze. Robert Proctor: "Unglaublich, aber wahr: Rund 90 Prozent der weltweit produzierten Lakritze gehen in die Zigarettenproduktion. Zigarettenrauch enthält durch die Verbrennung all dieser Substanzen neben Teer und Nikotin auch Giftstoffe wie Cyanid, Formaldehyd, Phenol, Benzopyrin, Kohlenmonoxid, Nitrosamin, Pestizide und pro Zigarette auch 0,2 mg Arsen. Umgerechnet atmen die Raucher (und Passivraucher) dieser Welt jährlich eine Million Kilo Arsen ein."

Der US-Forscher weiter: "Auch das dieser Tage wegen der russischen Geheimdienst-Affäre bekannt gewordene radioaktive Polonium-210 ist im Zigarettenrauch enthalten. Das Problem gegenüber anderen Genussmitteln, die ebenfalls Polonium enthalten (z. B. Bananen), aber keinen Schaden anrichten: Mit dem Zigarettenrauch eingeatmet, setzt sich das Halbmetall Polonium in der hochempfindlichen Lunge fest, wo es nicht ausgeschieden werden kann und aggressive Alpha-Strahlung von sich gibt. Den Tabak-Konzernen ist das seit den 60er Jahren bekannt, wie ich durch meine Recherchen aus den Geheimarchiven der Konzerne weiß. Aus diesen Unterlagen geht auch hervor, dass die heimlichen Polonium-Untersuchungen von den USA nach Europa verlegt wurden, um weniger Aufsehen zu erregen. Auch die ,Austria Tabak' wollte übrigens 1982 Untersuchungen über Polonium in Zigaretten anstellen. Was daraus wurde, weiß ich nicht. Österreichische Forscher haben aber gemeinsam mit der Syrischen Atomenergie-Kommission Studien über Polonium im Tabak durchgeführt. Sicher ist jedenfalls, dass jenes Polonium in Zigarettenrauch die gefährlichste Strahlung ist, der ,normale Menschen, die nicht in einem Atomkraftwerk arbeiten, heute ausgesetzt werden."

Dass alle diese Informationen eigentlich nicht neu sind, aber ihren Weg nicht bis zum (rauchenden) Verbraucher finden, schreibt Gutachter Robert Proctor gezielter Desinformation durch die Tabakindustrie zu: "Die Technik ist dieselbe, wie bei der jahrzehntelangen Leugnung der Erderwärmung bei uns in den USA: Es wird behauptet, dass es keine konkreten Beweise gibt, und es werden so viele ablenkende Informationen gestreut, dass der ,kleine' Mann immer im Zweifel bleibt."

Offensichtlich ist jedenfalls, dass die Methoden der Tabakkonzerne alles andere als harmlos sind: In den 60er Jahren entdeckte der Konzern Philipp Morris zufällig eine Methode, den Teergehalt in Marlboro-Zigaretten zu reduzieren, ohne gleichzeitig den bei Rauchern erwünschten Kick durch Nikotin zu schmälern. Robert Proctor: "Durch das Beimischen von natürlich ebenfalls giftigem Ammoniak schoss die Wirkung des Nikotins in die Höhe. In der Fachsprache heißt das ,Freebasing' und ist ein Prozess, der auch bei illegalen Drogen genützt wird, um die Wirkung von Kokain und Heroin zu verschärfen. Nachdem Marlboro durch diesen Trick auf wundersame Weise zur weltweit führenden Zigarettenmarke wurde, haben andere Hersteller die Methode kopiert, sodass heute fast alle Zigaretten auf dem Markt diesen Turbolader aus Ammoniak eingebaut haben..."

Derzeit ist Robert Proctor in den USA als Sachverständiger in einen Monsterprozess involviert, in dem allein 36 Historiker mit der Frage kämpfen, was und wie viel die Tabakindustrie über die tödliche Wirkung der Bestandteile ihrer Glimmstängel wusste. Proctor: "Juristisch ist das alles hochkompliziert und die Konzerne versuchen, die Verantwortung auf die Konsumenten zu schieben. Wir müssen ihnen jetzt nachweisen, dass sie wissentlich ein fehlerhaftes Produkt an ihre Kunden verkauft haben."


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© Eine Reportage von T. Micke (06-01-07) – Kontakt