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Kaldera: Zeitbombe unter dem Yellowstone Park

Eine riesige unterirdische Blase aus flüssigem Gestein könnte in Amerika eine Katstrophe auslösen, die Millionen Opfer fordert und das Land verwüstet.



Skizze: So sieht die riesige Kaldera unter dem Yellowstonepark aus
Picture by Robert Smith

Die Bombe tickt seit 640.000 Jahren, und der Countdown ist bei null angekommen. Sie könnte jederzeit hochgehen oder sich auch als harmloser Blindgänger herausstellen: Nur circa acht Kilometer unter dem einzigartigen Naturwunder des Yellowstone Park in den USA, den jährlich 3,2 Millionen Menschen besuchen, schlummert ein gigantischer unterirdischer Vulkan. Die 40-mal 80 Kilometer große Magma-Blase aus großteils flüssigem Gestein heizt wie eine riesige Kochplatte die Schichten darüber auf und sorgt für die bekannt spektakulären Schauspiele wie Geysir-Fontänen und blubbernde Schlammseen.

Was jetzt neben ein paar Geologen vor allem die Parkbesucher nervös macht: 640.000 Jahre ist es her, dass die letzte Magma-Kammer unter dem Yellowstone-Gebiet in großem Stil explodiert ist und dabei unvorstellbare 1000 Kubikkilometer Magma ausspuckte. 650.000 Jahre davor passierte Ähnliches, so wie weitere 800.000 Jahre davor (siehe Graphik). "Ein Rhythmus, der sich wiederholen und die halben USA in die Luft sprengen wird!", sagen die einen. "Unseriöse Panikmache!", sagen die anderen.

Allemal Grund genug für eine große Reportage im TV-Sender des Naturmagazins "National Geographic" und eine mehrteilige BBC-Dokumentation, die voraussichtlich kommenden Februar ausgestrahlt wird. Denn ein solcher Ausbruch scheint irgendwann fällig zu werden, wenn auch vielleicht erst in 10.000 Jahren.

Tatsache ist, dass eine Vulkanexplosion dieses Ausmaßes die vielfache Sprengkraft einer Wasserstoff-Bombe besitzt und bei der dichten Besiedlung heutzutage eine menschliche Katastrophe ungeahnten Ausmaßes verursachen würde. Die Rede ist von Millionen Todesopfern. Von den Folgen für die Natur ganz zu schweigen.

Skizze: Die Temperaturverteilung der Yellowstone-Kaldera sieht bedrohlich aus
Picture by Robert Smith

Dr. Friedrich Koller vom geologischen Institut der Uni Wien: "Der gesamte Yellowstone Park wäre dann mit Sicherheit Geschichte, und es bliebe an der Stelle nur ein riesiger Krater wie schon vor 640.000 Jahren. Weite Teile der USA würden durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen. Und die Unmengen an hochgeschleuderter Asche in der Atmosphäre, die der Jet-Stream mit sich um die Welt reißen würde, würden das Klima abkühlen und schwere Ernteausfälle bewirken. Diesen Effekt kennt man von einem großen Vulkanausbruch in Island zu Beginn der Neuzeit, der eine schwere Hungersnot ausgelöst hat. Selbst der im Vergleich zum Yellowstone-Szenario ,winzige' Vulkanausbruch des Mount St. Helens von 1980 schleuderte Asche bis in 25.000 Meter Höhe und beeinträchtigte das Leben der Menschen in drei US-Bundesstaaten."

Skizze: So steigt heißes Gestein in einem Hitzeschlauch unter dem Yellowstone Park an die Erdoberfläche
Picture by Robert Smith

Die riesige "Kaldera", wie man den Riesenkrater der letzten Explosion nennt, auf der der Yellowstone Park entstand, ist mittlerweile verkabelt und verwanzt wie die Gefängniszelle eines Schwerverbrechers, damit man ja nicht das kleinste Anzeichen für den nächsten großen "Coup" verpasst: 80 Seismographen erfühlten zwei Jahre lang für eine Studie die winzigsten Erdregungen. GPS-Empfänger zeichnen rund um die Uhr millimetergenau ihre Position im Park auf. Und längst wird neben Laser-Messungen als neuester Geologen-Schrei auch satellitengestützte Interferometrie für großflächige Untersuchungen eingesetzt.

Dr. Henry Heasler, einer der leitenden Forscher im Yellowstone Park: "Wir haben hier jährlich rund 3000 kleinere und größere Erdbeben. Wenn bei Ihnen das Sprichwort ,Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen' Beständigkeit signalisiert, dann ist das bei uns nur ein guter Witz. Denn der Boden hier verändert sich täglich. Ein Touristen-Pfad kann von einem Tag auf den nächsten so heiß werden, dass Schuhsohlen schmelzen und er gesperrt werden muss. Und die Temperatur und Ausstoßmenge von heißen Schlammlöchern und Geysiren kann sich ebenfalls jederzeit ändern. Das ist aber völlig normal für dieses Gebiet, das seit Millionen Jahren ständig in Bewegung ist. Diese Aktivitäten müssen nur überwacht werden, denn wenn es wieder zu einem so großen Ausbruch kommt, liefert schon die Zusammensetzung der Vulkan-Dämpfe oder der Rhythmus der Geysire erste Hinweise darauf. Und die Vorwarnzeit dauert vielleicht im Ernstfall nur ein paar Tage."

Die großen Yellowstone-Eruptionen im Vergleich zum "winzigen" Ausbruch des Mount St. Helens
Picture by Robert Smith

Auch wenn man gegen eine so gewaltige Naturkatastrophe nichts unternehmen kann, wollen die Forscher zumindest verstehen, wie sie zustande kommt. Ähnlich wie Computer-Tomographie heutzutage in der Medizin eingesetzt wird, um exakte Bilder der inneren Organe des Menschen zu liefern, so verwenden Geologen seit neuestem seismische Tomographen, um sich ein "Röntgenbild" von den Erdschichten unter uns zu machen. Nur verwendet man dazu nicht wie in der Medizin Röntgenstrahlen, sondern Erdbebenwellen.

US-Vulkanologe Dr. Robert Smith im Interview: "Wir können mit dieser neuen Methode und der ungeheuren Rechner-Leistung, die moderne Computer bieten, schon bis in 1400 Kilometer Tiefe ,sehen, von wo vermutlich auch der Magma-Schlauch von Yellowstone aufsteigt. Wenn wir diesen geheimnisvollen Mechanismus unserer Erde verstehen, dann können wir vielleicht irgendwann auch Vulkanausbrüche vorausberechnen."

Hoffentlich rechtzeitig genug, um die Katastrophe von Yellowstone vorherzusagen.


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© Eine Reportage von T. Micke (03-10-04) – Kontakt