Welt-Bildung

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

NACHLESE INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Private Raumfahrt: Welt-All Inclusive

10 Millionen Dollar Preisgeld für das erste private Raumschiff, das noch 2004 drei Passagiere ins All bringt. Das Ziel: endlich richtiger Weltraumtourismus.



Der X-Prize: Eine solche Flugbahn sollte das Gewinnerprojekt schaffen
Picture by X Prize

Zehn Millionen Dollar! Es dauerte sechs Jahre, bis diese Summe von privaten Spendern zusammengesammelt worden war. 2002 war es dann so weit: Dr. Peter Diamandis und sein Freund Gregg Maryniak, zwei flugverrückte Amerikaner mit den nötigen Beziehungen, hatten das Geld für den "X Prize" zusammen. Eine Auszeichnung (dotiert mit besagten zehn Millionen Dollar) für den, der es als Erster schafft, ein privates Raumschiff mit drei Personen Besatzung 100 Kilometer weit von der Erde in den Weltraum zu schießen, Schiff und Crew heil wieder herunterzubringen und das Ganze mit demselben Gerät binnen zwei Wochen zu wiederholen: ein Preis, wie er 1927 Charles Lindbergh zu seinem Rekord-Flug über den Atlantik animierte (damals 25.000 Dollar) und der die gesamte heute bekannte Luftfahrt erst in Bewegung brachte.

Ähnliches halten die Visionäre der "X Prize Foundation" unter ihnen Charles Lindberghs Enkel und Weltraum-Tourist Dennis Tito auch bei der Raumfahrt für möglich. Geschäftsführer Gregg Maryniak im Interview: "Manche Leute fragen seit Jahren: ,Wann verkauft die NASA die ersten Flugtickets ins Orbit?' Die Antwort ist: ,Nie!' NASA und ESA sind Weltraumagenturen mit anderen Aufgaben. Kommerzielle Raumfahrt und mit ihr die Verbilligung der gesamten Weltraum-Technologie muss sich ganz von alleine entwickeln, so wie das mit der Luftfahrt geschehen ist. Dafür haben wir als Anreiz diesen Preis geschaffen."

Der Starchaser, einer der hoffungsvollen Anwerter auf den X-Prize
Picture by X Prize

Wenn man sich die 27 Kandidaten-Teams aus sieben Nationen genauer ansieht, dann fühlt man sich bei einigen in die kuriosen Episoden in Douglas Adams Weltraum-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" versetzt. Oder in das Starterfeld eines Seifenkistenrennens: Da wurden Raumkapseln aus Alu mit selbst gedrehten Haltegriffen präsentiert, ein Treibstofftank, der ursprünglich für Wasseraufbereitung gedacht war oder Schaumgummi-Polster statt Sitzen, um Platz zu sparen...

Der Canadian Arrow kämpft beim X-Prize ganz vorne mit
Picture by X Prize

Aber es gibt auch sehr ernst zu nehmende Anwärter: viele davon junge "Frühpensionisten", die sich mit Software-Unternehmen in den Internet-Boom-Jahren goldene Nasen verdient haben und rechtzeitig vor dem großen Börse-Crash ausgestiegen sind. Sie scheint der Weltraum als unerfüllter Kindheitstraum magisch anzuziehen.

Nach dem Motto "Kann ich nicht Astronaut bei der NASA werden, dann bau ich mir meine Rakete eben selber" findet sich in der Liste der privaten Weltraumfirmengründer zum Beispiel Jeff Bezos, einer der Ur-Väter des Online-Kaufhauses "Amazon". Oder John Carmack, Ex-Gründungsmitglied von "Id Software", jetzt Chef von Armadillo Aerospace am Stadtrand von Dallas mit dem nötigen Kleingeld, um für eine Million Dollar Wasserstoffperoxid-Treibstoff einzukaufen...

Wird den X-Prize wahrscheinlich gewinnen: Burt Rutans Spaceship One am Bauch des Transporters White Knight
Picture by X Prize

Der von den Buchmachern als hoffnungsvollster Kandidat geführte Anwärter ist Burt Rutan, der mit seiner US-Firma "Scaled Composites" am Rande der Mojave-Wüste an "White Knight" ("Weißer Ritter") und "Spaceship One" tüftelt. Der Weiße Ritter ist ein futuristisches Transportflugzeug, das die Kohlefaser-Raumfähre Spaceship One an"seinem Bauch befestigt bis in 15.000 Meter Höhe trägt, wo der kleine Dreisitzer sein eigenes Triebwerk zünden und senkrecht weiterfliegen soll, um nach schwerelosen Minuten in mehr als 100 Kilometer Höhe mit seinen fünf Metern Spannweite sicher zur Erde zurückzufliegen.

SpaceshipOne und White Knight mit abenteuerlichem Design
Picture by X Prize

Bis jetzt hat allerdings noch kein Teilnehmer trotz vieler Tests einen Versuch unternommen, den Millionen-Jackpot zu knacken. Aber die Frist läuft Ende 2004 aus. Gregg Maryniak: "Trotz aller Geheimhaltung wage ich zu sagen: Ein Team wird sich noch heuer in die Geschichtsbücher der Raumfahrt einschreiben."


< Zurück zu Astronomie/Weltall

© Eine Reportage von T. Micke (26-02-04) – Kontakt