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Designerbabys oder Wunschkind: Darf's auch ein Mäderl sein?

Eine Frage, die leider in vielen Ländern wirklich gestellt wird. Mädel oder Bub ist nicht mehr Zufallssache: Das Labor kann Regie führen. Auch wenn der Zufall mit Sicherheit der bessere Regisseur ist.



Das Labor kann bei den Wünschen werdender Eltern Regie spielen
Picture by T. Micke

"Hauptsache ist, das Kind ist gesund", antworten wohl die meisten werdenden Eltern in Österreich auf die Frage, ob sie lieber einen Buben oder ein Mädel hätten. Und viele lassen sich die Überraschung auch nicht durch den Arzt nehmen, der bei der Ultraschall-Untersuchung während der Schwangerschaft erkennt, was dem Paar bevorsteht.

In manchen Ländern wie China oder Indien sind die Sitten anders. In China ist es überhaupt so, dass jede Familie wegen der Bevölkerungsexplosion im Reich der Mitte mit wenigen Ausnahmen nur ein Kind haben darf. Und da soll es der Tradition nach ein Bub, "ein Stammhalter", sein, was früher zu Kindesweglegungen und Morden geführt hat. Heutzutage sind es Hunderttausende Abtreibungen. Eine schreckliche Praxis, für die Chinas Regierung noch keine Lösung hat und dafür jetzt mit einer Überzahl an jungen Männern konfrontiert ist, die keine Frau finden.

Auch in Europa war das Thema Stammhalter über Jahrtausende bestimmend. 450 v. Chr. vermutete der Philosoph Anaxagoras, dass der rechte Hoden des Mannes Buben, der linke Mädchen verursache. In der Folge banden sich noch im Mittelalter viele Männer unsinnigerweise den linken Hoden vor dem Geschlechtsverkehr ab, französische Adelige ließen ihn gar ganz entfernen. Und eine Methode aus dem 18. Jahrhundert schlug neben anderen Tricks vor, der Mann solle beim Sex auf der linken Seite der Frau liegen, wenn männliche Nachkommen gewünscht seien.

Ob Kinder glücklicher sind, wenn die Eltern sie mit-designt haben?
Picture by T. Micke

Diese Zeiten sind vorbei, nicht aber der Wunsch vieler Paare, Einfluss zu nehmen, etwa wenn bereits drei Buben durchs Haus tollen und es beim nächsten Mal ein Mädchen sein sollte. Modernste Labortechnik ist inzwischen so weit, die Spermien des Mannes, die bunt gemischt zur Hälfte weibliches und zur Hälfte männliches Erbgut tragen, durch spezielle Zentrifugen, Magnete und schwache elektrische Felder zu trennen. Dabei nützt man aus, dass das männliche Y-Chromosom kleiner und leichter ist als das X-Chromosom. Hundertprozentig ist diese Methode aber auch nicht.

Sicher erfüllen lassen sich spezielle Kinderwünsche heutzutage nur bei künstlicher Befruchtung im Labor mittels "Präimplantationsdiagnostik", die bei uns verboten ist, wie Frauenarzt Dr. Walter Sacher beschreibt: "Dabei wird von den ersten sich teilenden Zellen des heranwachsenden Lebens eine Zelle abgezweigt und untersucht. Anhand der Chromosomenpaare, von denen ja jeweils eines von Vater und Mutter stammt, lässt sich dann nicht nur erkennen, ob es ein Bub oder ein Mädel wird, sondern auch, ob das Kind gesund ist. Ob etwa am Chromosom 21 eine so genannte ,Trisomie' vorherrscht, die zum Down-Syndrom (Mongolismus) führt. Wenn etwas nicht stimmt, wird der Embryo der Frau einfach nicht eingepflanzt, und man nimmt eine andere befruchtete Eizelle."

Reproduktionsmediziner Prof. Wilfried Feichtinger: "Für diese Methode reisen viele Inder extra nach England. Patienten in Österreich, die so ein Wunschkind wollen, müssten ebenfalls ins Ausland, weil bei uns nur bei Unfruchtbarkeit künstlich befruchtet werden darf und diese Untersuchung des Invitro-Embryos nur gestattet ist, um festzustellen, ob er lebensfähig ist, was man an den ersten elf Chromosomenpaaren erkennt."

Wie wenig Forscher wirklich darüber wissen, welche Faktoren das Geschlecht beeinflussen, beschreibt Prof. Feichtinger im leider vergriffenen Buch "Die Wunschkinddiät". Neben allen möglichen Tricks wie der Empfängnis vor oder nach dem Eisprung, die nur zweifelhafte Erfolge erzielen, scheint es laut praktischer Studien möglich, durch spezielle Ernährung die Wahrscheinlichkeit für Mädel oder Bub von 50:50 auf bis zu 80:20 zu verschieben. Prof. Feichtinger: "Einfach gesagt: Wenn sich das Paar ein Mädel wünscht, sollte die zukünftige Mutter vor der Empfängnis salziges Essen meiden, sich eher an Mehlspeisen halten und viel Kalzium und Magnesium zu sich nehmen. Bubenwünsche gehen eher in Erfüllung, wenn die Frau salzreich isst, das heißt, viel Natrium und Kalium zu sich nimmt. All das aber bitte immer nur in Absprache mit dem Arzt."

Wenn es dann doch Bub statt Mädel wird, hat wenigstens der Zufall von Mutter Natur Regie geführt und nicht das Labor. Den erwartungsvoll gekauften rosa Strampelanzug kann man ja zum Glück umtauschen...


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© Eine Reportage von T. Micke (15-05-05) – Kontakt