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Wespen haben keine schlechte Laune!

Sie kommen ungebeten zur Sommerparty, drängeln sich am Buffet vor und sticheln giftig zurück, wenn man sie zurechtweist. Wie Wespen uns Menschen ähneln.



müde Wespe
Picture by T. Micke

Wenn man lernen will, besser mit ihr auszukommen, sollte man wissen, was für Ansprüche so eine Wespe an das Leben stellt, so der Wiener Zoologe Prof. Manfred Walzl: "Dann stellt man fest, es sind eigentlich dieselben Dinge wie beim Menschen: wohnen, sich ernähren und sich vermehren."

Bei der Ernährung sind es vor allem süße Säfte, die ausgewachsene Wespen als "Flugbenzin" bevorzugen, weil sie selbst keine feste Nahrung zu sich nehmen. Wenn sie dennoch wie überladene Transporthubschrauber riesige Gugelhupf-Brösel abschleppen oder mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen ganze Ecken aus der Frühstücks-Extrawurst sägen, dann ist das für die lieben Kleinen, die daheim im Wespennest hungrig mit den Beißerchen an den Zellwänden kratzen.

"Wespen fliegen auf all das, was auch der Mensch gerne nascht", erklärt Prof. Walzl. "Also alles, was Zucker enthält, außerdem Fleisch und Bier. Da mögen sie den Alkohol und das Malz. Aggressiv wird eine Wespe, wenn sie mit einer Alkohol-Fahne angehaucht wird." Auch in dem Punkt ist sie also dem Mensch sehr ähnlich...

Wespen verwenden ihren Stachel hauptsächlich, um ihre Beute – meist schädliche Insekten wie Wanzen, Läuse oder Schaben – zu betäuben. "Sie würden niemals von sich aus einen Menschen stechen. Denn im Gegensatz zum Menschen sind sie unvoreingenommen und müssen außerdem mit dem Gift haushalten", so Prof. Walzl.

"Große Tiere" wie der Mensch werden nur attackiert, wenn sich Wespen bedroht fühlen. Zum Beispiel wenn man in Panik nach ihnen schlägt und sie dabei womöglich auch noch gegen den Sitznachbarn aufhetzt. Dann verändern die Tierchen die Frequenz ihres Flügelschlags und senden so ein Alarmsignal, das auch andere Wespen auf den Plan ruft.

verzweifelte Wespe
Picture by T. Micke

Manfred Walzl: "Wenn man bei Konfrontation mit einer Wespe nicht hysterisch wird, ist das schon sehr gut. Verscheuchen sollte man sie nur mit langsamen Bewegungen." Dasselbe gilt übrigens auch für Hornissen, die generell als gutmütiger gelten als ihre kleinen gelben Verwandten. Sommer, in denen Wespen aggressiver sind, als in anderen, gibt es laut dem Experten nicht: "Wespen haben keine schlechte Laune. Sie sind nur bei kühlem Wetter weniger aktiv als bei warmem, und sie spüren auch die elektrische Aufladung der Luft, wenn ein Gewitter droht."

Wenig bekannt ist: Im Gegensatz zu Bienen fliegen Wespen auch bei Regen noch. Die Wassertropfen dringen nicht so leicht durch die Schutzhärchen und sind daher bei Regenwetter für die Blütenbestäubung wichtig.

Faszinierend und nicht bedrohlich, wie sie von Menschen oft empfunden werden, sind auch die Nester unserer ursprünglich aus Südostasien stammenden Faltenwespen. Hier kann der Mensch noch einiges in Sachen Architektur lernen. Prof. Walzl: "Durch die sechseckige Bauweise der Zellen wird viel Material gespart, weil jede Wand für Nachbarzellen einer Wabe gleich mitverwendet werden kann. Drumherum ist eine kompliziert aufgebaute Hülle mit einem Lüftungssystem, das nur bei großer Hitze und Windstille Schwächen zeigt." Dann schleppen die Arbeiterinnen Wassertröpfchen ins Nest und erzeugen durch Flügelschlagen als lebende Ventilatoren Verdunstungskälte.

Jedes Nest wird von einem Wespenvolk aus Hygienegründen nur einmal benützt, weil sich Bakterien und Pilze ansammeln, kann also am Ende des Jahres, wenn alle Wespen bis auf die ausgeflogenen Königinnen gestorben sind, bedenkenlos entfernt werden. Die Tiere sind in ihren "Einweg-Gemeindebauten" so reinlich wie der Mensch und verwenden ein eigenes Klosett, um ihr Heim nicht zu beschmutzen.

Weitere erstaunliche Details, die Forscher herausgefunden haben: Wespen orientieren sich beim Bau ihrer Nester am Magnetfeld der Erde. Sie schlafen jeden Tag nur zwei bis drei Stunden und tun dies in Schichten, um die Larven zu füttern und die Eingänge zu bewachen. Durch ihre leistungsfähigen Augen können sie nachts noch bei fast völliger Dunkelheit fliegen und das mit bis zu 33 km/h.

Prof. Walzl verblüfft im Herbst gelegentlich seine Studenten, indem er Wespen fängt, ohne sich stechen zu lassen. Der Trick: "Im Herbst kommen die Männchen zur Welt, die ausschließlich zur Fortpflanzung benötigt werden und keinen Stechapparat haben. Erkennen kann man sie nur an den Fühlern, die nicht geknickt, sondern nur leicht gebogen sind, und an dem plumperen Hinterteil." – Ebenfalls wie bei den Menschen.


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© Eine Reportage von T. Micke (10-07-05) – Kontakt