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Private Raumfahrt: Schwerelosigkeit im Sonderangebot

Spät, aber doch: 45 Jahre nach dem ersten bemannten Raumflug erobert nun die Privatindustrie das All. Mit Sightseeing-Raumfähren und Hotels im Orbit für Weltraumtouristen kommt die neue Trendimmobilie: der Weltraumflughafen. Die wahre Eroberung des Alls hat begonnen!



Schwerelosigkeit für Touristen an Bord von Virgin Galactics SpaceShip Two
Picture by Virgin Galactic

Ganze 108 Minuten war Juri Gagarin beim ersten Weltraumflug der Menschheit unterwegs. 300.000 Meter hinauf in die Exosphäre, einmal mit 28.800 km/h rund um den Globus und wieder zurück. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre glühten die Schutzschilde der kleinen Raumkapsel bei mehreren 1000 Grad. Hätten sie nicht gehalten, wäre Gagarin bei lebendigem Leibe verbrannt. 1961 ein echtes Himmelfahrtskommando, das großen Todesmut erforderte.

Heute empfinden wir die Shuttle-Flüge zur Raumstation ISS in knapp 400.000 Meter Höhe als Routine und schütteln nur noch den Kopf, wenn wieder einmal ein paar Hitzekacheln von der Außenhaut der veralteten "Pendelbusse" abblättern.

Ein privater Weltraumbahnhof ist im arabischen Scheichtum Ras Al Khaimah angedacht
Picture by UAE Spaceport Concept

Ruhig war es in den letzten Jahren um die bemannte Raumfahrt. Und wenn die NASA mehr Geld von Vater Staat für ihre Astronauten haben wollte, kam immer öfter die Frage "Wozu Menschen ins All schicken?" – Wenn doch kleine, leichte Roboter den Großteil der Forschungsarbeit viel billiger erledigen können.

Von einem Moment auf den anderen scheint die Frage "Wozu?" aber eine sehr schlagkräftige Antwort bekommen zu haben. Denn die Privatindustrie hat ganz plötzlich den Weltraum für sich entdeckt, und ihre Antwort lautet: "Um damit kräftig Geld zu verdienen!"

Eben hat die Privatfirma "Scaled Composites" ein privat gestiftetes Preisgeld von 10 Millionen Dollar eingesackt für einen bemannten Flug bis in 100.000 Meter Höhe, wo man bei fast nicht mehr wahrnehmbarer Schwerkraft und minus 90 Grad Celsius die Grenze zum Weltraum ansiedelt. Kurz danach trat mit "Virgin Galactic" die erste Raumfluglinie der Welt auf den Plan. Und vor ein paar Wochen verkündete der Multimillionär Robert Bigelow: "Wer es schafft, ein bemanntes Raumschiff zu bauen, das bis 2010 an meinem aufblasbaren Hotel (das bis dahin um die Erde kreisen wird) andockt, kriegt 50 Millionen Dollar."

Der Flugplan in die Schwerelosigkeit von Virgin Galactics Spaceship Two
Picture by Virgin Galactic

Nach 45 Jahren bemannter Erkundungsmissionen durch staatliche "Weltraum-Scouts" beginnt damit wohl jetzt die wahre Eroberung des Weltraums durch den Menschen. Die Geschäftswalze ist unaufhaltsam ins Rollen gekommen: Viele Investoren sind sich jetzt so sicher, dass jemand 2010 den Bigelow-Preis kassieren wird, dass sie schon ihr Geld in den nächsten logischen Schritt stecken: "Spaceports" – Weltraumbahnhöfe sind zur Trendimmobilie der Superreichen geworden: 225 Millionen Dollar lässt sich der US-Bundesstaat New Mexico sein zukünftiges Tor zum Weltraum kosten, das bis 2009 in der Wüste fertiggestellt sein soll. Um 265 Millionen soll eines im Scheichtum Ras Al Khaimah entstehen. Und auch Singapur denkt laut über einen Spaceport nach.

Anfangs werden solche Weltraumbahnhöfe nicht viel mehr bieten können als Kurzbesuche in der oberen Atmosphäre im Sinne eines Vergnügungsparks für Superreiche: Einmal Erdkrümmung und schwarzen Weltraum schauen sowie 5 Minuten echte Schwerelosigkeit erleben um 200.000 Dollar. Aber wenn man Richard Branson, dem Chef von "Virgin Galactic" glaubt, dann werden solche Flüge sehr schnell im Preis fallen, wenn mit der Routine auch die Konkurrenz wächst.

Branson will bereits 2008 startklar sein. Er hat bei der Firma "Scaled Composites" fünf sechssitzige Exosphären-Gleiter bestellt, die nach dem erfolgreichen Prototyp "SpaceshipOne" nun "SpaceshipTwo" heißen, rund 20 Meter lang sind und ebenfalls von einem Flugzeug aus gestartet werden. Die betuchte Kundschaft rennt ihm schon die Türen ein. Sein bisher schrillster Fixstarter ist ein Brite, der seine Bonusmeilen im Vielfliegerprogramm von "Virgin Atlantic" in einen Gratis-Schwerelosigkeitsflug umgetauscht hat: Die dazu nötigen unglaublichen zwei Millionen Bonusmeilen hat er sich in sechs Jahren bei 40 Transatlantikflügen verdient. – Erster Klasse versteht sich...

New Mexikos Gouverneur  mit Richard Branson bei der Feier des Spaceport für Virgin Galactic
Picture by Virgin Galactic

45 Jahre vom ersten Weltraumflug der Menschheit zum ersten Bonusmeilen-Ticket ins All. – Und vermutlich etwa fünf Jahre mehr für folgendes Sonderangebot im Onlinereisebüro: 7 Tage Strandurlaub in Dubais neuestem 8-Sterne-Hotel via schwerelosem "Spaceshot" von New Mexico nach Ras Al Khaimah und zurück.

Oder wird man dann womöglich schon die Bonusmeilen für Erste-Klasse-Flüge in die Schwerelosigkeit in Gratistickets mit "SpaceshipThree" zum Mond eintauschen können?


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© Eine Reportage von T. Micke (12-11-06) – Kontakt