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Radiästhesie: Der 6. Sinn und die Wissenschaft

Wünschelrutengänger: Von vielen belächelt wie Scharlatane, von anderen bestaunt wie Hellseher. Was ist dran an diesem Phänomen, auf das so viele schwören und das wissenschaftlich trotz allem (noch) nicht beweisbar ist?



Kann der Mensch Strahlung mit einer Wünschelrute spüren?
Picture by Sandia National Laboratories

Ein Rutengänger, der im Auftrag der ASFINAG österreichweit Autobahnabschnitte mit schlechter Energie ausfindig macht, um sie zwecks Unfallvermeidung zu entschärfen? "Ja, das gab es bis Ende letzten Jahres", bestätigt ASFINAG-Sprecherin Klaudia Niedermühlbichler im Interview: "Seit 2002 waren zwei Herren mehrmals pro Jahr für uns unterwegs, um an Unfallhäufungspunkten so genannte ,Alternativmaßnahmen' zu setzen." So wurden an Tauern- und Katschbergtunnel sowie an anderen gefährlichen Straßenabschnitten nicht nur bessere Markierungen angebracht, Deckensanierungen vorgenommen und Leitschienen verstärkt, sondern auch Energiesteine angebracht. Immerhin bekamen die beiden für ihre freiwilligen Dienste das Kilometergeld bezahlt. Nach Auskunft der ASFINAG bleibt zwar unklar, ob die "Veränderung der Kraftflüsse" die Verkehrssicherheit erhöht hat, aber wie heißt's auch in der Homöopathie oft so passend? "Nutzt's nix, schadet's nix!"

Rutengeher Ilmar Tessmann, der die vielen Kilometer quer durch Österreich zum Wohle der Autofahrer auf sich genommen hat, sieht das allerdings anders: Natürlich haben die entstörenden Maßnahmen etwas gebracht. Und dort, wo sie beschädigt oder entfernt wurden, stieg auch die Unfallrate wieder!" Der rüstige Pensionist kam vor 26 Jahren auf die Wünschelrute, als seine Familie beim Bau eines Hotels einen Brunnen graben wollte: "Wir haben einen Rutengeher geholt, aber dort, wo er uns graben ließ, nichts gefunden. Da hab ich mir selbst einen Zweig vom Baum gebrochen und das Wasser an einer anderen Stelle gefunden."

Dass Wünschelrutengänger oft erstaunlich gut im Finden von Wasserquellen sind, bestreitet selbst Prof. Jean Schneider vom Institut für angewandte Geologie der Boku in Wien nicht: "Wenn ein Rutengeher dort sucht, wo er daheim ist, dann führt ihn anscheinend die Mischung aus dem, was er spürt und dem, was er über die Gegend weiß, recht treffsicher zum Ziel. Sehr skeptisch wäre ich aber bei denen, die mit dem Pendeln und allen möglichen dubiosen Geräten Geld verdienen. Kürzlich wollte eine Gemeinde an der Donau nur aufgrund der Aussagen eines Rutengehers in der Hoffnung auf Thermalwasser Millionen Euro in Bohrungen stecken. Das war ein absoluter Blödsinn."

Prof. Schneider: "In der Wissenschaft gibt es ein ganzes Puzzle von Methoden, mit denen man einigermaßen sicher Wasser finden kann. Das geht mithilfe von Schall- und Radiowellen, elektrischem Strom und auch Magnetmessungen, kostet aber Geld. Ein Rutengeher ist da billiger. Aber wenn dieser Aussagen trifft wie: ,In 50 Meter Tiefe spüre ich drei Liter Wasser pro Sekunde, würde ich das nicht glauben.' Mit Ilmar Tessmann, der für die ASFINAG unterwegs war, war ich auch schon im Gelände. Er scheint wirklich etwas zu spüren. Auch als Skeptiker muss man vorsichtig sein. Es ist erst 110 Jahre her, dass man die Radioaktivität entdeckt hat. Davor hatte niemand eine Ahnung davon."

Dennoch tut es der Sache nichts Gutes, wenn Radiästheten ihren Wunschtraum mit "Gewalt" zu verwirklichen versuchen nach dem Motto: Wissenschaftlich wirkt, was wissenschaftlich klingt. So schreibt eine deutsche "Wünschelrutenschule" auf ihrer Homepage: "Radiästhesie ist eine uralte empirische Wissenschaft über den feinsinnlichen Bereich morphogenetischer Felder"...

Auf der Suche nach wissenschaftlich glaubhaften Beweisen rund um den Einfluss von Wasseradern und Erdstrahlung auf den Menschen (die so genannte "Radiästhesie") ist Prof. Gerhard Hacker. Der Mediziner leitet das Institut für Grund- und Grenzfragen am LKH Salzburg: "Kürzlich hat man herausgefunden, dass nicht nur manche Vögel Magnetit in ihren Schnäbeln haben, um sich am Magnetfeld der Erde zu orientieren. Winzig kleine Magnetit-Kristalle hat man auch bei anderen Tieren wie Bienen gefunden. Auch die Gehirnmembran des Menschen enthält Millionen solcher winziger Kristalle. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich diese aufgrund von Strahlungsfeldern neu ausrichten und dass es Menschen gibt, die deshalb an manchen Stellen des Hauses nicht schlafen können. Klar kann einem ein Rutengeher auch etwas einreden, und Messungen machen sicher erst Sinn, wenn das Haus mit all seinen Stahlteilen und Wasserleitungen steht, aber was wollen Sie einem sagen, der nach dem Rat eines Rutengehers sein Bett verstellt hat und jetzt endlich glücklich schläft? Dass er Unrecht hat?"

Auch Rutengeher Ilmar Tessmann lässt sich nicht von Skeptikern irritieren: "Wenn mir jemand sagt, dass es das alles nicht gibt, dann ist das für mich, wie wenn ein völlig unmusikalischer Mensch, der leider Schweinsohren hat, behauptet, es gäbe keine Harmonie..."


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© Eine Reportage von T. Micke (17-02-08) – Kontakt