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Nuèes Ardentes: Die bösen Kräfte des Feuerrings

Die von schweren Erdbeben gezeichneten Bewohner von Java rechnen mit einer neuen Katastrophe, wenn Merapi, der Feuerrote, tobt: Denn dieser Berg beherrscht das tödlichste Vulkan-Phänomen der Welt wie kein anderer.



Lavaströme eines aktiven Vulkans auf Hawaii
Picture by Stefan Micke

"Feuerring" wird jene Region im asiatischen Pazifik genannt, die sich mit der weltweit größten Dichte an Vulkanen über die Inselgruppen Indonesiens erstreckt. Schwere Erdbeben wie jenes auf Java vor einer Woche sowie Vulkanausbrüche gehören dort – aus geologischer Sicht – zur gefährlichen Tagesordnung. Und diese "bösen Kräfte des Rings" sorgen in einem der dichtbesiedeltsten Gebiete unserer Erde regelmäßig für Naturkatastrophen – bis hin zum Tsunami.

65 der dort derzeit aktiven 128 Vulkane werden von Wissenschaftern als sehr gefährlich eingestuft. "Gunung Merapi", in der Sprache der Einheimischen "der feuerrote Berg", ist einer von ihnen. Allerdings aus Sicht vieler Experten der gefährlichste von allen. Und ausgerechnet er – wie wenn über die Insel Java nicht schon genug Leid hereingebrochen wäre – scheint kurz vor einem erneuten Ausbruch zu stehen.

Seit 1548 hat der 2914 Meter hohe Merapi 68-mal Feuer und Asche über die Menschen gebracht, die an seinen Flanken bis in 1700 Meter Höhe leben, davon elf Mal – wie bei einem der letzten großen Vorfälle von 1982 – mit tödlichem Ausgang. Damals wuchs der Lava-Kegel des Schichtvulkans monatlich um sagenhafte 100.000 Kubikmeter und brach schließlich in sich zusammen.

Was den nur 30 Kilometer nördlich der 500.000-Einwohner-Hauptstadt Yogyakarta und keine 50 Kilometer vom jüngsten Erdbeben-Epizentrum liegenden Vulkan so gefürchtet macht, ist das Phänomen der so genannten "Nuèes Ardentes", die beim Merapi so oft wie nirgends auf der Welt auftreten: "Brennende Wolken", die mit bis zu 150 km/h die Hänge des Vulkans hinabschießen können wie Schneelawinen in unseren Alpen. Diese Art von Lawinen besteht allerdings aus Asche, Lava-Brocken und giftigen, bis zu 800 Grad heißen Gasen und ist daher gleich mehrfach tödlich.

Nuees ardentes – brennende Staubwolken – sind die tödlichste Gefahr, die von Vulkanen ausgeht
Picture by Stefan Micke

Wenn so eine "Nuèe Ardens" die Aschenflanke des Merapi hinunterrollt, wird es für eine Flucht zu spät sein. Trotzdem ignorieren viele Indonesier, die das Erdbeben auf Java überstanden haben, die Evakuierungsaufrufe der Regierung, und auch der vom Sultan eingesetzte 80-jährige spirituelle "Hüter des Vulkans" Maridjan, von dem sich die Bewohner der angrenzenden Dörfer Rat holen, denkt nicht daran, seinen Posten zu verlassen.

Die Menschen auf Java wollen nach der jüngsten Erdbeben-Katastrophe mit mehr als 5000 Opfern und 130.000 Flüchtlingen ohne Dach überm Kopf retten, was sie noch retten können. Und dazu gehört eben auch, Plünderungen in den Dörfern zu verhindern und möglichst bald wieder den täglichen Geschäften nachzugehen...


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© Eine Reportage von T. Micke (04-06-06) – Kontakt