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Linkswalzer mit feuriger Venus



Der Vulkan Maat Mons auf unserem Nachbarplaneten Venus ist 8000 Meter hoch.
Picture by NASA/JPL

Ein Forschungssonde mit viel Technik aus Österreich an Bord ist auf dem Weg zur Venus, um ihr ein paar lang gehütete Geheimnisse zu entlocken. Denn "die Dame" hat reichlich seltsame Angewohnheiten.

Nach einer Terminverschiebung ist der Start der europäischen Sonde "Venus Express" vor einer Woche endlich geglückt. Österreichs Mann bei der ESA, Dr. Rudolf Schmidt, der Herr über den erfolgreichen "Mars-Express" war und die Vorbereitungen für die Expedition zur Venus leitete, ist erleichtert: "Eigentlich hatte ich ja den Start auf Österreichs Nationalfeiertag gelegt, doch es gab Verzögerungen. Aber jetzt ist die Sonde auf Kurs, und wir erhoffen uns spannende Forschungsergebnisse." Denn obwohl die Venus unserer Erde fast doppelt so nah kommt wie der Mars, auf dem die Forscher die Existenz von Leben vermuten, ist sie doch eine sehr unnahbare Diva, mit höchst extravaganten Eigenheiten.

Die Sonde Venus Express auf ihrem russischen Fregat-Transporter
Picture by ESA

So ist sie der einzige Planet unseres Sonnensystems, der sich nicht rechts herum – gegen den Uhrzeigersinn – dreht, sondern entgegengesetzt, sodass die Sonne im Westen aufgeht. Obwohl die feurige Venus genauso alt ist wie unsere Erde (ca. 4 Milliarden Jahre), gibt sie sich dennoch wie so manche Society-Lady jede Mühe, ihr wahres Alter zu verbergen. Denn durch heftige Vulkanausbrüche lässt "Madame V" ihre Oberfläche regelmäßig "liften". Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Keine Falte und kein Grübchen an der Planetenoberfläche, das mit inzwischen mehr als 20 Missionen untersucht wurde, ist älter als "jugendliche" 500 Millionen Jahre.

Unser Nachbarplanet demonstriert außerdem eindrucksvoll, was ein richtig übler Treibhauseffekt anrichtet: Die Venus-Atmosphäre besteht aus mehr als 90 Prozent des Treibhausgases CO2. Dadurch herrscht an der Oberfläche eine Temperatur von mehr als 450 Grad – heißer als jeder Pizzaofen. Der "Luftdruck" dort ist mit jenem vergleichbar, der bei uns auf dem Meeresboden in 900 Meter Tiefe herrscht.

Landeroboter der Russischen "Venera"-Missionen überlebten in den 80er Jahren gerade einmal 60 Minuten in dieser Hölle, konnten aber ein paar Daten sammeln und erstaunliche Fotos zur Erde schicken (siehe großes Bild). "Venus Express" wird daher einen Sicherheitsabstand von mindestens 250 Kilometer halten und – dank österreichischer Isoliertechnik – Temperaturen von bis zu 200 Grad verkraften.

Dieses Grazer Team hat in 12.000 Arbeitsstunden das Magnetometer der Venus-Sonde gebaut.
Picture by Österreichische Akademie der Wissenschaften

Dr. Werner Magnes, der bei der österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz für den Bau des an Bord befindlichen Magnetometers verantwortlich war: "Die Venus ist, wie auch unsere Erde, heftigem Teilchenbeschuss durch Sonnenwinde ausgeliefert. Die Erde ist davor durch ihr starkes Magnetfeld geschützt, das auf der Venus nur sehr schwach existiert. Unser Gerät und der ebenfalls von uns mitentwickelte Teilchendetektor werden helfen, herauszufinden, wie die Venus mit diesen Dauer-Attacken umgeht." Und was passiert, wenn unser Magnetfeld – wie schon öfter in der Erdgeschichte – schwächer wird.

Der "Venus Express" wird den "Linkswalzer" der unnahbaren Dame ab April 2006 500 Tage lang mitmachen und ihr dabei hoffentlich mit seinem "österreichischen Charme" ein paar Geheimnisse entlocken...


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© Eine Reportage von T. Micke (20-11-05) – Kontakt