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"Calcio historico", wie der Italiener sagt, geht eigentlich in die Zeit des Römischen Reichs zurück, als durchtrainierte Legionäre auf faden Außenposten nach sportlicher Abwechslung suchten. Aber erst im 14. Jahrhundert stieg "Roh-Fußball" in Florenz so richtig zum Trendsport mit Volksfest Charakter auf.
Nur die härtesten und edelsten Burschen der vier Stadtviertel Santo Spirito, Santa Croce, Santa Maria Novella und San Giovanni hatten die Ehre, ihren Bezirk 60 Minuten lang auf dem Feld zu vertreten. Was mit viel Pomp, Musik und Tralala eingeleitet wurde, endete schon damals in einem Massen-Ringkampf, bei dem oft nicht nur das Gewand in Fetzen ging.
Heute sind es die Fischhändler, die Lkw-Fahrer und Gemüseverkäufer, die monatelang für die historische Schlammschlacht Gewichte stemmen, um dann in mittelalterlichen Kostümen vor der grölenden Menge zum Helden des Viertels gekrönt zu werden.
Wie der Ball im gegnerischen Netz landet, ist bei diesem Spiel prinzipiell egal. Hauptsache, er tut's! Auf dem Weg dorthin darf der Gegner geschlagen, geschubst und getreten werden. Wirklich unfaire Aktionen, wie zwei gegen Einen oder Hintreten, wenn einer am Boden liegt, werden vom Publikum mit Pfiffen quittiert, und ein nobelgekleideter Herr Spielleiter ("Schiedsrichter" wäre schon zu viel gesagt) stichelt den Übeltäter mit einem Schwert vom Platz.
In dieser Testosterongeladenen Atmosphäre kommt es schon einmal vor, dass der eine oder andere männliche Zuschauer nicht mehr auf seinem Platz zuhalten ist und mitmischt. Am Ende liegen sich Sieger und Besiegte in den verschwitzten Armen, schließlich will man auch weiterhin Nachbar und Kollege sein.
Wer Florenz einmal von dieser Seite kennen lernen will, der hat jedes Jahr im September Gelegenheit dazu. Auskünfte gibt's in jedem Reisebüro.
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