|
Ein Lichtjahr ist jene Entfernung, die ein Lichtstrahl (der mit 300.000 Kilometer pro Sekunde reist) in einem Jahr zurücklegt. Das sind unvorstellbare 9.460.800.000.000 Kilometer. Zahlen, mit denen Astronomen bei ihren Berechnungen tagtäglich jonglieren. Allein unsere spiralförmige Heimatgalaxie, die Milchstraße, in der unsere Sonne eine von etwa 100 Milliarden Sonnen ist, hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren.
Schwindelerregend sind diese Dimensionen, wenn man versucht, den Weltraum aus der Sicht der Wissenschafter zu sehen. Oft ist dann für den Laien weniger einfach mehr. Da ist es angenehmer, die angestrengten Augen vom Fernrohr zu erlösen und einfach so, ohne Hilfsmittel und ohne astronomische Rechenspiele im Hinterkopf, in den Sternenhimmel zu sehen, wie es viele Österreicher in der vergangenen langen Nacht der Sterne getan haben.
Sind wir nun als Wesen mit Bewusstsein allein in diesem riesigen Universum? Kann es wirklich sein, dass so viel Schönheit ohne einen Schöpfer entstanden ist? Fragen, mit denen sich seit Jahrtausenden große Denker beschäftigen, ohne mehr als nur Glaubensrichtungen und Theorien dazu entwickelt zu haben.
Erst vergangene Woche saßen im Stift Melk in Niederösterreich Quantenphysiker, Religionsvertreter und Nobelpreisträger beisammen, um über den wahren Sinn des Lebens zu diskutieren. Und der weltberühmte, an den Rollstuhl gefesselte Astrophysiker Stephen Hawking tüftelt seit Jahren fieberhaft an seiner mathematischen Weltformel, die alles, den gigantischen Kosmos und seine astronomischen Gesetze, aber auch die Quantenphysik und ihre verrückt wirkenden Regeln fürs Allerkleinste, erklären können soll.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubten die meisten Forscher, das Universum bestünde nur aus einer einzigen Galaxie voller Sterne, unserer Milchstraße. Nach jenem Mann, der 1924 Milliarden andere Galaxien jenseits der unsrigen entdeckte und somit das Weltbild der Menschen völlig veränderte, ist das Weltraumteleskop Hubble benannt, von dem die meisten der hier gezeigten verblüffenden Aufnahmen stammen. Gestochen scharfe Fotos von fernen, fremdartigen Welten aus einer Zeit, als der Mensch noch mit Steinen seiner Beute nachjagte, und seit neuestem sogar Bilder aus dem Universum, wie es kurz nach dem Urknall ausgesehen hat.
Nadelstiche im Mantel der Nacht nannten vor 2000 Jahren jene die Sterne, die es nicht besser wussten. Ein so schöner Ausdruck für weit entfernte weiß glühende Wasserstoff-Kugeln inmitten von lichtlosem Vakuum kann allerdings keinem Astronomen eingefallen sein..."
Großer van Gogh
Ganz am Rande unserer Milchstraße, von wo das Licht 20.000 Jahre zu uns braucht, strahlt dieser rote Riese von einem Stern mit dem wenig klingenden Namen V838. Heuer im Frühjahr fing das Hubble-Weltraumteleskop von ihm dieses Feuerwerk ein, das zwei Jahre zuvor begann: Staubwolken, die er zu einem früheren Zeitpunkt ausgestoßen haben dürfte, leuchten im Schein der gigantischen Explosion. US-Astronomen meinten, die Aufnahme habe große Ähnlichkeit mit Vincent van Goghs berühmten Gemälde "Sternennacht".
Schmuck-Ringe
Star der langen Nacht der Sterne sind jedes Jahr die Ringe des Saturn. Sterngucker, die den Planeten zum allerersten Mal durchs Teleskop sehen, jubeln plötzlich wie Kinder. Die Raumsonde Cassini machte diese Aufnahme mit einer speziellen UV-Kamera: Türkis weist auf besonders reine Eisbrocken hin, die Farbe Rot zeigt Verschmutzungen an.
Schleiertänzerin
Federleicht und vergänglich zart wirkt diese nur 1000 Jahre junge Dame mit dem etwas sperrigen astronomischen Namen NGC 6543 im nördlichen Sternbild des Drachen. 3000 Lichtjahre ist sie von uns entfernt. So brauchte das Weltraum-Teleskop Hubble drei Aufnahmen, um die ganze Zartheit des Schleierkleides dieses planetarischen Nebels vollständig einzufangen.
Schönheitsfleck
Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems und gleichzeitig aber wieder nur ein Stäubchen im All. Dennoch ist allein sein "Schönheitsfleck" unglaubliche 26.000 km lang: ein Sturmsystem, das sich mit etwa 400 km/h gegen den Uhrzeigersinn dreht und von unserer Erde aus schon vor 200 Jahren beobachtet werden konnte.
Augenstern
Ungefähr 6500 Lichtjahre von unserer Erde entfernt ist dieser Nebel mit der Bezeichung "NGC 6751" im Sternbild Adler anzutreffen. Amerikanische Weltraum-Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass er einen Durchmesser von gigantischen 757 Milliarden Kilometern hat. Die weiße "Pupille" im Zentrum der Aufnahme ist der eigentliche Stern. Die extrem heiße "Iris", die ihn strahlenförmig umgibt, entsteht, wenn der Himmelskörper langsam sein Leben aushaucht.
Honigmond
Nur ein klein wenig größer als der Mond unseres Heimatplaneten Erde ist Io, einer der sechzehn bisher entdeckten Monde von Jupiter, des größten Planeten unseres Sonnensystems. Seine großteils honigfarben wirkende Oberfläche stammt vom Schwefel, den seine achtzig aktiven Vulkane bis in unglaubliche Höhen von mehr als zweihundert Kilometer schleudern. – Man stelle sich das einmal bei uns auf der Erde vor. – Der Astronom Galileo Galilei entdeckte die kleine Höllenkugel erstaunlicherweise bereits im Jahr 1610.
Ross eines Stern-Prinzen
Im Sternbild des Orion liegt der Pferdekopf-Nebel (B33). Etwa 1500 Lichtjahre von uns entfernt, ist er eine der göttlichsten Erscheinungen im Kosmos, die jemals von Kameras eingefangen wurden. Diese Aufnahme entstand ausnahmsweise auf der Erde, im Paranal-Observatorium in Chile.
|