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Tschernobyl – Eine 12-teilige Serie zum 5. Jahrestag der Atomkatastrophe

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Lauschangriff auf das Universum


Ist da jemand?
Copyright by LYNETTE COOK

Stellen Sie sich vor, irgendwo an einem Strand in Australien wirft ein kleiner Bub einen Kieselstein ins Meer und an der Nordsee-Küste Schottlands sitzt ein Forscher, der diese Bewegung im Wasser mit einem hochempfindlichen Spezialgerät messen kann.

So ähnlich muss man sich das "SETI-Projekt" der USA vorstellen, mit dem seit Oktober 1992 der Kosmos belauscht wird. Das wichtigste Weltraum-Forschungsprojekt der Amerikaner für das 21. Jahrhundert ist nämlich – ob man es glaubt oder nicht – die Suche nach fremdem Leben. Sollte dort draußen in den unendlichen Weiten des Weltraums irgendwo höherentwickeltes Leben existieren, so hofft man, wird man es früher oder später auf diese Weise "hören" können.

Was man da "hören" will? Radiosignale, wie wir sie bereits unbeabsichtigt selbst seit mehr als sieben Jahrzehnten ins Universum hinausfeuern.

Radiowellen pflanzen sich mit Lichtgeschwindigkeit fort, sind also wunderbar geeignet, um Botschaften ins All zu schicken. Wenn zum Beispiel auf einem Planeten des Sterns Tau Ceti (im Sternbild des Walfischs, 11,7 Lichtjahre von uns entfernt) jemand mit einem starken Empfänger säße, er würde sich vermutlich gerade über "irdische" Radio- und Fernsehsendungen aus dem Jahr 1984 wundern.

Um derart schwache Signale aus dem All überhaupt empfangen zu können, braucht man riesige Radioteleskope (ähnlich gebaut wie die Satellitenschüsseln, die wir an unsere TV-Geräte anschließen) und leistungsfähige Computer. Eines dieser Teleskope steht in Arecibo in Puerto Rico (Südamerika) und hat den gewaltigen Durchmesser von 304 Metern. Ein anderes, noch moderneres, steht in Italien in der Nähe von Bologna, seine beiden drehbaren Arme sind kreuzförmig angeordnet und haben jeder eine Länge von 600 Metern.

Doch allein mit "Ohrenaufsperren" ist's nicht getan. Die Erde sendet natürlich auch selbst Signale ins All: Nachrichten, die einer fremden Zivilisation mit etwas Entschlüsselungsgeschick Aufschluss über unsere Erde und ihre Bewohner liefern werden.

Die Idee ist nicht neu. Ähnliches hat man schon vor 23 Jahren bei der Raumsonde Pioneer 10 verwirklicht. Dort ist ja unter anderem auf einer Platte die berühmte Zeichnung eines nackten Pärchens eingraviert – auf dass vielleicht einmal eine fremde Zivilisation diese "interstellare Flaschenpost" findet und sie zurückverfolgen kann.

Der Unterschied ist nur der: "Pioneer" fliegt mit 15 Kilometer pro Sekunde, und die Radiowellen, auf die man sich jetzt spezialisiert hat, schaffen immerhin 300.000 Kilometer in derselben Zeit.

Wie man sieht, gibt's also durchaus Fortschritte. Aber man sieht leider auch, wie aussichtslos es scheint, dass wir jemals irgendwelchen außerirdischen "Brüdern" die Hand schütteln werden. Die Sonde Pioneer, die ja auch genausogut bemannt hätte sein können, wird erst in ungefähr 200.000 Jahren unsere Nachbarsonne Ross 248 erreichen. Und diese Zeit überlebt natürlich kein Lebewesen. Radiowellen brauchen für dieselbe Strecke "nur" zehn Jahre.

Diese unglaublichen Entfernungen, denen sich der Mensch oft nur noch mit Hilfe großer Computer nähern kann, werden immer wieder unterschätzt. Man kann sich nicht einmal ein Lichtjahr, also 9500 Milliarden Kilometer, wirklich vorstellen.

Betrachtet man den Wunschtraum "Lebensgefährten im All" von einer möglichst sachlichen Seite, dann brauchen wir uns eigentlich gar keine Hoffnungen zu machen, jemals von einem Ufo entführt zu werden.

Ein echter Fortschritt ist dafür immerhin der Gesinnungswandel, den die Wissenschaft in den letzten Jahren vollzogen hat: Forscher, die an ein Leben auf anderen Planeten glaubten, wurden plötzlich nicht mehr verhöhnt. Man erfand ein neues Fachwort: die "Bio-Astronomie". Man entdeckte Kohlenstoffverbindungen und Aminosäuren (also Bausteine des Lebens auf unserer Erde) in weitentfernten Galaxien. Man konnte erst vor einigen Wochen durch Aufnahmen belegen, dass es außerhalb unseres Sonnensystems noch andere Planeten gibt, und man fing daraufhin an, ein wenig zu rechnen. Der britische Astronom David Hughes kam zu folgendem Schluss: Jeder 24. Stern ist wahrscheinlich mit Planeten wie in unserem Sonnensystem umgeben, also gibt es insgesamt ungefähr 60 Milliarden Planeten allein in der Milchstraße. Vier Milliarden davon, sagt Hughes, sind so lebensfreundlich wie die Erde. Da wird es sich doch wohl ausgehen, dass auf dem einen oder anderen davon... – Ein toller Gedanke, wenn man bedenkt, dass dies eine nüchterne mathematische Rechnung ist!

Aber die kalte Dusche folgt leider auf dem Fuß: Seit lächerlichen 70 Jahren können wir Menschen Radiostrahlen in den Weltraum schicken, um mit anderen Zivilisationen Kontakt aufzunehmen. Seit ein paar Jahren könnten wir auch theoretisch solche Nachrichten empfangen. Wenn man diesen winzigen Zeitraum einmal mit den Millionen Jahren vergleicht, seit denen es "Leben" bei uns auf der Erde gibt, dann wird man wieder richtig kleinlaut. Vielleicht entsteht wirklich auf einem anderen Planeten "Leben", nur leider ein paar hunderttausend Jahre vor unserer Zeit oder vielleicht danach? Dann haben wir Pech gehabt. Keine Nachrichten, keine Antworten.

Die Zivilisation auf der Erde und jene auf dem lebensfreundlichen fernen Planeten würden ahnungslos aneinander vorbeileben. Wir hätten uns ja auch ein wenig schwer getan, hätten wir uns zum Beispiel mit den Dinosauriern via Funkgerät in Verbindung setzen wollen.

Da passt wohl nur ein sehr "irdisches" Sprichwort, wenn man bei dieser Suche den Mut nicht verlieren will:

Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn..."


< Lesen Sie in Teil IV dieser Serie: "Irgendwo dort draußen..."

© Eine Reportage von T. Micke (03-01-96) – Kontakt