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Tsunami: Droht auch Europa eine Todesflut?

Vor 250 Jahren tötete an Europas Atlantikküste eine Flutwelle wie in Asien 60.000 Menschen. Auslöser war ein Seebeben, das jederzeit wieder passieren könnte. Vorwarnsysteme fehlen auch bei uns.



Auch der idyllische Hafen von St. Tropez könnte Opfer eines Tsunami werden
Picture by T. Micke

Lissabon sah zu Allerheiligen 1755 aus wie am Tag des Jüngsten Gerichts: "Männer und Weiber liefen halbnackend durcheinander. Teils sterbend, teils an Gliedern gestümmelt, mit Blut und Staub bedeckt, erfüllten sie die Luft mit entsetzlichem Geschrei...", schilderten Augenzeugen damals ein Szenario wie in Südasien.

Da wie dort geriet auf dem Meeresgrund die Erdkruste in Bewegung. Im Indischen Ozean schob sich die Kontinentalplatte auf 1000 Kilometern um 30 Meter unter die ozeanische. Ein Ruck, dessentwegen dem sich nun laut NASA sogar die Erde um drei Millionstel Sekunden schneller dreht. Vor Europas Küste war es die Azoren-Schwelle des mittelatlantischen Rückens (zu dem auch Island gehört), die einen Erdstoß der Stärke 9 auslöste.

"Ein Beben wie damals ist zwar im Atlantik selten, aber wenn, dann sehr stark. Und es ist nicht vorhersehbar", erklärt der Wiener Seismologe Dr. Edmund Fiegweil: "Am schwersten würde die folgende Flutwelle die Küsten von Portugal und Marokko verwüsten." Aber auch Frankreich und die dem Meer abgewonnenen Regionen Hollands wären betroffen. Die Meerenge von Gibraltar schützt das Mittelmeer mit gefährdeten Städten wie Venedig relativ gut. Aber auch im Mittelmeer gibt es Unterwasser-Erdrutsche und vor allem um Sizilien Seebeben und Vulkanausbrüche, die Tsunamis auslösen könnten.

Alarmsignal vom Meeresgrund: So funktionieren moderne Tsunami-Warnsysteme

"Grundsätzlich sind flache Küsten durch Flutwellen besonders gefährdet", erklärt Dr. Fiegweil: "Mit 200 Metern pro Sekunde, aber einer Höhe von nur ein bis zwei Metern rollt der oft mehr als 100 Kilometer breite Tsunami über das offene Meer. Je flacher das Wasser wird, desto stärker wird er abgebremst. Dann türmen sich die mit hoher Geschwindigkeit nachdrängenden Wassermassen über die langsameren zu einer bis zu 40 Meter hohen Riesenwelle, die zwar nur noch mit 40 bis 50 km/h, dafür aber mit vernichtender Wucht auf das Festland trifft."

Alarmsysteme, die die ausbrechende Flutwelle melden und dadurch zumindest ein wenig Vorwarnzeit schaffen, gibt es seit Jahren und werden im Pazifikraum auch eingesetzt. Auf Hawaii sind sogar in jedem Telefonbuch die Evakuierungszonen für den Ernstfall nachzublättern. Den nun betroffenen Ländern im Indischen Ozean war dieses System aber zu teuer. Und auch vor Europas Küsten setzt man trotz der Katastrophe vor 250 Jahren bisher eher auf Schutzengel, nach dem Motto: Es wird schon nix passieren...


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© Eine Reportage von T. Micke (30-12-04) – Kontakt