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Transrapid: Die Mangetschwebebahn landet auf dem Abstellgleis

Deutschlands zukunftsweisende Magnetschwebebahn scheint gescheitert zu sein. Wie die Zukunft der Schiene in Europa aussieht.



Foto mit Seltenheitswert: Der Transrapid als Protoytyp von 1972 in der Planungsphase
Picture by Transrapid

Berührungsfrei mit 500 km/h durch Europa schweben. Damit hätte der Transrapid ernsthaft dem Flugzeug als Verkehrsmittel Konkurrenz gemacht. Von London nach Brüssel in 110 Minuten, von London nach Paris in 130 Minuten. Und das alles ohne endlose Sicherheitskontrollen und Check-in-Prozeduren. Die Vision war eindrucksvoll. Leider auch die Milliardenbeträge, die nötig gewesen wären, um die Metropolen Europas mit einer speziellen Magnet-Bahntrasse zu verbinden. Als Auftakt-Projekt sollte Münchens Flughafen mit dem dortigen Hauptbahnhof kurzgeschlossen werden: Zehn Minuten Fahrzeit für eine Strecke, die derzeit mit der S-Bahn in vierzig Minuten bewältigt wird. Nach langem Tauziehen um Verantwortung, Haftung und explodierende Kosten zwischen der Deutschen Bahn und der Transrapid-Industrie wurde nun der Stecker gezogen, was faktisch auch das Aus für alle anderen angedachten Strecken bedeutet.

Zu unflexibel sei dieses Konzept laut Insidern im Vergleich zur herkömmlichen Bahn gewesen. Das Schienennetz, auf dem Hochgeschwindigkeitszüge wie der ICE verkehren, könne in Zukunft auch noch von anderen Zugtypen genutzt werden, die aufwändigen Spezialtrassen des Transrapid aber nur von diesem einen System. Nachvollziehbare Praxis-Argumente, die die super-fortschrittliche Technik des Transrapid, der verschleißfrei auf einem 10-Millimeter-Magnetpolster "dahingeflogen" wäre, ausstechen. Das allerdings "fünf nach Zwölf" – zu einem Zeitpunkt, zu dem bereits Planungs- und Entwicklungskosten von 1,5 Milliarden Euro entstanden sind.

Leider nur Vision: Der Transrapid als Zubringer zum Flughafen München
Picture by Transrapid

Einziger Nutznießer ist China, wo seit drei Jahren eine Exportversion des Transrapid den internationalen Flughafen der Satellitenstadt Pudong über eine Strecke von 30 Kilometern mit Schanghai verbindet. Zwar muss auch die chinesische Regierung kräftig Geld für das Herzeige-Projekt zuschießen, damit der Betrieb aufrecht bleibt, aber dafür könnte die Supermacht jetzt zu Flohmarktpreisen die gesamte ausgefeilte Technik den Herstellern Siemens, ThyssenKrupp und Co. abkaufen.

Der Vorarlberger Maschinenbauer Stanztech lieferte damals 50 Präzisionsteile für das Schwebesystem, die im Schanghai-Transrapid ihren Dienst tun. Geschäftsführer Peter Humpeler im Interview zur Krone: China hatte ja für die Olympischen Spiele noch eine zweite Strecke geplant. Die liegt allerdings derzeit auf Eis, und es ist unwahrscheinlich, dass sie noch gebaut wird. Für uns war dieses Projekt ein schöner Prestige-Auftrag, aber wenn der Transrapid in Europa aufs Abstellgleis kommt, ist das auch kein Beinbruch.

Prototyp des Transrapid (mit Traktor) auf der Teststrecke in Emsland
Picture by Transrapid

Österreichs Ex-Verkehrsminister Gorbach war seinerzeit bei einer Probefahrt im Schanghai-Transrapid so beeindruckt, dass er laut über eine Magnetschwebebahn durch Österreich nachdachte. Eine Verbindung zwischen München, Wien und Budapest stand im Raum. Im Büro von seinem Amtsnachfolger Werner Faymann wurde das nie ernsthaft in Betracht gezogen. Ein Ministeriumssprecher: "Wir legen unser ganzes Augenmerk auf die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, um Österreich als Lkw-Transitland zu entlasten. Dafür ist es wichtig, die Strecken möglichst flach auszubauen, damit die schweren Güterzüge auch das Schienennetz der Hochleistungsstrecken nützen können. Eine Magnetschwebebahn wie der Transrapid ist für Güterverkehr einfach nicht geeignet und würde Summen verschlingen, die wir anderswo besser einsetzen können."

So wird der Transrapid wohl in Europa ins Technik-Museum wandern. Vielleicht gleich neben ein ebenfalls als zukunftsweisend gelobtes Verkehrsmittel, das sich trotz großer Visionen als unwirtschaftlich herausstellte: die Concorde.


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© Eine Reportage von T. Micke (20-04-08) – Kontakt