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Volkswagen Experience 360 – Die Serie zu Etappe 8 einer abenteuerlichen Weltumrundung

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Motor extrem: Langnasen in chinesischer Schutzhaft

Wie der VW Touareg sich bei mehr als 100 km/h und Sandsturm auf einer Wüstenpiste anstellt.



China Peking Tiananmen Ehrenwache mit Fahne
Picture by T. Micke

"Ja, Herr Wachtmeister, wir würden gern hier entlang zur mongolischen Grenze fahren. – Ja, Herr Oberwachtmeister, auf dieser Straße. – Ach, das geht nicht, Herr Chefinspektor? Und Sie wollen nicht erklären, warum? – Natürlich, Herr Hauptkommissar. Wir haben größtes Verständnis dafür. Und auch die 320 Kilometer Umweg bereiten uns Freude, Herr Major. Hat Sie eignetlich noch keiner als Polizeipräsident vorgeschlagen?!"

Als "Langnasen" – wie manche Chinesen liebevoll zu uns Europäern sagen – im Reich des autofahrenden Drachen mit der Polizei zu verhandeln lässt wenig Spielraum, sonst bekommt man wirklich Probleme. Etwa weil man im Sperrgebiet unterwegs war, der Spezial-Führerschein so und hier nicht gültig oder die Route nicht von den örtlichen Behörden genehmigt ist.

China Peking Tiananmen Halteverbot Schild
Picture by T. Micke

Wenn die Sprache der Eskimos angeblich 50 verschiedene Wörter für Schnee kennt, dann haben die Chinesen mindestens 51 unterschiedliche Aufforderungsarten: von jasminblütensanfter Bitte bis lächlend vorgetragener offener Drohung.

Wir haben etwas falsch gemacht, das uns nicht einmal unser Übersetzer erklären kann. Jedenfalls müssen wir nach zweitägiger Fahrt entlang der chinesisch-mongolischen Grenze durch malerisches Steppenland voller Kamel- und Kashmirziegenherden und einer Zeltnacht unter Sternenhimmel mit unserem Touareg-Konvoi auf der langweiligen Hauptstraße zurück nach Süden in die Stadt Sonid Youqi. Dort empfängt uns eine freundliche Polizeieskorete, und man bittet uns "zu unserem eigenen Schutz" sehr dringend (!), das Hotelgelände bis zu unserer Abreise anderntags nicht mehr zu verlassen. Nein, auch nicht zum Abendessen...

VW Touareg Volkswagen Experience 360 Mongolei mit Kamel
Picture by T. Micke

Bei der Ausreise in die Mongolei geht es uns dann in Erenhot nicht viel besser: Als wir uns dem chinesischen Grenzbalken nähern, wird dieser vorsichtshalber erst einmal heruntergelassen, obwohl schon den ganzen Morgen Schwärme von chinesischen und mongolischen Fahrzeugen in beide Richtungen passieren. Wir sind mit unseren deutschen Riesenautos in dieser Gegend wohl einfach zu exotisch, als dass die angeblich bereits erledigten Grenzformalitäten in unter sechs Stunden abgesegnet werden könnten.

VW Touareg Volkswagen Experience 360 China Nummerntafel
Picture by T. Micke

Ein (im Nachhinein) witziges Detail: Wenn wir es heute nicht mehr schaffen, in die Mongolei auszureisen, dann müssen wir morgen unsere Autos über die Grenze schieben, denn unsere Spezialführerscheine, die eigens für diese Tour ausgestellt wurden, sind nur noch heute gültig. Nach etwa zwei Stunden müssen wir dann alle noch einmal kehrt in die Stadt zurück, weil ein angeblich wichtiges Papier der Stadtregierung fehlt. Indes tobt in Erenhot ein Sandsturm, der sogar einige der recht stabilen Dreirad-Taxis umwirft. Als wir dann endlich alles fertig haben sind die freundlichen Grenzer gerade auf Mittagspause verschwunden.

Auf mongolischer Seite geht dann alles blitzschnell: Die chinesischen Kennzeichen abgeschraubt, die Wolfsburger Werkskennzeichen montiert und nach zwanzig Minuten sind wir auf und davon. Dafür hört die asphaltierte Hauptstraße nach Ulan Bator nach fünf Kilometern abrupt auf. Einziger Hinweis, dass wir uns im inzwischen fast waagrecht dahinfliegenden Gobi-Sand nicht verfahren haben, sind die Telegraphenmasten, die, umschlängelt von ein paar halbverwehten Sandpisten-Spuren, schnurstracks über die Hochebene nach Norden zur Hauptstadt führen.

VW Touareg Volkswagen Experience 360 Mongolei Konvoi Formation
Picture by T. Micke

Die Touaregs erweisen sich als ideale Fahrzeuge für dieses Gelände: 100 km/h auf Sand sind, trotz regelmäßiger, teils recht scharfer Schlagloch-Manöver, bei aufmerksamer Fahrweise kein Problem. Nur die Dachträger zeigen angesichts der schweren Sandbleche Schwächen.

Die Wüste Gobi verwöhnt uns mit spannenden Tier-"Kurzfilmen": Eine Herde Wildpferde von links, galoppierende Gazellen von rechts, unten Wüstenspringmäuse und am blauen Himmel Falken. Ein Genuss, bis der feine, rieselfreudige rote Sand uns trotz geschlossener Lüftung und Umluft aus den Ohren staubt und schließlich auch den Touareg-Bordcomputer verrückt macht...


< Lesen Sie in Teil III dieser Serie: Turbo-Esel mit Verdauungsproblem – Mit 6 Touaregs gefangen im Schluchten-Labyrinth des Altai-Gebirges

© Eine Reportage von T. Micke (14-06-05) – Kontakt