Welt-Bildung

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

NACHLESE INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Kraken: Riesen-Tintenfisch in Neuseeland untersucht

Das legendäre Loch-Ness-Monster kann gegen diesen Burschen einpacken: Der größte Tintenfisch der Welt wird jetzt in Neuseeland untersucht. Ein echter, exotischer Riese aus einer anderen Welt.



Das Meer steckt noch voller unbekannter Wesen
Picture by T. Micke

Den Mond sagen Forscher immer wieder der von unserem Planeten 380.000 Kilometer entfernt ist, kennen wir besser als unsere hauseigenen Ozeane. Und immer wieder wartet die Natur zum Beweis mit Überraschungen auf: unbekannte Zusammenhänge, was unser Klima und das Gleichgewicht unseres Planeten betrifft oder eben völlig neuen Lebensformen, die noch nie ein Mensch gesehen hat. Ein Großteil der Tierarten unseres Planeten sollen demnach noch nie beobachtet worden sein. Und die meisten von ihnen verbergen sich wohl in der Tiefsee, jenem Bereich des Meeres von 800 Meter bis weit über 10.000 Meter Tiefe, in dem fast völlige Dunkelheit herrscht.

Allein 800 Arten von Tintenfischen sind bekannt. Von den ausgestorbenen und den unentdeckten ist da noch gar nicht die Rede. Achtarmige wie der hochintelligente Oktopus und zehnarmige wie die Kolosskalmare, die zwei Nieren, ein Haupt- und zwei Hilfsherzen haben sowie aufwändig konstruierte Linsenaugen so groß wie Essteller, mit denen sie auch noch in allergrößter Finsternis ihre Beute erspähen.

Dass Tintenfische räuberische Jäger sind, daran gab es schon im Mittelalter keine Zweifel. Nur wurden die Geschichten von den Ungeheuern der Tiefsee, die sogar Schiffe mit ihren Fangarmen zum Kentern brachten, als schlecht verwobenes Seemannsgarn in die Märchenkiste verbannt und für Filme wie Johnny Depps Fluch der Karibik wieder hervorgeholt. Dass die Geschichten doch einen wahren Kern haben dürften, zeigt ein Bericht über elf schiffbrüchige Engländer, die sich nach der Versenkung ihres Schiffs Britannia durch einen deutschen Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg schwimmend an ein kleines Floß klammerten. Einer von ihnen so sagten die anderen übereinstimmend aus sei angeblich von einem riesigen Tintenfisch ins Meer gezogen worden. Es könnte sich dabei um einen Riesenkalmar (bis zu 10 Meter Gesamtlänge) oder sogar um einen Kolosskalmar (bis zu 15 Meter) gehandelt haben. Wenn die Geschichte wahr ist, kann man sich vorstellen, welche Angst die anderen Crew-Mitglieder bis zu ihrer Rettung ausstehen mussten . . .

Wesentlich zur Legendenbildung beigetragen haben auch die abenteuerlichen Kampfspuren, die man auf den Rücken von Pottwalen fand. Der Pottwal, der ebenfalls bis in Rekordtiefen von mehr als 2000 Meter vordringen kann, dürfte der einzige echte Fressfeind dieser riesigen Tintenfische sein. Bei heftigen Todeskämpfen in der lichtlosen Tiefe kommt es schon mal vor, dass ein Kolosskalmar sich am Pottwal festsaugt und ihm zusätzlich seine scharfen Krallen in die Haut bohrt. Was bleibt, sind Narben fürs Leben. Narben, die mit einem jungen Pottwal mitwachsen und dann schon einmal so aussehen, wie wenn allein der Saugnapf des unsichtbaren Gegners einen Durchmesser von 20 Zentimetern hatte. Klar, dass Forscher, die diesen Umstand nicht bedachten, daraus Riesentintenfische von 60 Meter Länge errechneten, die dann ihrerseits Jagd auf Pottwale gemacht haben sollen.

27 Zentimeter Durchmesser haben aber tatsächlich allein die Augen des Kolosskalmars, den neuseeländische Fischer in antarktischen Gewässern mit einem Köder für Seehechte fingen. Sie brauchten mehr als zwei Stunden, um das Tier, das knapp 500 Kilo wog, an Bord zu bekommen.

Würde man aus dem Mantel dieses Kolosskalmars Tintenfischringe machen, dann wären diese so groß wie Lkw-Reifen. Die Forscher rund um den Meeresbiologen Steve OShea haben mit dem Tier allerdings anderes vor. Ein Jahr lang lag der einzigartige Fang nun auf Eis, bis man sich über eine Vorgehensweise geeinigt hatte. Schließlich ist es das erste Mal, dass man einen so großen Tintenfisch vollständig untersuchen kann.

Denn was man über die Ungeheuer aus der Finsternis mit ihren seltsamen, außerirdisch anmutenden Papageienschnäbeln weiß, ist nicht viel. Ein Video, das japanischen Forschern mit einem Spezial-U-Boot und einem Köder im Nordpazifik vor einigen Jahren gelang, zeigt, dass Kalmare sehr schnelle und aggressive Jäger sind. Außerdem benützen sie bei ihren Attacken Lichtimpulse, das sie selber in der Dunkelheit ausstrahlen. Steve OShea im Interview: Dass wir jetzt so einen Kolosskalmar untersuchen können, ist ein Riesenglück. Bisher hat man nur Reste, einzelne Fangarme gefunden. Wir wissen ja nicht einmal genau, wovon sich diese Tiere ernähren. Es wäre mein größter Traum, sie einmal in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Aber dafür sind die Tiere offensichtlich seit Jahrhunderten zu vorsichtig.


< Zurück zu Pflanzen/Tiere

© Eine Reportage von T. Micke (15-05-08) – Kontakt