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Tholos: Ein Fenster zwischen Wien und London

Ein Österreicher will Europas Hauptstädte mit öffentlichen "Videofonen" vernetzen. Die Technik ist revolutionär, beim Erfinden half ein Trick aus dem Jahr 1846.



Eine Tholos-Kommunikationssäule wäre vor dem Wiener Stephansdom geplant
Picture by Tholos-Systems

Die Idee des 30-jährigen ehemaligen Filmtechnikers Andreas Traint ist einfach beschrieben, das erst kürzlich weltweit patentierte Know-how dahinter dagegen faszinierend kompliziert: Der Niederösterreicher will ab 2004 Europas Metropolen mit elektronischen Fenstern verbinden, mit vier Meter hohen Hightech-Litfassäulen, auf denen ein 360-Grad-Wiedergabe- und Aufnahmegerät die rundum ablaufende Straßenszene mit anderen Städten austauscht.

Kommunikation soll mit diesen "Tholos-Säulen" (der Name stammt von einem altgriechischen Rundtempel) möglich sein wie am Telefon. Nur dass das Gegenüber auch in Lebensgröße mit direktem Augenkontakt vor einem steht, und zwar nicht in Wien, sondern auf Londons Trafalgar Square oder auf dem Potsdammer Platz in Berlin. Den Ton besorgen Richtmikrofone und Richtlautsprecher, die einen akustischen Schirm um die Gesprächspartner ziehen, der etwas Privatsphäre ermöglicht. Das Bild wird mit dem neuesten TV-Standard aus Japan über mehrere Spezialprojektoren mit einer für Europa revolutionären Auflösung von 2,2 Millionen Pixel (Standard bei uns ist 440.000 Pixel) via Datenleitungen in Echtzeit übertragen.

Eine weitere Tholos-Säule könnte Wien mit Paris verbinden
Picture by Tholos-Systems

Das wirklich Neue ist aber die Technik, mit der durch die 360-Grad-Leinwand gleichzeitig ohne Unterbrechung Bilder aufgenommen und gesendet werden können. Andreas Traint holte sich dafür den Wiener Filmspezialisten Werner Raczkövi ins Team, der für die Problemlösung eine Erfindung aus dem Jahr 1846 wiederentdeckte: Das Zoetrop auch "Lebensrad" genannt – des Engländers William Horner: eine Trommel mit einem Spalt, in der ein rotierender Zylinder mit aufgemalten Tierbildern dem Auge fließende Bewegung vortäuscht. (Auch der Österreicher Simon Ritter von Stampfer entwickelte damals ein ähnliches Gerät.)

Der Trick in der Tholos: Projektor und Kamera arbeiten im Inneren des Gerätes zwar abwechselnd, rotieren aber gleichzeitig sehr schnell und täuschen dem Auge (so wie die alten Zelluloid-Filme) ein flimmerfreies, gleichförmiges Bild vor.

Der Trick liegt in der Tholos-Säule: Projektor und Kamera rotieren gleichzeitig sehr schnell
Picture by Tholos-Systems

Die ersten beiden Tholos-Säulen mit sieben Meter Durchmesser sollen schon im Frühsommer 2004 London und Wien verbinden. Gespräche laufen auch mit Paris, Athen, Rom und New York. Das Interesse ist groß, und Sponsoren sind bereit, die zwei Millionen Euro Herstellungskosten aufzubringen. Finanzieren soll sich das Projekt über Werbung. Traint: "Die durch Panzerglas geschützten Geräte werden rund um die Uhr in Betrieb sein. 87 Prozent der Zeit wird die Tholos der Öffentlichkeit gratis zur Verfügung stehen (unter anderem auch mit lokalen Nachrichten und Kulturbeiträgen), den Rest der Zeit läuft Werbung."


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© Eine Reportage von T. Micke (16-11-03) – Kontakt