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Izumi Nakai, 51-jähriger Physiker an der Universität Tokio, bangt um sein Leben. Mitglieder der in Japan immer noch gefürchteten Aum-Sekte, die 1995 einen Giftgasanschlag in der U-Bahn der Hauptstadt verübten, bei dem 12 Menschen starben und Tausende verletzt wurden, könnten sich an ihm rächen. Schon der damalige Polizeichef, der die Ermittlungen gegen die Sekte leitete, überlebte nur knapp ein Pistolenattentat. Und Prof. Nakai fürchtet, dass es ihm ähnlich ergehen könnte, wenn die Aum-Killer herausfinden, dass er Beweise geliefert hat, wer den Kriminalisten mit drei Schüssen vor seiner Wohnung kaltblütig niederstreckte.
Nakai bekam von der Staatsanwaltschaft vor ein paar Wochen den Auftrag, ein winziges Brandloch in der Regenjacke eines Verdächtigen zu untersuchen. Der Forscher wurde am nur 0,2 Millimeter breiten, verschmorten Rand des Löchleins fündig: Pulverspuren von einer abgefeuerten Pistole. Das alleine hätte als Beweis niemals genügt, aber Prof. Nakai gelang es, mithilfe eines bisher ausschließlich in der Wissenschaft verwendeten Gerätes zu zeigen, dass die beinahe unsichtbaren Pulverteilchen eindeutig zu jenen an der Mordwaffe gehören.
Die Zaubermaschine "Spring8", mit der sogar die Analyse und Zuordnung von nur 0,01 Millimeter kleinen Beweisstücken gelingt, ohne sie dabei zu beschädigen, ist ein so genannter Synchrotron und kostet die Kleinigkeit von einer Milliarde Euro, weshalb es davon in dieser Leistungsklasse weltweit gerade einmal drei Stück gibt (in Japan, in den USA und in Frankreich). Er kann elektrisch geladene Teilchen eines Atoms in einem riesigen ringförmigen Vakuumtunnel auf beinahe Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, sodass ein Röntgenstrahl entsteht, der bis zu eine Million Mal intensiver ist als jene, die in Krankenhäusern benützt werden.
Wird eine Probe wie das besagte Schießpulver mit diesem hochpräzisen Röntgenstrahl beleuchtet, entsteht ein derart genauer "Fingerabdruck", "dass man sogar herausfinden könnte, welche Firma die Substanz in welcher Fabrik hergestellt hat", erklärt Prof. Nakai stolz im Telefon-Interview.

 
 | | Picture by Asahi Evening News |
Auch in einem anderen Kriminalfall, der ebenfalls stark an die unglaublichen Geschichten der Serie "C.S.I. Miami" erinnert, die dieser Tage im ORF läuft, erbrachte der japanische Physiker den entscheidenden Beweis: Vier Menschen starben, Dutzende erlitten bleibende Schäden, weil eine Frau auf einem Dorffest eine Speise mit Arsen vergiftet hatte. Die Morde konnten der Hausfrau trotz vieler Indizien erst nach Jahren angelastet werden, weil Nakai die genaue Zusammensetzung der Arsenverbindung mithilfe des Synchrotrons herausfand und dann Spuren derselben Substanz bei ihr zuhause nachweisen konnte. Es handelte sich um ein Ameisengift, das mit einer winzigen Menge der Elemente Wismut und Antimon verunreinigt war.
Auch in Österreich arbeiten Forscher mit dem Büro für Kriminaltechnik des Bundeskriminalamts, gewissermaßen dem "C.S.I. Vienna", zusammen. Prof. Peter Wobrauschek vom Wiener Atominstitut an der TU: "Wir assistieren gelegentlich, aber die Damen und Herren vom BKA sind selbst technisch sehr gut ausgerüstet. Wenn es allerdings nötig wäre, dann könnten wir auch Tests mit dem europäischen Hochleistungssynchrotron im französischen Grenoble arrangieren."
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