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Swiss Metro: Im U-Bahn-Torpedo unter den Alpen reisen

Mit der U-Bahn nach Italien? Warum soll nicht auch über Land klappen, was in der Stadt so gut funktioniert? In der Schweiz könnte bald die "Swissmetro" mit bis zu 600 km/h unterirdisch Städte verbinden. Geplante Reisezeit für 104 Kilometer von Zürich nach Bern: 12 Minuten !



Die Swissmetro könnte mit bis zu 600 km/h unter den Alpen unterwegs sein
Picture by Swissmetro

Die Schweiz könnte bald Löcher bekommen wie der berühmte Schweizer Käse: Wenn es nach den Planern der "Swissmetro" geht, dann sollen bis Mitte des Jahrhunderts die Ballungsgebiete Zürich, Bern, Lausanne, Genf und St. Gallen mit einem Tunnelsystem verbunden werden, das im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend ist. Unterirdisch soll eine Magnetschwebebahn ohne Räder ähnlich wie der in Schanghai bereits in Betrieb genommene Transrapid in einer Unterdruck-Röhre von 6 Meter Durchmesser den oberirdischen Pendler-Verkehr entlasten.

Die Vorteile der Idee sind einleuchtend: Staus, Unfälle, Wetterkapriolen und vieles mehr zwingen die Verkehrsplaner zu immer neuen Ausbauten. Größere Tunnel müssen für den Straßenverkehr gegraben werden, Brücken werden erneuert oder verbreitert. Schnellere Schienennetze werden verlegt, die durch Wildzäune geschützt werden müssen und auch nur ein paar Minuten Zeitgewinn einbringen. All dies wird durch Umweltauflagen, kilometerlange kurvige Umwege und Anrainer-Widerstände immer kostspieliger. Eine Langstrecken-U-Bahn wäre im Gegensatz zu bisherigen Verkehrssystemen nicht nur umweltschonend, sie könnte auch noch schnurgerade, wie die Luftlinie eines Flugzeugs in zehn bis 100 Meter Tiefe (unter dem Grundwasserspiegel) gegraben werden, weil weder Gebirge noch schwieriges Gelände ein zusätzliches Hindernis darstellen.

Swissmetro-Vizepräsident Dr. Vincent Bourquin im Interview: "So ein Tunnelsystem über Hunderte Kilometer zu graben ist natürlich nicht gerade billig. Aber laut einer internationalen Studie kommt das System der Swissmetro über große Distanzen sogar günstiger als Autobahnen und Eisenbahnlinien mit all ihren baulichen und rechtlichen Problemen."

Wie in einem Torpedo reisen die Passagiere der Swissmetro in einer flugzeugartigen Druckkabine
Picture by Swiss Metro

Einmal gebaut, könnte eine solche U-Bahn nicht nur schnee- und eisfrei der traditionellen Schweizer Bahn den Rang ablaufen, sondern mit halber Schallgeschwindigkeit auch dem Flugzeug auf Kurzstrecken. Dr. Vincent Bourquin: "Unsere Vakuum-Metro und das Flugzeug sind sich sogar in vielen Punkten recht ähnlich: Bei normalem Luftdruck in der Tunnelröhre würde unser radloser Bahn-Torpedo mit ca. 200 km/h unterwegs sein. Reduziert man den Luftdruck, senkt also den Luftwiderstand, sodass ein Teil-Vakuum entsteht, dann kann auch der Zug sehr viel schneller fahren – eben mit bis zu 600 km/h. Denselben Trick machen sich Flugzeuge zunutze, indem sie nach dem Start in große Höhe aufsteigen, weil dort der Luftdruck geringer ist. Die Maschinen fliegen dort schneller und spritsparender. Deshalb würde die Swissmetro auch dieselben über Jahrzehnte erprobten Druckkabinen für die Passagiere bekommen wie ein Flugzeug."

Österreich ist zwar nicht so dicht besiedelt wie die Schweiz, aber auch bei uns könnte eine solche Idee speziell im schwer auszubauenden, schützenswerten Alpenraum interessant sein. Angedacht war ein solches Projekt bereits vor ein paar Jahren, um die Transitroute über den Brenner nach Italien zu entlasten, scheiterte aber am zu geringen Interesse von Investoren. Jetzt haben hier vermutlich die Eidgenossen die Nase vorn (www.swissmetro.com).

Alle 15 Kilometer würden bei der Swissmetro Schächte zu oberirdischen Vakuumpumpen führen
Picture by Swiss Metro

Vincent Bourquin: "Technisch ist weder der Tunnel noch die U-Bahn heutzutage noch ein Problem: Circa alle 15 Kilometer würde eine kleine Station für die Vakuumpumpen stehen, die für den Unterdruck im Röhrensystem sorgen. Und die nötigen Wartungen würden sich sehr in Grenzen halten, da das Magnetsystem berührungsfrei in Schwebe funktioniert. Österreich hat ja auch ganz hervorragende Tunnelbau-Experten, die zum Beispiel beim U-Bahn-Ausbau in Wien gerade wieder Hervorragendes leisten. Wir hoffen natürlich, dass österreichische Ingenieure sich mit ihrem Know-how beim Bau der Swissmetro beteiligen, wenn wir einmal startklar sind. So ein völlig neues Projekt braucht neben Geld auch Mut zum Umdenken und eine gehörige Portion Pioniersgeist. Heutzutage ist dies nicht mehr so leicht zu finden, wie zu Zeiten, als bei uns in der Schweiz der legendäre Gotthard-Tunnel gegraben wurde."

Mut und Pioniersgeist auf Maulwurfs Spuren zeigten aber auch schon in den 80er Jahren die Einwohner von Serfaus (Tirol), als sie beschlossen, zur Verkehrsentlastung im Wintertourismus eine U-Bahn auf Luftkissen-Basis durch den Ort zu bauen. Manch ein Bergbauer schüttelte damals den Kopf, und die Kühe im Stall vertrugen den Bohrlärm nicht. Von Urlauber-Autos verstopfte Dorfstraßen sind aber seither Vergangenheit. Die Dorf-U-Bahn kann heute 2000 Personen in der Stunde über vier Stationen befördern. Und Anfang des Jahres feierte man bereits das 20-jährige Jubiläum von Österreichs zweitem U-Bahn-System (nach Wien).


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© Eine Reportage von T. Micke (02-04-06) – Kontakt