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Survival of the fitest: Überleben im 21. Jahrhundert

Ein Bär will Ihnen an die Wäsche? Ein Alligator hat sich in Ihren Lieblingsschuh verbissen? Nicht verzagen, Profis fragen. Ein neues Survival-Handbuch weiß Rat. Das Flugzeug ist führerlos? Ein Klacks! Ein Fallschirmsprung, und Sie haben keinen Schirm dabei? Null Problemo! Alles nachzuschlagen im Westentaschenratgeber für die wahren Helden des Alltags.



Wie wehrt man sich erfolgreich bei einem Krokodilangriff?
Picture by T. Micke

Man kann nie wissen, was unter der Oberfläche schwimmt", warnen die amerikanischen Autoren Joshua Piven und David Borgenicht geheimnisvoll schon in der Einleitung ihres Survival-Handbuchs für Extremsituationen. Aber muss es denn gleich ein hungriges Krokodil sein?

Wer sich diese Frage erst stellen muss, für den kann es bereits zu spät sein. Schließlich wird auch in unseren Breiten alle paar Jahre irgendwo ein ausgesetztes Riesenreptil im Kanalnetz gesichtet. Und die Biester sollen verdammt schnell sein, wenn sie Appetit haben.

Also flott das allwissende Handbuch aus der Tasche gefischt und auf Seite 59 nachgeschlagen. Da steht unter Punkt 2: "Halten Sie einem Alligator die Augen zu. Das macht ihn für gewöhnlich ruhiger." Wenn das nichts nützt, dem Tier kräftig in Pfeilrichtung eins auf die Nase geben, damit er ihr Bein wieder loslässt (unter Punkt 3). Und wenn der Bursche diese Sprache auch nicht verstehen will, hurtig weiterlesen!

Der handliche kleine Reiseführer durch die möglichen und unmöglichen Albträume des Hobby-Abenteurers ist in den USA längst zum Bestseller aufgestiegen. Und das liegt nicht in erster Linie daran, dass dort in manchen entlegenen Regionen Grizzlybären (tot stellen oder mit einem Glöckchen läuten), Mörderbienen (rennen, was das Zeug hält) und Würgeschlangen (ruhig verhalten verringert die Würgekraft) tatsächlich vorkommen.

Vielmehr sind Tom Cruise, Bruce Willis und Harrison "Indy" Ford daran Schuld, dass Mister Normalverbraucher für solche und andere Hollywood Ernstfälle gewappnet sein will.

So erfährt man im Schnellsiedekurs auf sechs Seiten, was zu tun ist, wenn Pilot und Kopilot gleichzeitig einen Herzinfarkt erlitten haben oder feige abgesprungen sind und die Maschine mit 200 Hawaii-Urlaubern von einem couragierten Laien ("Ja, Sie sind gemeint!") sicher gelandet werden muss.

Hilfreich kann auch sein, wenn man sich von der Wartezimmer-Lektüre her erinnert, wie man vom Dach eines fahrenden Zu ges ins Innere gelangt (Achtung! Züge fahren in Europa angeblich schneller als in den USA). Oder wie man von einem Motorrad auf ein fahrendes Auto springt (Anfänger geben meistens zu wenig Gas).

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man wirklich vorhat, die Kurzanleitung "Wie verabreiche ich einen Elektroschock bei Herzstill stand" in die Tat umzusetzen oder einen Luftröhren schnitt à la McGyver mit einem Taschenmesser und einer Kugelschreiberhülse durchzuführen.

Wie oft Sie wohl im Leben in eine solche Situation kommen werden? "Reality Hoppala-Shows" wie sie Ski-Idol Armin Assinger im ORF eine Zeit lang präsentierte, geben einem jedenfalls das kribbelige Gefühl, dass es schon heute Nacht so weit sein könnte.

Diesen "Allzeitbereit-Effekt" schafft "Das Survivalbuch – Überleben in Extremsituationen" (Ullstein Verlag) allemal: Nervös blättert man von Seite zu Seite, sieht sich mit stetig steigendem Puls und Wackersteinen in der Magengrube auf der Wohnzimmer-Couch beinahe im Treibsand versinken, trotz leerer Pressluftflasche wohlbehalten aus den Tiefen des Ozeans auftauchen oder ordnungsgemäß im Zickzack vor einem wahnsinnigen Amokschützen da von laufen. Interaktives Lesen sozusagen. "Mission Impossible III" kann nicht spannender sein!

Was tut man, wenn der eigene Fallschirm sich beim Sprung nicht öffnet?
Picture by T. Micke

Eine Kostprobe gefällig? Zum Beispiel das Kapitel: "Überleben bei einem sich nicht öffnenden Fallschirm": "Sobald Sie merken, dass Ihr Fallschirm nicht funktioniert, signalisieren Sie dies einem anderen Fallschirmspringer, dessen Schirm sich noch nicht geöffnet hat. Wedeln Sie mit den Armen, und zeigen Sie auf Ihren Schirm. Wenn Ihr Gefährte Sie erreicht, schlingen Sie die Arme um ihn. Stecken Sie die Arme in seinen Schultergurt bis zu den Ellbogen, und halten Sie sich an Ihrem eigenen Gurt fest. Öffnen Sie den Fallschirm. Die Wucht wird gewaltig sein, wahrscheinlich so stark, dass Sie sich die Arme ausrenken oder sogar brechen. Ist die Schirmkappe des Fallschirms groß und geht langsam zu Boden, werden Sie vielleicht sachte genug auf die Erde prallen und sich nur ein Bein brechen. Ihre Überlebenschancen sind hoch. Vermeiden Sie aber Stromleitungen und andere Hindernisse. Steuern Sie auf ein Gewässer in der Nähe zu. Wahrscheinlich werden Sie nur mit den Beinen schwimmen können und hoffen, dass Ihr Gefährte in der Lage ist, Sie herauszuziehen, bevor sich sein Schirm mit Wasser voll saugt. . ."

Nicht minder aufregend ist die dreiseitige Episode "Wie gewinne ich einen Schwertkampf". Da ist die romantische Zeitreise zu den Musketieren oder König Artus' Tafelrunde mit dem bösen Malagant als Sparringpartner in der Phantasie gleich inkludiert. Lesen ist eben wirklich Abenteuer im Kopf.

Ganz unterschätzen darf man den tatsächlichen Wert solcher Werke jedoch auch nicht. In Zeiten, in denen immer mehr Hobby-Abenteurer ihren Jahresurlaub mit Kamel-Trekking in der Wüste Negev oder beim Sand-Boarden in der Kalahari verbringen wollen, kann es schon ganz nützlich sein, wenn man weiß, welcher Kaktus im Ernstfall mit der Machete anzuzapfen ist, um den Durst zu löschen.

Nützlich: Wie behandelt man Erfrierungen und Beinbrüche auf Bergtouren?
Picture by T. Micke

Außerdem ist es noch nicht allzu lange her, dass ein Bub in Österreich ein ertrinkendes Kind aus dem Fluss fischte und nach allen Regeln der Wasserrettung erfolgreich wiederbelebte. Der kleine Held des Tages hatte keine Folge von David Hasselhoffs Badenixen-Lebensretter-Serie "Baywatch" ausgelassen.

Hierzu beinhaltet im Überlebensbuch das Kapitel "Notfälle" so praktische Tipps wie die fachgerechte Behandlung von Erfrierungen und Beinbrüchen auf Bergtouren, wartet mit einem kleinen Lawinen-Einmal-Eins auf und rührt mit der Beschreibung einer "Entbindung im Taxi" inklusive Steißgeburt.

Ein wenig schmunzeln darf man dann wieder bei "Wie erkenne ich eine Bombe", wo hervorstehende Drähte und verdächtige Ölflecken als entlarvende Indizien angeführt werden. Mit dem Zusatz: "Rufen Sie sofort die Feuerwehr"! Da für lernt man, wenn man bis zum Ende durchhält, was ein Bombensuchspray ist und wie ein Explosivstoffdetektor funktioniert.

Für spannende, aber harmlose Träume beim Lesen vor dem Zubettgehen sorgen schließlich die Ab schnitte mit gängigen Pfadfinderweisheiten: Da er fährt man so schöne Dinge wie Feuermachen ohne Streichhölzer, oder wie man sich bei Gewitter wirklich richtig verhält.


Als Ratgeber haben sich die beiden Autoren übrigens so kompetente Experten geholt wie Kim Kahana, wagemutiger Stuntman in dem Streifen "Leathal Weapon III" oder Mel "Mountain" Deweese, eine lebende Legende unter den Ausbildnern der US-Elite-Einheit Navy Seals.


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© Eine Reportage von T. Micke (22-07-01) – Kontakt