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Passagierflüge ins All: Jetzt Weltraum buchen!

Am Montag startet weltweit das erste private Raumschiff zum Jungfernflug. Endlich wird der Weltraum salonfähig – und bald auch erschwinglich.



SpaceshipOne am Bauch des Transportflugzeugs White Knight
Picture by Scaled Composites

Genau 108 Minuten dauerte Major Yuri Gagarins Pionier-Flug am 12. April 1961. Er umrundete mit "Vostok 1" einmal die Erde in einer Höhe von 327 Kilometern und ging damit nach sicherer Landung als erster Mensch im Weltraum in die Geschichte ein. Nur 25 Tage später schickte die NASA mit Allan Shepard den ersten Amerikaner ins All.

Spätestens seit diesem Weltraum-Wettrüsten träumten die Menschen rund um den Globus von diesem Gefühl: Einmal auf die Erde hinabblicken wie Gagarin und Shepard und "den Horizont erweitern". Astronaut zu werden löste den Bubentraum vom Linienpiloten ab.

Ernüchternd die Realität: Keine Zivilisten an Bord von Weltraumflügen. Schon weil so ein Raketenstart viel zu teuer ist, um ihn aus anderen Motiven als nationalem Prestige oder internationaler Forschung zu finanzieren. Ausnahmen wie Milliardär Dennis Tito (sein Startgeld an die Russen: 20,000.000 Dollar) bestätigten die Regel.

SpaceshipOne bei der Landung nach seinem ersten Weltraumflug
Picture by Scaled Composites

Das dürfte Vergangenheit sein, wenn morgen, Montag, ein Schritt gelingt, dessen Konsequenzen für die Menschheit fast so bedeutend sind wie Gagarins Flug: Erstmals soll ein privat finanziertes, bemanntes Raumschiff 100 Kilometer über unserem Planeten jene unsichtbare Schwerkraft-Mauer durchbrechen, die die Grenze zwischen Erde und Weltraum definiert. Erstmals würde also ein Zivilist Raumschiff-Pilot sein.

Scaled Composites-Boss Burt Rutan heimste den X-Prize ein
Picture by Scaled Composites

13 Minuten länger als Gagarin wird der (bei Redaktionsschluss noch geheim gehaltene) Amerikaner insgesamt unterwegs sein. Das Raumschiff "SpaceShipOne", das ein Team um den Flugzeugentwickler Burt Rutan in nur dreijähriger Arbeit um etwas mehr als 20 Millionen Dollar gebaut hat, wird am Bauch des futuristischen Transportflugzeugs "White Knight" (Weißer Ritter) bis in 15.000 Meter Höhe über dem US-Bundesstaat Arizona geschleppt und dort ausgeklinkt. Nach ein paar Sekunden zündet der für drei Personen ausgelegte Kohlefaser-Minigleiter sein Raketentriebwerk, um mit bis zu 4000 km/h die Grenze zum Weltraum in 100.000 Meter Höhe zu überschreiten. Nach drei Minuten Schwerelosigkeit mit Panoramablick auf unseren blauen Planeten und in die Weiten des Alls gehts zurück zur Erde, wo "SpaceShipOne" 25 Minuten später wie ein Segelflugzeug in der Mojave-Wüste landen soll.

Burt Rutan: "Mit diesem Projekt, bei dem das Raumschiff binnen weniger Wochen wieder verwendet werden kann, wollen wir erstmals echten Weltraumtourismus betreiben. Ziel ist es, zum Preis einer Luxuskreuzfahrt kurze Flüge ins All zu ermöglichen. Unsere Lösung mit Hilfe eines Huckepack-Transports bis in 15.000 Meter Höhe haben wir deshalb gewählt, weil uns Raketenstarts vom Boden weg zu riskant und zu teuer erschienen. Außerdem wäre das Startgewicht doppelt so hoch gewesen, um genügend Treibstoff für den nötigen Schub zu transportieren."

Die Astronauten von Scaled Composites nach einem erfolgreichen Testflug
Picture by Scaled Composites

Wenn der Pionierflug mit einem Mann Besatzung gelingt, wird Burt Rutan wohl heuer noch den mit 10 Millionen Dollar ausgeschriebenen "X Prize" zu gewinnen versuchen, der von einer Stiftung für den ersten privat finanzierten und binnen zwei Wochen wiederholbaren Weltraumflug mit drei Personen ausgeschrieben wurde.

"X-Prize"-Chef Gregg Maryniak: "1927 animierte ein ähnlicher Preis Charles Lindbergh zu seinem legendären Pionierflug über den Atlantik. Er zeigte der Welt damals, was mit Abenteuerlust, gezieltem Einsatz und einem kleinen Budget möglich ist. In den Jahren nach seinem Erfolg explodierte förmlich die Entwicklung von Flugzeugen, und die kommerzielle Luftfahrt kam in die Gänge. Etwas ähnliches wollen wir mit unserem Preis erreichen, um den fast 30 private Teams aus sieben Nationen seit Jahren wetteifern. Es sieht so aus, wie wenn wir es fast geschafft haben."

Die Go-Fast-Rakete von US-Stuntman Ky Michaelson
Picture by Civilian Space

Erst vor einem Monat haben ein paar Tüftler um den US-Stuntman Ky Michaelson Weltraumgeschichte geschrieben, als es ihnen (im dritten Startversuch) gelang, die erste unbemannte "Amateur-Rakete" in den Weltraum zu schicken (siehe Fotos). Das schlanke Geschoss "GoFast" musste dazu aber nach zwei Sekunden Überschallgeschwindigkeit und nach nur zehn Sekunden 6700 km/h erreichen. Eine Beschleunigung, die einem Passagier nicht gut bekommen wäre.

Die Go-Fast-Rakete bei ihrem historischen Amateurflug in den Weltraum
Picture by Civilian Space

Flüge in den Weltraum lassen sich schon heute bei der Firma "Space Adventures" buchen, die nach Dennis Tito (2001) und Paul Shuttleworth (2002) übrigens im April 2005 den Unternehmer Greg Olsen mit Hilfe der russischen Weltraumagentur zur internationalen Raumstation ISS schießen will. Es lohnt sich allerdings, noch ein paar Jahre mit der Weltraum-Urlaubsplanung zu warten, bis die Konkurrenz auf den Plan tritt. Auf dem Preisschild für einen kurzen Flug ins All (inklusive viertägigem Trainingsprogramm, Übernachtung und Erinnerungsmedaille) steht derzeit noch "100.000 Dollar".


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© Eine Reportage von T. Micke (20-06-04) – Kontakt