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Kurzstrecken-Flug von Frankfurt nach Sydney: 90 Minuten

Von Wien nach Salzburg mit dem Auto zu fahren wirkt dagegen wie eine Weltreise: Ein Überschall-Passagierflugzeug mit Raketenantrieb soll in 20 Jahren das Erbe der Concorde antreten – und zwar inklusive Sternenblick ins All.



Der Überschall-Nachfolger der Concorde mit 50 Sitzplätzen wird so aussehen
Picture by John MacNeill

Stewardess an Bord eines "Spaceliners" im Jahr 2030 wird ein stressiger Job: Zum einen muss das Bordservice für die 50 Passagiere wie bei einem heutigen Kurzstreckenflug von Wien nach Frankfurt im Eiltempo abgewickelt werden. Zum anderen wird man sich aber immer wieder mit kindischen Passagieren herumschlagen müssen, die ihren Orangensaft nicht wie alle anderen Mitreisenden brav via Strohhalm aus dem Packerl saugen, sondern ausprobieren, was passiert, wenn man das Erfrischungsgetränk am Höhepunkt der Reise in die Schwerelosigkeit zwischen den Sitzreihen entlässt...

Vor kurzem hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bei einer Konferenz in Barcelona Pläne für einen Nachfolger des aussortierten Überschallfliegers Concorde vorgestellt. Jetzt gibt es erste Skizzen vom angedachten Raketenflugzeug.

18-fache Schallgeschwindigkeit, also Mach 18 (satte 22.000 km/h) statt "nur" Mach 2 würde das Tacho-Display in der Passagierkabine dieser Maschine – ganz in der Tradition der Concorde – dann anzeigen. Ansonsten werden sich die Konstrukteure des Spaceliners aber eher am Vorbild des Space Shuttles orientieren: Senkrechter Start mit einem an den Rumpf des Flugzeugs geschnallten Booster, der (wie beim Shuttle) Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser(dampf) verbrennt. Der Flug geht bis in 70.000 bis 100.000 Meter Höhe, unterwegs folgt das Abkoppeln des Boosters, der selbsttätig bis zu 1500 Kilometer weit zur Wiederverwertung zum Flughafen zurückfliegen soll. Nach kurzer Schwerelosigkeit dann der Wiedereintritt in die Atmosphäre und die Landung (ebenfalls wie beim Space Shuttle).

Ein solcher Raketenflieger würde die reine Flugzeit von Frankfurt nach Sydney, die derzeit bei rund 21 Stunden liegt (Auftanken oder Umsteigen nicht mitgerechnet) auf weniger als eineinhalb Stunden drücken. DLR-Projektleiter Dr. Martin Sippel im Interview: "Ein Grund, weshalb sich die Concorde nicht behaupten konnte, war ihre geringe Reichweite zwischen Europa und der Ostküste Amerikas. Der Spaceliner würde für richtige Langstreckenflüge eingesetzt werden. Distanzen wie Hongkong-New York oder New York-Tokio könnte man für einen Tagestermin einplanen und am Abend wieder daheim sein. Freilich wäre ein solcher Flug mit einem Ticketpreis von 50.000 bis 100.000 Euro anfangs nur Superreichen und Superwichtigen vorbehalten, die derzeit etwa so viel für eine gleichweite Reise im Luxus-Privatjet hinlegen. Aber, so Dr. Sippel, wenn die Technik einmal etabliert ist, werden auch diese Flüge erschwinglicher."

Das Konzept des DLR-Spaceliners beruht auf einer selbsttätig zurückfliegenden Wasserstoff-Rakete
Picture by DLR

Bevor eine Entscheidung zu Finanzierung und Bau des Spaceliners fallen kann, hat das von der EU geförderte Planungsprojekt noch jede Menge Herausforderungen zu lösen. Dr. Sippel: "Wenn ein Space Shuttle von einem Orbital-Flug zurückkommt, braucht die NASA derzeit Monate, um es wieder startklar zu machen. Diese so genannte ,Turnaround-Zeit wollen wir ohne Sicherheitseinbußen auf wenige Stunden reduzieren." Um dies zu ermöglichen ist auch ein neuartiger, flüssiggekühlter Keramik-Hitzeschild geplant.

Durch die sehr hohe Geschwindigkeit und die dadurch mögliche Flugkurve wären Passagiere maximal der zweieinhalbfachen Schwerkraft ausgesetzt, im Gegensatz zur fünf- bis sechsfachen, die Weltraumtouristen beim Abbremsen des bald in Amerika startenden "SpaceshipTwo" ertragen müssen. Aber die spritsparende Methode des "Skipping", bei der das Raketenflugzeug wie ein flach übers Wasser geworfener Stein auf der Atmosphärenhülle entlang-"peppeln" soll, bevor es zur Landung wieder eintaucht, könnte den Passagieren übel zusetzen. An einer Lösung dafür, aber auch wie die Sicherheitssysteme des Spaceliners aussehen müssten, arbeitet die burgenländische Firma "Spaceorb" mit.

Ebenfalls noch zu klären: Der Spaceliner würde zwar mit umweltfreundlichem Wasserstoff fliegen. Der wird allerdings derzeit hauptsächlich noch aus Methan gewonnen, ein Prozess, der reichlich Treibhausgas (CO2) erzeugt.


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© Eine Reportage von T. Micke (17-06-07) – Kontakt