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Totale Sonnenfinsternis – Die Serie zum Jahrhundertereignis vom August 1999

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Sonnenfinsternis total: Flucht vor der Apokalypse

Die Erde hat noch jede Sonnenfinsternis überlebt, aber für den Fall der Fälle...



Bestimmt der unberechenbarer Kosmos unser Schicksal?
Picture by NASA

Familie Head in Harrison (USA) hat sich auf das Allerschlimmste vorbereitet. 3800 Liter faßt der Propangas-Tank, mit dem man den Genera­tor betreiben kann, der bei einem möglichen Stromausfall im Bundesstaat Arkansas dennoch den Betrieb von Kühlschrank und elek­trischem Licht gewährleistet. Abgesehen von jeder Menge Trocken- und Dosenfutter – falls auch die Lebensmittelversorgung zu­sammenbricht – hat Caro­lyn Head (52) noch ein paar eierlegende Hühner be­sorgt. "Sicher ist sicher", sagt die Mutter dreier Kinder und verweist auf die riesigen Stapel Toilettenpapier-Rollen im ganzen Haus, die sie im Ernstfall auch als Tauschmittel ver­wenden will, wenn in der er­sten Zeit nach der Katastro­phe Bargeld nichts mehr wert sein sollte.

Mit viel Schwung dreht Prof. Alexander Tollmann an der Handkurbel Luftfilter-Anlage: "Sollte hier in meinem Bunker durch eine Katastrophe der Strom ausfallen, dann ich die Filteranlage, die Atemluft von radioaktiver Strahlung säubert, auch händisch bedienen." Dann ­führt er seinen ­Geigerzähler (zur Messung von radioaktiver Strahlung) vor, zeigt stolz die Gasmas­ke und den Strahlenschutz­-Anzug her, für den die erste Firma, bei der er sich gegen einen Kometeneinschlag ausrüsten wollte, fast das Doppelte haben wollte, als er nun bezahlt hat.

Eine ordentliche Stange Geld hat der Apokalypsen-­Buchautor ("Das Weltenjahr geht zur Neige") sich den Einbau des "weltunter­gangssicheren" Schutzbunkers im romanischen Teil seiner Burg im nördlichen Niederösterreich kosten lassen. Gleich neben der gemütlichen Rauchkuchel, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und damit fast 250 Jahre älter ist als der Katastrophen-Seher Nostrada­mus, führt eine hochmoder­ne doppelte Druckschleu­sen-Tür der steirischen Firma "Krobath" ins Vorratsheiligtum des ehemaligen Uni-Professors.

Fein säuberlich sind hier Lebensmittel für ein halbes Jahr in Regalen gestapelt, darunter auch eine auffallend große Ration Marme­lade eines noblen Tiroler Fruchtsaftherstellers. Man kann sich ja auch noch was aufs Brot gönnen, wenn draußen die Hölle tobt.

"Ich habe für den heuri­gen Winter kein Heizöl mehr bestellt", erklärt Tollmann. "Wozu auch? Wenn meine Berechnungen stim­men, dann bricht am Wo­chenende des 7./8. August, also kurz vor der Sonnen­finsternis, der dritte Welt­krieg aus. Die Russen wer­den in Deutschland einmar­schieren. Die haben alle Hilfsgelder heimlich in die Rüstung gesteckt. Und wenn jetzt am Wochenende die Kasernen leer sind, schlagen sie bestimmt los."

Der Beginn dieses dritten Weltkrieges ("Die werden ja wohl nicht gleich mit Atombomben angreifen.") ist für Tollmann gewisser­maßen die Nagelprobe für seine großteils vom Seher Nostradamus abgeleiteten Theorien: "Wenn der Welt­krieg wirklich eintrifft, dann werde ich mich in meinen Bunker zurückziehen. Dann wird auch die zweite Vorhersage eintreffen. Nämlich, dass im Herbst ein unbekannter Komet die Erde verwüstet."

Geht die Sonne einmal endgültig unter, ist das auch das Ende des Lebens auf der Erde
Picture by T. Micke

Und warum, Herr Tollmann? Was wollen Sie dann noch auf diesem Planeten, wenn alles verwüstet wird, wie Sie sagen? "In erster Linie ist es Neugier. Ich will einfach sehen, ob meine Vorhersagen stimmen. Außerdem möch­te ich die entwicklungsge­schichtlich unschätzbar wertvolle Mikrofossilien­-Sammlung meiner verstor­benen Frau für eine mögli­che Nachwelt retten."

Draußen vor dem schmie­deeisernen Burgtor ist die Welt ein kleines Paradies: Die Sonnenblumen strahlen goldgelb über die Wiese, und der Mais steht schon saftig grün und verführe­risch hoch auf dem Feld. Zwei Gassen weiter entsteht ein neues Einfamilienhaus. Ein Ziegeldach, mit Hoff­nung und Zuversicht für die nächste Generation gebaut.

Weltuntergangsfanatiker haben ein Problem mit der Lebenseinstellung, sagt je­der Psychologe. Und noch etwas sollte eigent­lich bekannt sein: Seit Tausenden von Jahren gibt es immer wieder Menschen, die nur eine Angst haben: Dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. . .


< Lesen Sie in Teil VIII dieser Serie: Ich sehe was, was Du nicht siehst. – Hochsaison für Ufologen und Sekten.

© Eine Reportage von T. Micke (07-08-99) – Kontakt