|
Familie Head in Harrison (USA) hat sich auf das Allerschlimmste vorbereitet. 3800 Liter faßt der Propangas-Tank, mit dem man den Generator betreiben kann, der bei einem möglichen Stromausfall im Bundesstaat Arkansas dennoch den Betrieb von Kühlschrank und elektrischem Licht gewährleistet. Abgesehen von jeder Menge Trocken- und Dosenfutter – falls auch die Lebensmittelversorgung zusammenbricht – hat Carolyn Head (52) noch ein paar eierlegende Hühner besorgt. "Sicher ist sicher", sagt die Mutter dreier Kinder und verweist auf die riesigen Stapel Toilettenpapier-Rollen im ganzen Haus, die sie im Ernstfall auch als Tauschmittel verwenden will, wenn in der ersten Zeit nach der Katastrophe Bargeld nichts mehr wert sein sollte.
Mit viel Schwung dreht Prof. Alexander Tollmann an der Handkurbel Luftfilter-Anlage: "Sollte hier in meinem Bunker durch eine Katastrophe der Strom ausfallen, dann ich die Filteranlage, die Atemluft von radioaktiver Strahlung säubert, auch händisch bedienen." Dann führt er seinen Geigerzähler (zur Messung von radioaktiver Strahlung) vor, zeigt stolz die Gasmaske und den Strahlenschutz-Anzug her, für den die erste Firma, bei der er sich gegen einen Kometeneinschlag ausrüsten wollte, fast das Doppelte haben wollte, als er nun bezahlt hat.
Eine ordentliche Stange Geld hat der Apokalypsen-Buchautor ("Das Weltenjahr geht zur Neige") sich den Einbau des "weltuntergangssicheren" Schutzbunkers im romanischen Teil seiner Burg im nördlichen Niederösterreich kosten lassen. Gleich neben der gemütlichen Rauchkuchel, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und damit fast 250 Jahre älter ist als der Katastrophen-Seher Nostradamus, führt eine hochmoderne doppelte Druckschleusen-Tür der steirischen Firma "Krobath" ins Vorratsheiligtum des ehemaligen Uni-Professors.
Fein säuberlich sind hier Lebensmittel für ein halbes Jahr in Regalen gestapelt, darunter auch eine auffallend große Ration Marmelade eines noblen Tiroler Fruchtsaftherstellers. Man kann sich ja auch noch was aufs Brot gönnen, wenn draußen die Hölle tobt.
"Ich habe für den heurigen Winter kein Heizöl mehr bestellt", erklärt Tollmann. "Wozu auch? Wenn meine Berechnungen stimmen, dann bricht am Wochenende des 7./8. August, also kurz vor der Sonnenfinsternis, der dritte Weltkrieg aus. Die Russen werden in Deutschland einmarschieren. Die haben alle Hilfsgelder heimlich in die Rüstung gesteckt. Und wenn jetzt am Wochenende die Kasernen leer sind, schlagen sie bestimmt los."
Der Beginn dieses dritten Weltkrieges ("Die werden ja wohl nicht gleich mit Atombomben angreifen.") ist für Tollmann gewissermaßen die Nagelprobe für seine großteils vom Seher Nostradamus abgeleiteten Theorien: "Wenn der Weltkrieg wirklich eintrifft, dann werde ich mich in meinen Bunker zurückziehen. Dann wird auch die zweite Vorhersage eintreffen. Nämlich, dass im Herbst ein unbekannter Komet die Erde verwüstet."
Und warum, Herr Tollmann? Was wollen Sie dann noch auf diesem Planeten, wenn alles verwüstet wird, wie Sie sagen? "In erster Linie ist es Neugier. Ich will einfach sehen, ob meine Vorhersagen stimmen. Außerdem möchte ich die entwicklungsgeschichtlich unschätzbar wertvolle Mikrofossilien-Sammlung meiner verstorbenen Frau für eine mögliche Nachwelt retten."
Draußen vor dem schmiedeeisernen Burgtor ist die Welt ein kleines Paradies: Die Sonnenblumen strahlen goldgelb über die Wiese, und der Mais steht schon saftig grün und verführerisch hoch auf dem Feld. Zwei Gassen weiter entsteht ein neues Einfamilienhaus. Ein Ziegeldach, mit Hoffnung und Zuversicht für die nächste Generation gebaut.
Weltuntergangsfanatiker haben ein Problem mit der Lebenseinstellung, sagt jeder Psychologe. Und noch etwas sollte eigentlich bekannt sein: Seit Tausenden von Jahren gibt es immer wieder Menschen, die nur eine Angst haben: Dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. . .
|