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Totale Sonnenfinsternis – Die Serie zum Jahrhundertereignis vom August 1999

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Totale Sonnenfinsternis: Das Ende aller Tage

Wissen oder Wahn: Hat ein mittelalterlicher Arzt vor 444 Jahren unsere Zukunft vorhergesehen?



Weltuntergang durch eine Explosion der Sonne?
Picture by NASA/Bacon

Anlässlich einer Son­nenfinsternis tau­chen immer Weltun­tergangsängste auf. Besonders aufwühlend ist dabei das Zusammentreffen dieses Natur-Phänomens, wie es eigentlich alle paar Jahre irgendwo auf der Er­de stattfindet, mit einer aus astrologischer Sicht ungünstigen Planetenstellung. Und das alles noch dazu am Ende eines Jahrtausends! Gibt es ein Ende aller Ta­ge? Und wenn, gibt es dann Menschen, die die Gabe be­sitzen, dieses und andere Ereignisse vorauszusehen? Es widerspricht dem heu­tigen Weltbild, dass es eine andere Dimension geben soll, in die einzelne Begabte vordringen können, um sich Wissen über Ereignisse an­zueignen, die noch vor uns liegen. Darf man sich als vernünftiger Mensch solche Gedanken erlauben, ohne "verrückt" zu sein? Oder ist man engstirnig, wenn man diese Ideen strikt ablehnt?

Was einem beim Thema Hellseher und Propheten als erstes einfällt, ist das be­rühmte "Orakel von Del­phi", das Feldherrn und Herrschern im alten Grie­chenland lange Zeit zur Sei­te stand. Meist bekamen die Ratsuchenden von den Ora­kel-Priestern eine zumin­dest zweideutige Antwort zu hören, die sie dann selbst "richtig" auslegen mussten.

Einer der bekanntesten Sprüche galt den Athenern im Krieg gegen die Perser. Er lautete: "Nur die hölzer­ne Mauer schenkt Zeus seiner Tochter Athene. Sie allein bleibt zur Rettung für Dich und die Kinder."

Eine hölzerne Mauer würde Athen und seine Ein­wohner retten. Aber welche? Die Holzmauer einer Festung oder die hölzernen Wände eines Schiffs? Die Athener entschieden sich für ihre Kriegsschiffe und besiegten die Perser. Das Orakel behielt also recht. – So viel zur Auslegung mystischer Sprüche, wie sie auch der berühmte französi­sche Seher Nostradamus in rauhen Mengen hinterließ.

Ein faszinierender Mensch war dieser Michel de Notredame (1503 – 1566) oder kurz "Nostrada­mus" genannt, auf alle Fäl­le: Sohn eines Notars mit zwei jüngeren Brüdern, lernte im Schnellverfahren Latein, Griechisch und Hebräisch, hantelte sich im Al­ter von 17 Jahren über Ma­thematik und Astrologie bis zur Medizin weiter und wurde ein angesehener Arzt. Was ihn dazu bewog, im Alter von 52 Jahren eine Sammlung von knapp 1000 ziemlich wirr wirkenden prophetischen Vierzeilern (die zehn "Centurien") zu veröffentlichen, weiß wohl nur Nostradamus selbst.

Konnte er tatsächlich in die Zukunft blicken, dann gab er der Menschheit mit seinen Aufzeichnungen in Altfranzösisch ein Rätsel auf, an dem sich Deuter und Denker bis zum heutigen Tag in unzähligen Büchern voller Zahlenspielereien die Zähne ausbeißen. Konnte er es nicht, dann gebührt dem französischen Arzt beinahe ebensoviel Anerken­nung dafür, dass er die Menschheit vermutlich bis ans tatsächliche Ende ihrer Tage an der Nase herumführen wird. Nebenbei be­merkt: Nostradamus selbst sagt das "Ende aller Tage", die Apokalypse, für das Jahr 3797 voraus.

In der Zwischenzeit wird weiterhin herumgedeutelt werden. Von bevorstehenden vernichtenden Katastrophen wird unter Nostradamus-Jüngern die Rede sein, die, wenn sie tatsächlich eintreffen soll­ten, eine entsprechend interpretierte Prophezeiung des Meisters bestätigen.

In etwa auf diese Art schreibt man Nostradamus unter anderem folgende Vorhersagen zu: Die Hin­richtung Ludwig XVI., das Ende Napoleons, den Untergang der Titanic, den Tod Hitlers, Atombomben auf Hiroshima, den Beginn des dritten Weltkriegs durch die Russen (irgend­wann in den nächsten Tagen), die Verwüstung der Erde durch einen Kometen (im Herbst 1999).

Zumindest der große Schriftsteller Wolfgang von Goethe, der sich auch an Nostradamus' Texten versucht haben soll, fand für sich eine Antwort auf den geheimnisvollen Seher, die er in seinem "Faust" zum besten gab:
"Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich da­bei doch auch was denken lassen..."


< Lesen Sie in Teil VII dieser Serie: Flucht vor der Apo­kalypse – Wie überlebt man einen Weltuntergang?

© Eine Reportage von T. Micke (06-08-99) – Kontakt