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Wie doch ein wenig Licht und Schatten zur rechten Zeit ein Schicksal wenden können: Als Christopher Kolumbus bei seiner vierten Expedition in die "Neue Welt" im Jahr 1504 mit leeren Vorratskammern und einer entkräfteten Mannschaft auf der Insel Jamaika strandete, verweigerten die Indianer den hungrigen Seefahrern die Hilfe. Da verlegte der Amerika-Entdecker sich auf eine List: Kolumbus, als Mann des Meeres und Navigator mit den berechenbaren Geschehnissen am Sternenhimmel vertraut, drohte nach einem intensiven Blick in seine Bücher den Eingeborenen, Gott werde aus Zorn darüber, dass man seinen Boten so schlecht behandle, den Mond verschwinden lassen.
Als sich dann am 1. März "auf Befehl des weißen Magiers" der Mond tatsächlich zu verfinstern begann, lagen die Indianer Kolumbus zu Füßen: In Windeseile wurden seine Schiffe mit Proviant beladen, und die Flotte stach wieder in See. – Natürlich schenkte Kolumbus den Indianern in seiner Gnade den Mond vor seiner Abreise zurück. – Ein eindrucksvoller Fall von "Wissen ist Macht".
"Ohnmächtig" hingegen war der 63-jährige Kaiser Ludwig der Fromme, als im April 840 eine Sonnenfinsternis über Deutschland hereinbrach. Schwach und sensibel, wie Ludwig I. war, dürfte ihn das unvorhergesehene, bedrückende Himmelsereignis so mitgenommen haben, dass er sechs Wochen später starb. "Vor Schreck", wie die Geschichtsschreiber ein wenig mitleidig überliefern.
Aber gerade das "Finsternis-Schicksal" Kaiser Ludwigs sowie jene Finsternis, die sich ereignet haben soll, als Julius Cäsar ermordet wurde, oder die, die pünktlich zur Geburt des Propheten Mohammed eintraf, lassen vermuten, dass Geschichtsschreiber aller Epochen gelegentlich ihren Berichten etwas mehr Würze verliehen, in dem sich Sonne oder Mond im passenden Augenblick aus Zorn, Trauer oder Freude verhüllten.
Hatte der Autor schon einmal so eine furchterregende Sonnenfinsternis erlebt, so fiel ihm diese bestimmt ein, wenn er, nach großen Worten ringend, ein bedeutungsvolles Ereignis beschreiben wollte.
Solche Sonnen- und Mondfinsternisse, als bloßes "Spannungselement" in der Geschichtsschreibung verpackt, sind heutzutage relativ leicht zu enttarnen, da man sie genau ausrechnen kann. Wenn also beim Historiker Plutarch während des Peloponnesischen Krieges zwischen Athen und Sparta um das Jahr 431 v. Chr. eine Sonnenfinsternis Panik und Chaos auf den Schlachtschiffen auslöst, so kann man den Vorfall präzise auf den 3. August datieren, wenn Plutarch nicht auch ein wenig "gedichtet" hat. Denn dieser Tag ist weit und breit der einzige, an dem damals eine Sonnenfinsternis die Bewohner des Mittelmeerraums in Schrecken versetzte.
Mit den Finsternis-Beschreibungen der Evangelisten Markus, Matthäus, und Lukas anlässlich der Kreuzigung Jesu tun sich Historiker und Astronomen hingegen ein wenig schwer: Mund es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein...", schreibt Lukas (23, 44-45). Wissenschaftlich glaubwürdig daran ist einzig die Zeitangabe – "von der sechsten bis zur neunten Stunde": Drei Stunden dauert nämlich eine totale Sonnenfinsternis tatsächlich von dem Augenblick an, in dem sich der Mond vor die Sonne zu schieben beginnt, bis zu jenem, in dem auch der letzte Rest der Sonnenscheibe wieder hinter dem Mond hervortritt.
Die einzige Sonnenfinsternis, die sich im passenden Zeitraum über Israel ereignete, war am 24. November 29 n. Chr. zu sehen: Aber es heißt in der Bibel weiter, Jesus sei einen Tag vor dem jüdischen Passah-Fest gestorben, das im Frühling stattfindet, und zwar bei Vollmond, was noch zusätzlich eine "normale" Sonnenfinsternis (nur bei Neumond!) zur Kreuzigung unmöglich macht.
Quer durch alle Kulturen und Religionen ziehen Sonnenfinsternisse ihre Spur. Während etwa die Inkas befürchteten, ein böser Dämon raube ihrem Sonnengott "Inti" das Licht und man könne das Schattenwesen mit Lärm und Geschrei vertreiben, wurden in Europa um solche "Zeichen des Himmels" herum düstere Weltuntergangstheorien von Sehern und Wahrsagern entwickelt. Damals fragte man sich wie heute: Worin unterscheidet sich der wahre Seher vom Scharlatan? Kolumbus war für die Indios auf Jamaika bestimmt ein wahrhaftiger Seher, aus unserer heutigen Sicht aber nur ein (besonders) schlauer Fuchs. Kann man womöglich über den berüchtigten Schreckenspropheten Nostradamus dasselbe sagen? Wo endet bei der Deutung seiner Texte das Wissen, und wo beginnt die Vision?
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