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Totale Sonnenfinsternis – Die Serie zum Jahrhundertereignis vom August 1999

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Totale Sonnenfinsternis: Chaos in Wald und Wiese

Wenn die Natur ihren Leitstern verliert, wird für die Bienen der Tag zur Nacht.



Auch Tiere (wie dieser Hase) reagieren auf Sonnenfinsternisse
Picture by T. Micke

Während einer totalen Finsternis scheint es bisweilen so, wie wenn der Mond nicht nur Licht und Wärme von der Erde "absaugen" würde, sondern auch die Stimmen ihrer Bewohner: Vögel hören auf zu singen, das Gezirpe der Grillen verstummt, und der Eindruck der schweigend staunenden Natur ist so stark, dass so mancher Sternenforscher schon vor lauter Ergriffen­heit vergessen hat, den Auslöser seiner Kamera zu drücken.

Von einem Beobach­tungspunkt in der Finster­nis-Zone aus gesehen, wird das gesamte Sonne-Mond-Schauspiel etwa drei Stunden dauern: Ein­einhalb Stunden benötigt der Mond vom ersten Kontakt an, um sich voll­ends vor die Sonne zu schieben. Dann, nach ma­ximal 2 Minuten und 22 Sekunden Dunkelheit (je nach Standort), entzau­bern sich die beiden Himmelskörper wieder ebenso langsam. Es kommt also zu einer Art Abenddäm­merung, einer "Minuten-­Nacht" und einem Mor­gengrauen.

So genau man über diese Vorgänge Bescheid weiß, so wenig ist über das Verhalten der Pflanzen und Tiere be­kannt. Manche Blumen schließen bei einer totalen Sonnenfinsternis ihre Kel­che, aber, so der Wildbiolo­ge Dr. Antal Festetics: "Pflanzen verhal­ten sich generell unter­schiedlich. Manche schlie­ßen ihre Blüten abends und öffnen sie morgens wieder, manche tun dies erst zu Mittag, und andere, wie etwa die Sonnenblumen, drehen sich mit der wandernden Lichtquelle mit und schlie­ßen sich überhaupt nicht."

Vögel glauben bei einer Sonnenfinsternis, dass die Nacht gekommen ist und hören auf zu zwitschern
Picture by T. Micke

Was die Tiere betrifft, so gibt es einige Überlieferungen: Ristoro d'Arezzo be­richtet im Jahr 1239, dass man Wildtiere in ihrem Schrecken mühelos einfan­gen könne. 1706 beschrieb "Timotheo" einige Störche, die bei Eintritt der Dunkelheit "vom Himmel fielen", "sich aber beim hervorscheinenden Sonnenlichte augenblicklich wieder in die Höhe schwangen". 1715 be­merkte der Astronom Che­valier de Louville, dass sich Pferde während der Finster­nis auf die Straße legten und streikten, und der hungrige Hund eines ande­ren Franzosen soll während der Finsternis von 1842 nicht gefressen haben...

Um den Wahrheitsgehalt solcher Berichte zu prüfen, plant die Universität Hohenheim in Deutschland im Bereich "Nutztier-Ethologie und Kleintier-Zucht" für den 11. August ein inter­essantes Projekt mit Kühen, Pferden, Kaninchen, Enten und Hühnern. Die "Uni-­Haustiere" stehen an die­sem Tag unter strenger Vi­deo-Überwachung.

Projektleiter Dr. Klaus Reiter: "Ka­ninchen und Enten, auch Igel und Mäuse sind däm­merungsaktiv. Während sie sich tagsüber ruhig verhal­ten oder schlafen, gehen sie abends auf Nahrungssuche. Kühe hingegen werden sich wahrscheinlich schlafen le­gen. Bei unseren sensibleren Island-Pferden vermuten wir eine andere Reak­tion: Nervosität durch die außerplanmäßige 'Nacht'."

Chaos ist auch im Bie­nenstock vorprogrammiert. Da sich die Pollensammler bei ihren Ausflügen in die Wiese nach der Sonne rich­ten, werden sie von der plötzlichen Finsternis über­rascht und können sich minutenlang nicht orientieren.

Das "Tüpfelchen auf dem i" suchen auch ein paar "Schattenjäger" vom Paraclub Wiener Neustadt. Wenn das Wetter passt und die Berechnungen von Wind und Wolken am 11. August es zulassen, wollen die Fallschirmspringer die "neugeborene" Sonne mit einem Sprung aus rund 6000 Meter Höhe begrüßen. Mit Sauerstoffgeräten ausgerüstet, würde die Truppe dann ca. 2,5 Minu­ten im freien Fall mit mehr als 200 km/h der verdunkelten Erde entgegenrasen.


< Lesen Sie in Teil IV dieser Serie: Feuer auf der Netzhaut – Wie Sie Ihre Augen richtig schützen.

© Eine Reportage von T. Micke (03-08-99) – Kontakt