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Während einer totalen Finsternis scheint es bisweilen so, wie wenn der Mond nicht nur Licht und Wärme von der Erde "absaugen" würde, sondern auch die Stimmen ihrer Bewohner: Vögel hören auf zu singen, das Gezirpe der Grillen verstummt, und der Eindruck der schweigend staunenden Natur ist so stark, dass so mancher Sternenforscher schon vor lauter Ergriffenheit vergessen hat, den Auslöser seiner Kamera zu drücken.
Von einem Beobachtungspunkt in der Finsternis-Zone aus gesehen, wird das gesamte Sonne-Mond-Schauspiel etwa drei Stunden dauern: Eineinhalb Stunden benötigt der Mond vom ersten Kontakt an, um sich vollends vor die Sonne zu schieben. Dann, nach maximal 2 Minuten und 22 Sekunden Dunkelheit (je nach Standort), entzaubern sich die beiden Himmelskörper wieder ebenso langsam. Es kommt also zu einer Art Abenddämmerung, einer "Minuten-Nacht" und einem Morgengrauen.
So genau man über diese Vorgänge Bescheid weiß, so wenig ist über das Verhalten der Pflanzen und Tiere bekannt. Manche Blumen schließen bei einer totalen Sonnenfinsternis ihre Kelche, aber, so der Wildbiologe Dr. Antal Festetics: "Pflanzen verhalten sich generell unterschiedlich. Manche schließen ihre Blüten abends und öffnen sie morgens wieder, manche tun dies erst zu Mittag, und andere, wie etwa die Sonnenblumen, drehen sich mit der wandernden Lichtquelle mit und schließen sich überhaupt nicht."
Was die Tiere betrifft, so gibt es einige Überlieferungen: Ristoro d'Arezzo berichtet im Jahr 1239, dass man Wildtiere in ihrem Schrecken mühelos einfangen könne. 1706 beschrieb "Timotheo" einige Störche, die bei Eintritt der Dunkelheit "vom Himmel fielen", "sich aber beim hervorscheinenden Sonnenlichte augenblicklich wieder in die Höhe schwangen". 1715 bemerkte der Astronom Chevalier de Louville, dass sich Pferde während der Finsternis auf die Straße legten und streikten, und der hungrige Hund eines anderen Franzosen soll während der Finsternis von 1842 nicht gefressen haben...
Um den Wahrheitsgehalt solcher Berichte zu prüfen, plant die Universität Hohenheim in Deutschland im Bereich "Nutztier-Ethologie und Kleintier-Zucht" für den 11. August ein interessantes Projekt mit Kühen, Pferden, Kaninchen, Enten und Hühnern. Die "Uni-Haustiere" stehen an diesem Tag unter strenger Video-Überwachung.
Projektleiter Dr. Klaus Reiter: "Kaninchen und Enten, auch Igel und Mäuse sind dämmerungsaktiv. Während sie sich tagsüber ruhig verhalten oder schlafen, gehen sie abends auf Nahrungssuche. Kühe hingegen werden sich wahrscheinlich schlafen legen. Bei unseren sensibleren Island-Pferden vermuten wir eine andere Reaktion: Nervosität durch die außerplanmäßige 'Nacht'."
Chaos ist auch im Bienenstock vorprogrammiert. Da sich die Pollensammler bei ihren Ausflügen in die Wiese nach der Sonne richten, werden sie von der plötzlichen Finsternis überrascht und können sich minutenlang nicht orientieren.
Das "Tüpfelchen auf dem i" suchen auch ein paar "Schattenjäger" vom Paraclub Wiener Neustadt. Wenn das Wetter passt und die Berechnungen von Wind und Wolken am 11. August es zulassen, wollen die Fallschirmspringer die "neugeborene" Sonne mit einem Sprung aus rund 6000 Meter Höhe begrüßen. Mit Sauerstoffgeräten ausgerüstet, würde die Truppe dann ca. 2,5 Minuten im freien Fall mit mehr als 200 km/h der verdunkelten Erde entgegenrasen.
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