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Wenn man den 56-jährigen Jay Pasachoff fragt, ob er von der schwarzen Finsternis-Sonne "besessen" ist, dann lächelt er nur milde (und hörbar) ins Telefon. Sagenhafte 28 totale Sonnenfinsternisse hat er schon hinter sich. Die erste, erzählt er im Interview, erlebte er als 16jähriger (!) Harvard-Student mit seinem Uni-Professor in einem Forschungsflugzeug.
Wenn Dr. Pasachoff, heute Sonnenexperte und Leiter des Observatoriums am Williams-College in Massachusetts (USA), am 11. August mit 24 Mann und eineinhalb Tonnen Teleskopen, Filter- und Fotolinsen in Rumänien in Position geht, dann hat er es nur auf die zwei Minuten abgesehen, in denen sich die Sonne vollständig hinter dem Mond versteckt.
Sekunden zuvor wird die totale Sonnenfinsternis durch ein fantastisches Schauspiel eingeleitet: Der "Diamantring-Effekt", der zustande kommt, wenn die letzten Sonnenstrahlen zwischen den Hügeln und Kratern des Mondes zu uns herunterblinzeln. Erst danach, wenn der letzte Funke des grellen, direkten Sonnenlichts verschwunden ist, kann man bei guter Sicht die Sterne und die leuchtende Atmosphäre der Sonne beobachten (siehe Foto).
Ein wunderbares, sehr geheimnisvolles Phänomen, das der Wissenschaft bis heute Rätsel aufgibt: Hat doch die Sonnenoberfläche rund 5500. Grad Celsius, die Sonnenatmosphäre, die man auch "Korona" nennt, gleich darüber mit ihrem züngelnden Flammenkranz hingegen unfassbare zwei Millionen Grad. (Zum Vergleich: Die Flamme einer Kerze wird nur etwa 1500 Grad heiß.)
Pasachoff, der Schattenjäger und Korona-Tüftler, wird, wie viele andere seiner Kollegen, über den Ergebnissen seiner zweiminütigen Messungen die nächsten zwei Jahre brüten, dafür aber vielleicht bei der letzten Sonnenfinsternis dieses Jahrtausends einem neuen Naturgesetz auf die Spur kommen.
Ein "Finsternis"-Freak ganz anderer Art ist der 44-jährige Oberösterreicher Werner Rafetseder. Der Fotojournalist "stolperte" über seine erste Sonnenfinsternis bei einer Wanderung am Ufer des Flusses lrrawaddy in Südostasien, "als das Licht der Nachmittagssonne dramatisch" abnahm. Die Vögel hörten auf zu singen, und es wurde kühl. Das Zwielicht und die seltsame Stille breiteten eine mystische Stimmung über das Land", erzählt der Abenteurer tut Buch-Autor ("Sonnenfinsternis – Das Mysterium der reisenden Nacht"/Hugendubel-Verlag). "Seit damals", erklärt er, "ist mir kein Punkt der Erde für eine Zugabe zu weit weg."
"Jede Finsternis", behauptet Rafetseder, "hat eine eigene Persönlichkeit." Zum Beweis hat er sich bereits bei Thomas Gottschalks Sendung "Wetten, dass...?" angemeldet: "Ich wette, dass ich jede Sonnenfinsternis der letzten 100 Jahre anhand eines Fotos erkennen kann!"
Werner Rafetseder hat als Fotograf ein besonderes Auge für die spektakulären Licht- und Schattenspiele, die während einer totalen Sonnenfinsternis auftreten: "Wenn man sich auf einen Hügel mit freiem Blick nach Westen stellt, hat man die beste Sicht. Die Dunkelheit hängt wie eine Glocke vom Himmel herab und reicht gespenstischerweise irgendwo bis zum Horizont, von dem ein gelblichrotes Zwielicht ausgeht. Besonders unheimlich ist, dass weder Mensch noch Tier in diesen Minuten einen Schatten haben, weil das Licht nicht direkt von einer einzelnen Quelle ausgeht."
Dr. Maria Firneis und Dr. Ernst Göbel von der Universitäts-Sternwarte in Wien, die sich das Jahrhundertereignis im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf ansehen werden, wittern noch ein zusätzliches Phänomen, weswegen sich am 11. August ein Ausflug in die totale Zone des Schatten-Streifens lohnen würde. Dr. Firneis: "Vielleicht kann man sogar während der zweiminütigen Finsternis am verdunkelten Mittagshimmel eine Sternschnuppe sehen. Denn die jährliche Meteoriten-Aktivität ist heuer gerade zwischen dem 10. und dem 14. August am höchsten. Das wäre wirklich das Tüpfelchen auf dem i!"
Das "Tüpfelchen auf dem i" suchen auch ein paar "Schattenjäger" vom Paraclub Wiener Neustadt. Wenn das Wetter passt und die Berechnungen von Wind und Wolken am 11. August es zulassen, wollen die Fallschirmspringer die "neugeborene" Sonne mit einem Sprung aus rund 6000 Meter Höhe begrüßen. Mit Sauerstoffgeräten ausgerüstet, würde die Truppe dann ca. 2,5 Minuten im freien Fall mit mehr als 200 km/h der verdunkelten Erde entgegenrasen.
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