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Ein winziges Rädchen stellt unsere Erde im kosmischen Uhrwerk dar. "Ticktack" – wie ein zuverlässiger Zeitmesser dreht sie sich binnen 24 Stunden einmal um sich selbst, "Ticktack" – umläuft sie die Sonne einmal in 365 Tagen, immer gefolgt von ihrem treuen, blassen Regleiter, dem Mond, der seinerseits etwa einen Monat braucht, um unseren Planeten zu umrunden.
Ein Schauspiel. nach himmlischem Drehbuch, das sich an vielen Stellen des Kosmos wiederholt: Monde kreisen um Planeten, die wiederum um einen der endlos vielen Sterne des Universums ihre Bahn ziehen. Denn unsere Sonne ist ja nichts anderes als einer von Milliarden Sternen – von irgendwo im All aus gesehen: ein zartes Lichtpünktchen. Unvorstellbar!
So wie es vorkommt, dass der Sekundenzeiger einer Armbanduhr einen Augenblick lang gleichzeitig den Minuten- und den Stundenzeiger auf dem Ziffernblatt verdeckt, so passiert es manchmal, dass sieh der Mond am helllichten Tag derart zwischen Erde und Sonne schiebt, dass man den lebensspendenden Feuerball an bestimmten Punkten unseres Planeten minutenlang nicht sehen kann.
Dieses, für uns sonnenverwöhnte Wesen faszinierende, oft auch erschreckende Schauspiel nennt man totale Sonnenfinsternis und ist in Österreich so selten, dass wir bis zum Jahr 2081 warten müssen, um die nächste (dann in West-Österreich) zu bewundern.
Diese Serie, die Sie ab heute in einem Countdown von elf Folgen täglich bis zum großen Ereignis lesen können, beantwortet alle Fragen: Warum Wissenschaftler, Hobby-Astronomen und "Sonnenanbeter" aus aller Welt eigens dafür in den knapp 120 Kilometer breiten "Korridor der Finsternis" pilgern. Warum es nicht genügt, von außerhalb (etwa von Wien aus) die nur teilweise durch den Mond verdeckte Sonne zu beobachten, um Zeitzeuge des einmaligen Schauspiels zu werden. Warum es so ausgesprochen wichtig ist, die Augen beim direkten Blick ins grelle Sonnenlicht durch spezielle Filter-Brillen zu schützen. Außerdem lesen Sie die Wahrheit über jene Vorhersagen und Schauergeschichten, die sich um das mysteriöse Datum des 11. August 1999 ranken.
Trotz elektrischer Straßenlampen, Flutlichtanlagen auf Sport- und Spielplätzen, künstlich beleuchteter Einkaufszentren und Vergnügungsparks, die uns ein Dasein unabhängig von der natürlichen Lichtquelle "Sonne" ermöglichen, bestimmt unser Lebensstern bis tief ins Unterbewusstsein das Wesen der Menschen: Schlechte Laune bei schlechtem Wetter, Energieschübe und Glücksgefühle bei Sonnenschein sind Erscheinungen, die uns wie Pflanzen und Tiere im Zyklus der Sonne leben lassen.
Wie mag es wohl sein, wenn sich am gewohnten Ablauf von Tag und Nacht plötzlich etwas ändert, wenn das kosmische Uhrwerk – scheinbar – aus dem Lot gerät? Schriftsteller und Wissenschaftler haben über die Jahrhunderte auf sehr unterschiedliche Weise beschrieben, was sie empfanden, als am helllichten Tag das ewige Feuer auf einmal erlosch. So auch der Amerikaner Barry Slavin bei einer totalen Sonnenfinsternis am 11. Juli 1991 in Kalifornien:
"Der Schatten raste zu uns herunter von den Berggipfeln im Westen und verschluckte alles mit einem einzigen, tiefen Atemzug. Ein diamantener Ring blitzte (um den Mond) auf, gefolgt von den unglaublich feingliedrigen Fingern der Sonnen-Korona, die sich immer weiter und weiter nach außen streckten. Alles schrie um mich herum. Die Menschen riefen und brüllten, zeigten mit den Fingern nach oben. Ich konnte meine Augen nicht von diesem furchtbaren und zugleich so wundervollen Ding am Himmel über unseren Köpfen lösen. Es entsprach jeder Vorstellung eines Künstlers von Perfektion, nur war es noch schillernder, noch zauberhafter, noch sorgfältiger kreiert als alles, was ich je zu träumen gewagt hätte...
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