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Skifahren in Kanada: Drei-Gänge-Menü für Tiefschnee-Feinspitze

Paradiesischer Tiefschnee-Spaß in Kanada muss nicht unbedingt mit teurem Heliskifahren einhergehen. Die Rocky Mountains von Banff und Whistler bieten mehr.



Pulverschnee in Kanada muss nicht mit Heliski erkauft werden
Picture by T. Micke

Er ist wirklich anders, dieser kanadische Schnee. Und gar nicht leicht zu beschreiben. Champagne Powder sagen die Amis dazu. Aber die verstehen nicht viel von Champagner. Jedes Sprudelwasser mit Alkohol rennt bei denen schon als Champagne. Und so sind mit dieser Bezeichnung weder die Schaumwein-Feinspitze aus Frankreich noch die Tiefschnee-Feinspitze aus Österreich glücklich: Auf alle Fälle trockener als bei uns ist der Schnee in den kanadischen Rocky Mountains. Wenn er so ganz frisch über Nacht gefallen ist, dann hat er beinahe die Leichtigkeit von Styroporkugeln: Er fliegt einem um die Ohren, als ob man elektrisch aufgeladen wäre.

In der Gegend von Banff im Bundesstaat Alberta liegt dies angeblich an der großen Entfernung zum Meer, das in Europa den Alpenschnee anfeuchtelt. Und selbst in windverblasenem, leicht festgebackenem Zustand lässt sich dieser kanadische Rocky-Schnee noch deutlich müheloser und lustvoller durchpflügen als bei uns. Wie mit einem Kaffeelöffel die Staubzucker-Schüssel beim winterlichen Keksebacken. Aber das mag auch reine Einbildung sein, entsprungen aus dem Glücksgefühl, endlich einmal wieder einen langen, noch unverspurten Hang auf zwoa Brettln durchtanzen zu dürfen. Und das kann man in Lake Louise, Sunshine Village und Mount Norquay, den drei Skigebieten im Nationalpark von Banff, auch noch Tage nachdem das letzte Weiß gefallen ist. Quasi ein 3-Gang-Menü für Tiefschnee-Feinspitze, auch ganz ohne Helikopter.

Der Teesalon des Fairmont Hotel Chateau Lake Louise. Hier stiegen die Roling Stones ab.
Picture by T. Micke

Banff ist den Bewohnern der ehemaligen Olympia-Stadt Calgary, was Semmering und Hochkar den Wienern ist: ein Wochenend-Skigebiet. Nur sehr, sehr viel größer. Aus Europa (via Frankfurt) einfliegend, wundert man sich aber erst einmal über Calgary. Der jüngste Boom um riesige Ölsand-Vorkommen, der durch stetig weiter steigende Barrell-Preise endlich lukrativ abbaubar ist, lässt die Stadt aus den Nähten platzen. In der frischgebackenen Millionenmetropole steigen die Immobilienpreise, Vorstädte breiten sich wie graue Flechten über die umliegenden Hügel aus, und die Infrastruktur kommt nicht mehr mit.

Zwei Stunden fährt man von hier nach Westen, wo die Rocky Mountains schneebedeckt links und rechts des vierspurigen Highways aufragen. Eine Landschaft in X-large: Die Autos, in denen man fährt, sind größer als bei uns, die Straßen, auf denen diese rollen, die Nadelwälder, durch die jene führen, und die massiven Gebirgszüge, an deren Flanken der Wald wie Moos emporwächst. Das komplett auf Tourismus orientierte Städtchen Banff fängt Übersee-Touristen und Wochenendurlauber gleichermaßen auf; Anfahrtszeit zu den Skigebieten via Skibus zwischen einer halben und einer Stunde. Von billigen Motelzimmern, in denen man zu viert auf zwei Kingsize-Betten unterkommt, bis zum Fünf-Stern-Hotel ist alles da. Wer es ganz nobel will, macht es wie die Rolling Stones und steigt im Fairmont Chateau Lake Louise mit See- und Gletscherblick ab, das aus den 30ern stammt.

Die Geländeabfahrt Delirium Dive im kanadischen Skigebiet Sunshine Village ist mehrfach gesichert
Picture by T. Micke

Ex-Alpinstar Tom Grandi hat hier am wenig frequentierten Tiefschnee-Geheimtipp Mount Norquay das Skifahren gelernt. Lake Louise lockt mit den bekannten Weltcup-Abfahrten. Und Sunshine Village bietet für echte Freaks des senkrechten Skivergnügens Geländeabfahrten wie Delirium-Dive oder Wild West, wo man als Einsteigsmutprobe über eine Kante in einen Steilhang mit 50 bis 60 Grad hineinspringen darf.

Alternativ dazu bietet sich als imposante Kanada-Einstiegsdroge für Wintersportler auch die Region Whistler-Blackcomb an. Man landet in der Pazifik-Hafenstadt Vancouver und ist nach zweieinhalb Stunden Transfer im größten Skigebiet Nordamerikas. Wo noch 1964 einzig im Sommer Forellen geangelt wurden, ködert seither eine künstliche Stadt mit 10.000 Betten und mehr als 100 Restaurants Urlauber aus der ganzen Welt. Stars wie Seal und Heidi Klum leisten sich hier im Chateau Whistler eine Turmsuite um 2500 Euro pro Nacht, aber auch die amerikanische Snowboard-Szene findet Whistler cool. 2010 wird Österreich hier um olympische Medaillen kämpfen. Die zukünftige Olympia-Abfahrt ist schon jetzt für jedermann erfahrbar.

Das kanadische Skigebiet von Whistler-Blackcomb mit seinem Ampelsystem
Picture by T. Micke

Wer außer dem Schnee noch Gründe braucht, um (ab ca. 1200 Euro pro Woche, exklusive Mahlzeiten und Ski-Transfer, inklusive Flug, Hoteltransfer, Übernachtung im 4er-Zimmer und Skipass) einmal in Kanada statt in Österreich Ski fahren zu gehen: Auf den Hütten wird statt Bumm-Bumm-Ballermann-DJ-Ötzi-Krawall gepflegter Country-Rock gespielt. Statt (oft grantigen) älteren Nebenerwerbsliftwarten strahlen einen am Sessellift (oft hübsche und überfreundliche) australische StudentInnen auf Ferialjob an. Und auf den Sesselliften kann man sich zumindest in Mount Norquay statt über Werbung für Lodengeschäfte und AprŠs-Hotelbars über mehr als hundert Charley-Brown-Comics amüsieren. Leider nur in den Souvenir-Shops in Plastik-, Holz- und Steinausführung anzutreffen: Kanadas Grizzlybären. Die sind zwar genau hier zuhause, machen aber bekanntlich im Winter ihren Schönheitsschlaf.


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© Eine Reportage von T. Micke (13-01-08) – Kontakt