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Cross-Board: Wenn Snowboarder der Schnee ausgeht

Im Land der Berge stehen im Sommer die Lifte still, und man bangt um Gäste. Auf der Suche nach dem Sommer-Trendsport der Zukunft ist Thomas Bruckner aus St. Pölten nichts zu verrückt.



Erste X-Board-Versuche des Nachlese-Redakteurs an der Hand des Meisters Thomas Bruckner
Picture by T. Micke

"Glaub mir, das fährt sich wie ein Snowboard", behauptet Thomas Bruckner, hauptberuflich "Trendsport-Scout", bei unserem Testausflug zur Stockerhütte bei Wilhelmsburg (NÖ) und drückt mir grinsend das "X-Board" (gesprochen: Crossboard) in die Hand: "Du musst halt nur schnell genug damit fahren..."

Auf den ersten Blick ist dieses Gerät (erfunden von einer österreichischen Firma) zu verrückt, um wahr zu sein: "X-Board" ist eigentlich ein Roller mit Geländereifen, auf den man mit den Füßen festgeschnallt wird. Aber es gibt keinen Lenker, und das Vorderrad wird durch zwei starke Gummibänder in Position gehalten.

Während ich mich zögernd in die von einem Snowboard geklaute Bindung schnalle, läutet das Unterbewusstsein Alarm: "Erstens: Das 13 Kilo schwere Ding hat keine erkennbare, vertrauenswürdige Lenkung. Zweitens: Wenn dir die Bremse aus der Hand fällt, gibt es kein Halten mehr. Und drittens: Um Himmels willen, wie willst du stehen bleiben, wenn du doch mit beiden Füßen in der Bindung steckst?!"

Die letzte Frage leite ich an Thomas Bruckner weiter, der gerade amüsiert meinen ängstlichen Blick studiert. "Siehst du? Jetzt gehts dir so wie mir, wenn ich von den Sportfirmen ,Skikes', ,Monster', ,Hill Carts' und andere Prototypen bekomme, um sie auf Fehler und Verbesserungen zu testen. Als Trendsport-Scout muss man das leider alles ausprobieren. Aber ich bin ja nett, ich verrats dir: Entweder du schnallst noch während dem Fahren ab, oder du lässt dich umfallen, wenn das Board zum Stehen kommt..."

Na großartig! Händchenhaltend lasse ich mich, vom Profi geführt, 100 Meter langsam die Straße hinunter rollen. Klar bin ich noch zu langsam, um das Gleichgewicht allein zu halten, das sieht jedes Kind, das beim Fahrradfahren dem Stützräder-Alter entwachsen ist. Aber will ich mit diesem Ding auf einer schmalen Schotterstraße wirklich schneller fahren?

Unkonventionelle Handbremse für das X-Board: Nur nicht fallen lassen...
Picture by T. Micke

Thomas Bruckner hat es jedenfalls so gelernt, zwar in voller Motorradmontur mit Helm und Lederkluft, aber auf Schotter. Und er beherrscht das "X-Board" jetzt auch bei Tempo 70 und mit Handbrems-Drift. Der Ex-Snowboard-Rennfahrer berät seit fünf Jahren in- und ausländische Firmen, was neue Trendsportgeräte betrifft und testet sie am eigenen Leib bis auf ein paar Hautabschürfungen sogar ohne gröbere Verletzungen.

"Man muss kein wilder Hund sein, um so etwas zu machen, sondern eher das Gegenteil", spielt Bruckner seinen verrückten Job herunter: "Der nötige Respekt und mit der Zeit auch die Routine halten einen dabei am Leben." Nicht nur Sportfirmen sind dem St. Pöltener dankbar für seine Trendsport-Grenzgänge. Österreichs Touristiker suchen schon lange nach Ideen, wie man den Gästezahlen der Wintersaison im flauen Sommer etwas näher kommen kann, damit die vielen Liftanlagen nicht nur für eine Hand voll Ausflügler in Betrieb sind.

Neue Trendsportarten kommen da gerade recht, vorausgesetzt, sie funktionieren richtig. Skigebiete wie Schladming (Stmk.), Mönichkirchen (NÖ) und Türnitz (NÖ) sind schon vereinzelt auf den Zug aufgesprungen und bieten im Sommer Verrücktes zum Mieten für Ski- und Snowboardfahrer an, die nicht mehr bis zum Winter warten wollen. Dabei hat man auch an die Ruhe der Wanderer und Spaziergänger gedacht und eigene abgesperrte Strecken eingerichtet.

Übrigens: Das Fahren mit dem "X-Board" gelang schließlich doch ohne Stützräder. Und zwar mit Genehmigung des zuständigen Bauern auf einer abschüssigen, weichen Wiese. Und ich muss zugeben: Es fährt sich wirklich wie ein Snowboard. Nur das mit dem Lenken, das hat leider noch nicht so ganz geklappt...


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© Eine Reportage von T. Micke (01-06-03) – Kontakt