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Die Nasa weiß: "Jeder 50. Shuttle-Flug geht schief"

Ist die Discovery in Not? Interview mit dem Tiroler Dr. Klaus Heiss, NASA-Experte und schon seit US-Präsident Reagan Berater des Weißen Hauses.



Space Shuttle Discovery in der Erdumlaufbahn mit herausstehender Fugenmasse am Rumpf (weiss)
Picture by NASA

"Als wir in den 70er Jahren bei der NASA über den Schutzschild der geplanten Space Shuttle berieten, hatten wir die Wahl", erklärt der Tiroler Dr. Klaus Heiss, der Bau und Entwicklung der US-Raumfähren von Beginn an mitbetreut hat im Interview." Entweder ein schwerer Metall-Schild oder über einer Außenhaut aus Aluminium eine Keramik-Schutzbeschichtung, die wie eine Eierschale ist: zerbrechlich, aber sehr leicht und wirkungsvoll. Wir haben uns für letzteres entschieden, und das kann man jetzt trotz aller Diskussionen nicht mehr ändern."

Bei jedem Shuttle-Flug werden eine Menge dieser Kacheln beschädigt. Sie funktionieren ähnlich wie das in der Küche verwendete, hitzebeständige Jena-Glas und dürfen nicht einfach angeschraubt werden, weil die Schrauben die extreme Temperatur nach Innen leiten würden. Die meisten der mit Spezial-Silikon aufgeklebten Anti-Hitze-Fliesen erwischt es durch die Vibrationen beim Start. Rund 30.000 waren es auf den bisher 113 Shuttle-Missionen.

So werden die beschädigten Hitzekacheln der US-Raumfähren bei Bedarf im Weltraum repariert
Picture by NASA

Dr. Heiss: "Der Unterschied zur aktuellen Mission ist nur, dass wir die meisten Kachelschäden bisher immer erst nach der Rückkehr der Maschinen festgestellt haben. Diesmal haben wirt eine Unzahl von Überwachungskameras, die diese ,normalen' Risse, Sprünge und Fugen-Austritte schon jetzt aufzeigen und natürlich Diskussionen auslösen. abgesehen davon, dass die Crew ja in der Nacht auf Sonntag schon ihr neues Reparatur-Kit ausprobieren wird, ist das sowieso kein Grund zur Panik. Wenn Sie mich fragen: Die Discovery wird wie geplant nächsten Sonntag zur Erde zurückfliegen und wohlbehalten landen."

"Trotzdem", stellt Weltraumexperte Dr. Heiss klar: "ist Sicherheit bei Shuttle-Flügen eine Illusion. 1970, also noch lange vor dem ersten Flug, wurde bei der NASA eine Machbarkeitsstudie erstellt, die für Shuttle-Flüge eine Erfolgsquote von 98 Prozent vorhersagte. Mit anderen Worten: Die US-Weltraumbehörde rechnete damit, dass zwei von 100 Flügen schief gehen, also jeder fünfzigste. Aus heutiger Sicht sind es zwei von 113 gewesen. Die Astronauten, die auf eine Mission gehen, kennen diese Zahlen und damit auch das Risiko. Es ist ein ebenso riskanter Beruf wie Testpilot."

Der abgesprengte Treibstofftank der Discovery. Am linken oberen Bildrand ist in weiss jene Stelle zu erkennen wo der Schaumstoff herausgebrochen ist
Picture by NASA

Sind also die verbleibenden Space Shuttle nach dem jüngsten Flugverbot schrottreif? Dr. Heiss: "Das Flugverbot, das NASA-Boss Michael Griffin einstweilen verhängt hat, hat nichts mit der Situation der Discovery und ihrer Crew zu tun. Die mit Schaumstoff isolierten Triebstoff-Tanks, die die Discovery ja nach dem Start abgesprengt hat, sind das Problem, weil sie um viele Millionen Dollar so überarbeitet wurden, dass keine abbröckelnden Stücke mehr zu einer Katastrophe wie bei der am Rückweg verunglückten Columbia führen können. Aber trotzdem hat sich wieder etwas von einem der Außentanks gelöst und das ist wirklich arg. Deswegen müssen die neuen Tanks erst genau überprüft werden, bevor wieder eine Fähre mit ihnen startet."

Und wie soll es mit den Weltraumprojekten der US-Weltraumbehörde weitergehen, wenn die Discovery hoffentlich nächste Woche wieder wohlbehalten gelandet ist? Dr. Heiss: "Die Nachfolge des Space Shuttle wird in den nächsten Wochen bei der NASA entschieden. Ich habe mich schon 1981 und erst kürzlich wieder in einem Memorandum an Vizepräsident Dick Cheney für eine fixe, bemannte Mondbasis eingesetzt, die Forschern ungeahnte Möglichkeiten bieten würde, und auch zur Energiegewinnung genützt werden könnte."

Spaceshuttle Discovery bei einem Taxiflug mit einer umgebauten Boeing 747
Picture by NASA

Aber um eine solche Station zu ermöglichen, werden alle Weltraum ambitionierten Staaten zusammenarbeiten müssen: Die USA und Russland, die EU, aber auch China, Japan und Indien. Dr. Heiss: "Für die Europäische Union wäre es eine gute Chance, endlich als echte Staatengemeinschaft große Entscheidungen zu fällen, und jedes EU-Land könnte seinen Beitrag dazu leisten. Speziell Österreich hat da für seine bescheidenen Verhältnisse mit sehr wenig schon jetzt sehr viel erreicht."

Und wem werden die Grundstücke auf dem Mond, die reichen Bodenschätze und die errichteten Anlagen gehören? Jenen Leuten, die schon seit Jahren im Internet bei einer US-Firma Mondgrundstücke kaufen? "Sie werden nach dem Gewohnheitsrecht dem gehören, der zuerst oben ist und auch etwas daraus macht", meint der Tiroler Raumfahrtexperte und Ökonom Dr. Klaus Heiss: "Denn ohne Privateigentum geht auch auf dem Mond nichts weiter. Das sieht man ja bei uns auf der Erde. Aber bis es soweit ist, müssen auch die Weltraumbürokraten der USA lernen, offen mit anderen Nationen zusammenzuarbeiten."


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© Eine Reportage von T. Micke (31-07-05) – Kontakt