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SETI: Lauschangriff via PC

Seit 43 Jahren lauscht "SETI" ins All hinein, um außerirdisches Leben zu entdecken. Unglaubliche 4,2 Millionen Menschen halfen dabei auf einzigartige Weise. Eine geniale Idee und ihre Geschichte.



Lauschen in die tiefen des Weltalls: Die SETI-Daten werden an Heim-PCs ausgewertet
Picture by ESA

Seth Shostak hat einen Beruf, den er bei abendlichen Plaudereien an der Bar lieber für sich behält: Wie Jodie Foster im Kino-Hit "Contact", sucht er nach Lebenszeichen Außerirdischer. Mit dem kleinen Unterschied, dass Jodie Foster am Ende ihres Film-Daseins die Genugtuung hat, Recht gehabt zu haben mit den Aliens und Shostak wohl den Rest seines schlichten Erdenlebens einer Sternen-Stecknadel im Weltraum-Heuhaufen nachlaufen wird, von der er nicht weiß, ob es sie wirklich gibt.

Shostak arbeitet wie Dutzende andere seriöse Wissenschafter in der SETI-Zentrale (SETI bedeutet "Suche nach außerirdischer Intelligenz") der angesehenen Berkeley-Universität in Kalifornien. Mit Hilfe riesiger Radio-Antennen in Satellitenschüssel-Form suchen die Forscher seit den 60er Jahren den Sternenhimmel nach Signalen ab, die von anderen Wesen stammen könnten. Und obwohl die Wahrscheinlichkeit winzig klein ist, ausgerechnet jetzt, in den ersten paar Jährchen, in denen wir mit Elektrizität, Radio- und Weltraumstrahlung vertraut sind, auf eine andere Zivilisation zu stoßen, die ebenfalls jetzt lebt und technisch in der Lage ist, Signale durchs All zu senden, sind Eifer und Kreativität der SETI-Forscher ungebrochen.

Als die NASA 1993 den SETI-Forschungsgeldhahn zugunsten anderer "realistischerer" Weltraumprojekte zudrehte, war das ein schwerer finanzieller Schock, was aber die "Setianer" wiederum zu einem Geniestreich inspirierte, der bis heute einzigartig ist und zukunftsweisend für viele andere Forschungszweige sein könnte: Man stellte der Öffentlichkeit auf der Uni-Internetseite einen Bildschirmschoner mit einem kleinen Zusatzprogramm für Heim-PCs zum Herunterladen zur Verfügung, der immer dann, wenn der Computer nicht gebraucht würde, dessen Rechenleistung für die Alien-Suche nützte). Schließlich mussten die riesigen Datenmengen, die von den Radio-Antennen aus den Tiefen des Alls eingefangen wurden, ja auch nach Verdächtigem durchsucht werden.

Das Allen Telescope Array (ATA) nördlich von San Franzisko lauscht für SETI nach Weltraumsignalen
Picture by SETI Institute

Sagenhafte 4,2 Millionen Computer-Nutzer haben seither diesen Bildschirmschoner auf ihren PC geladen, der dann in Kaffee- und Mittagspausen mit sehr effektvollen Grafiken jedes Mal ein heruntergeladenes kleines Stück vom rauschenden Sternen-Kuchen offline durchkaute, um die gesichteten Daten dann online wieder an den Hauptrechner in Berkeley retour zu senden.

Hätten sich die Außerirdischen irgendwo dort draußen im abgesuchten Bereich interstellar geräuspert, dann wäre wohl irgendein Student in Australien oder eine Sekretärin in Brasilien oder in Kasachstan mit seinem oder ihrem PC als Entdecker in die Geschichtsbücher eingegangen.

Auf insgesamt mehr als eine Million Jahre Computer-Rechenzeit brachten es die auf diese Weise zum gigantischen Großrechenhirn verbundenen Heimcomputer bisher beim "Alien-Ausrechnen". "Die größte Computerberechnung, die jemals durchgeführt wurde", erklärte SETI-Direktor David Anderson vor kurzem stolz. Und eine kostengünstige Idee, die jetzt auch andere Forschungszweige für langwierige Monster-Rechnungen wie Langzeit-Klimaprognosen oder dreidimensionale Protein-Modelle nützen wollen.

Bei SETI ist man jetzt seit ein paar Wochen dabei, die auf diese Weise gefundenen 150 viel versprechendsten Signale und ihre Ursprungs-Galaxien noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Chancen sind zwar winzig klein, aber: Wer weiß...


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© Eine Reportage von T. Micke (04-05-03) – Kontakt