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SETI-Projekt: Lauschangriff mit 350 Ohren

Auf der Suche nach Lebenszeichen horchen die USA jetzt mit einem ganzen Wald von Radioteleskopen ins All. Müssen Außerirdische ab sofort nur noch laut "Hallo!" rufen?



Das Allen Telescope Array (ATA) nördlich von San Franzisko lauscht für SETI nach Weltraumsignalen
Picture by SETI Institute

Es ist der größte Lauschangriff der je unternommen wurde: Wenn das Allen Telescope Array auf einem Hochplateau 500 Kilometer nördlich von San Franzisko wie geplant in Voll-Betrieb geht, werden dort 350 Radioteleskope mit Schüsseln von je sechs Meter Durchmesser in den Himmel zielen. Der Schüssel-Wald ist derart gekoppelt, dass die Summe aller Antennen wie ein einziges riesiges Radioteleskop arbeitet. Ein hochempfindliches Weltraum-Ohr, das auch andere wissenschaftliche Aufgaben erfüllen soll, wie zum Beispiel die Suche nach sternenlosen Galaxien, bestehend aus exotischer dunkler Materie. Aber hauptsächlich wurde es dazu geschaffen, das Umfeld von einer Million verdächtigen Sternen in unserer Milchstraße im Rahmen des SETI-Projekts nach Anzeichen von außerirdischer Intelligenz abzuhorchen.

Unvorstellbare 200 bis 300 Milliarden Sterne funkeln allein in unserer Heimat-Galaxie. Unzählige von ihnen werden von Planeten umkreist. Und je nachdem wen man fragt, könnte es auf einer ganzen Menge von ihnen Leben geben wie bei uns. Oder eben nicht.

Denn bis heute können auch Wissenschafter nicht viel mehr als Rätselraten, ob die Bedingungen, unter denen unsere Erde und das Leben auf ihr entstanden ist, absolut einzigartig sind oder – all-umfassend gesehen – so gewöhnlich wie ein zitronengelbes Auto im täglichen Straßenverkehr. Seit einiger Zeit weiß man zum Beispiel, dass sich unser ziemlich großer Mond mit seinen Eigenschaften doch deutlich von jenen unterscheidet, die um andere Planeten, wie Mars oder Jupiter, kreisen. Unserer entstand nicht gleichzeitig mit seinem Planeten, sondern höchstwahrscheinlich aus Trümmern, die bei einem massiven Frontalzusammenstoß vor zirka vier Milliarden Jahren aus der glutjungen Erde herausgeschlagen wurden. Seither sorgt er durch seine Anziehungskraft für eine stabile Drehachse der Erde, die eine annähernd gleichbleibende Sonnenbestrahlung und damit ein konstantes Klima überhaupt erst möglich macht. Ob andere erdähnliche Planeten auch so viel Glück haben? Bei mehreren Millionen Kandidaten ist sogar das nicht unwahrscheinlich.

Die Andromeda Galaxie (M31) aufgenommen mit dem Allen Teleskop. Diese AUfnahme zeigt die Wasserstoff-Dichte an.
Picture by Allen Telescope Array/UC Berkeley

Allein mit Mathematik wird sich aber niemals nachweisen oder widerlegen lassen, dass noch jemand dort draußen ist. Um diese Neugier zu befriedigen, müsste man nachschauen gehen, was bei unserem Nachbarplaneten Mars auch geplant ist. Aber selbst diese Reise dauert auf dem kürzesten Weg mehrere Monate. Das Licht braucht dafür nur drei Minuten. Zum Vergleich: Von unserem nächsten Nachbar-Stern, Proxima Centauri, ist das Licht mehr als vier Jahre zu uns unterwegs. Weil die Distanzen viel zu groß sind, ist die Suche also nur mit so verrückt klingenden Projekten wie jenem in Kalifornien machbar. SETI-Chefastronom Dr. Seth Shostak: "Die Suche nach außerirdischer Intelligenz, die wir seit vielen Jahren mit bescheidenen Mitteln betreiben, ist natürlich eine Fahndung nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Mit dem ,Allen Telecope Array' das jetzt in Testbetrieb gegangen ist, ist es aber wenigstens so, wie wenn wir nicht mit einer Dessertgabel, sondern mit einer ordentlichen Heugabel suchen."

Bei allem Optimismus rund um den neuen Antennenwald in Kalifornien bleiben aber leider noch immer reichlich Gründe, weshalb wir von unseren möglicherweise existierenden außerirdischen Geschwistern nie einen vernehmbaren Laut hören werden:
1. Der Mensch ist selbst erst seit rund 100 Jahren in der Lage, Signale in Form von Radiowellen ins All zu schicken. Intelligente Wesen (die vielleicht schon seit Hunderttausenden Jahren existieren wie wir) müssten zeitgleich mit uns mindestens auf demselben Stand der Technik sein. Ein paar außerirdische Einzeller – die für die Forscher schon eine Sensation wären – würden sich damit schwer tun. Und eine hochentwickelte Zivilisation, die vor ein paar tausend Jahren durch einen unerwarteten Kometentreffer ausgestorben ist, bliebe wohl ebenfalls von uns unentdeckt.
2. Ein eintreffendes Signal zu empfangen und ein ausreichend starkes über Hunderte Lichtjahre hinweg zu senden, sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Wenn man eine Radio-Botschaft wahllos einfach so ins Weltall schickt ohne zu wissen, wo der Empfänger sitzt, muss das ziemlich laut passieren. Man braucht ungeheure Mengen Energie dafür – und das natürlich über einen sehr langen Zeitraum hinweg.
3. Es mag aus Menschensicht unwahrscheinlich klingen, aber vielleicht wurde unser blauer Planet mit seiner lebensfreundlichen Atmosphäre ja längst entdeckt und man hält es da draußen einfach für klüger, nicht lauthals "Hallo!" zu rufen. Denn bei aller Faszination ist die Aussicht auf andere intelligente Wesen auch erschreckend: Eine solche Entdeckung würde das gesamte Weltbild jeder Zivilisation erschüttern. Die Folgen wären unabsehbar und könnten eine Panik auslösen, die in einer Katastrophe endet.
4. Selbst wenn die erhofften Außerirdischen so kontakt- und plauderfreudig sind wie der Mensch, reicht es leider schon, wenn sie eine andere Vorstellung von einer international verständlichen Botschaft haben, die wir nicht als solche erkennen. Dann würden wir bis in alle Ewigkeit aneinander vorbei reden...


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© Eine Reportage von T. Micke (09-12-07) – Kontakt