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Segelfliegen: Zwischen Himmel und Übelkeit

Fliegen ganz ohne Motorkraft. Lautlos elegant im Aufwind segeln wie Adler und Möwe. Ohne Anstrengung. Ohne Flügelschlag. Für ein paar Stunden sind wir jetzt Möwe. – Mit einem Unterschied: Möwen fliegen keine Loopings.



Vor dem Start im Doppelsitzer-Segelflieger: Der Nachlese-Redakteur kann noch lächeln
Picture by T. Micke

Zwischen Himmel und Erde gibt es Dinge, die muss man nicht unbedingt haben. Bungeejumping gehört für mich dazu, auch "Big Brother" oder gedünstete Weinbergschnecken. Segelfliegen war hingegen immer schon ein "Muss". Zumindest probieren wollte ich es einmal: so ganz ohne Motor, ohne Stewardess, ohne das Sackerl Erdnüsse auf Platz 23E...

Laut dröhnend wie eine Riesenhummel zieht uns die Schleppmaschine in einer langen Schleife vom steirischen Alpenflugplatz Niederöblarn auf dem imposanten Grimming entlang über das Ennstal hinweg auf Flughöhe. Ausklinken auf 1200 Meter. Stille. Nur der Wind pfeift erstaunlich heftig. Aber immerhin sind wir auch ohne Motor noch mit gut 120 Sachen unterwegs.

Auf Luft segeln und mühelos spielerisch schweben, das war am Meer immer an den Möwen so faszinierend. Jetzt darf ich mich für ein paar Stunden selber wie ein Vogel fühlen. Herrlich!

"Wenn du willst", meint Andi, der Pilot, der auf dem Platz hinter mir am Steuerknüppel sitzt, "können wir den ganzen Nachmittag hier oben herumkurven", und trifft damit genau meine Stimmung. "Aber ich hätte da für deinen Erstflug etwas Spannenderes im Sinn."

"Einen was??!", frage ich ungläubig. "Einen Looping willst du mit mir fliegen? "Geht das denn ohne Motor?"

"Oh", meint Andi, "das ist einfach: Flugzeugnase um 55 Grad nach unten kippen, am Sturzflug auf 210 km/h beschleunigen und dann ruhig und gleichmäßig nach oben ziehen. Also, los geht's!" – Und das war das Ende meines unbeschwerten Möwen-Daseins...

Der blaue Himmel mit den schneeweißen Alpengipfeln wird wie ein Theatervorhang nach oben weggerissen. Stattdessen ist jetzt alles voll mit Wiesen und Wäldern und der B 146, die mit ihren Zwergerl-Autos in einem kreischenden Orkan auf mich zurast. Plötzlich ein mächtiger Faustschlag in die Magengrube. Gleichzeitig explodiert die Wiesenlandschaft, hinterlässt nichts als konturloses Blau. Irgendwo schießt die Sonne wie eine Sternschnuppe durchs Gesichtsfeld. Dann, für einen dankbaren, atemlosen Augenblick, hält jemand das Bild an: seltsam. Der saftig grüne Himmel über mir hängt voller Bäume, winzige Kühe krallen sich verkehrt herum daran fest, sogar ein paar Häuschen hat man dort angeklebt. Unten wogt ein luftiger Ozean, und ich hänge mit ziemlich flauem Magen mittendrin.

"Am kritischen Punkt eines Loopings bist du einen Moment lang schwerelos", erklärt mir Andi hinterher. Dann rast man wieder der Erde entgegen, bis .der Pilot das "Geschoss" abfängt.

Noch einen Looping fliegt Andi an diesem Nachmittag mit mir. Dann hat mein Magen genug. Immerhin mehr als zwei G (also die zweifache Schwerkraft der Erde) wirken bei der Kurvenbeschleunigung auf den Körper.

Nach der Landung fischt Andi grinsend zwei Plastiksackerln aus einem Seitenfach im Cockpit: "Nicht übel für einen Frischling, dass du die hier nicht gebraucht hast. Aber keine Sorge, wenn du mal den Segelflug-Schein machen willst. Man gewöhnt sich bald an die Schaukelei."


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© Eine Reportage von T. Micke (10-06-00) – Kontakt