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Sea Orbiter: Forschung auf der schwimmenden Insel

Mit der Meeresströmung treibend soll dieses verblüffende Forschungsschiff in einigen Jahren in See stechen. Ein Projekt, das den Menschen des 21. Jahrhunderts helfen soll, ihre Welt zu retten, aber auch den Weltraum zu erobern.



Das Forschungsschiff Sea Orbiter wird zu einem Großteil unter Wasser mit der Strömung durch die Weltmeere treiben
Picture by Sea Orbiter

Das Meer, die große, schöne Unbekannte! Selten war uns Menschen durch reale Naturkatastrophen und Filme so klar wie heute, wie sehr wir vom Funktionieren des gigantischen Ökosystems der Ozeane abhängen. Umso erstaunlicher, dass der Mensch vom "großen Wasser", das 70 Prozent unserer Erdoberfläche bedeckt, bisher noch nicht einmal ein Prozent durch Taucher in Küstengebieten und durch Tiefsee-Roboter erkundet hat.

Große Unterwasserforscher wie Jacques Cousteau und Hans Hass gingen schon in den 60er Jahren im wahrsten Sinn des Wortes den Geheimnissen des Meeres "auf den Grund". Imposante Unterwasser-Forschungsdörfer wie "Conshell 2" im Roten Meer waren die Folge, in denen Taucher wochenlang unter schwierigen Bedingungen und hohem Wasserdruck lebten und dabei Erstaunlichesüber ihre bis dahin so fremde Wohnumgebung herausfanden. Aber auch die NASA nützte und nützt vor der Küste von Florida Unterwasserbasen wie "Sealab" und "Aquarius", um ihre Astronauten auf die harten, oft beklemmenden Bedingungen im Weltraum vorzubereiten. Die Taucher blieben dabei bis zu 12 Tage in Tiefen von 16 Metern und mussten beim Auftauchen 48 Stunden in Dekompressionskammern aushalten, um den Körper wieder an den niedrigeren Außendruck an der Oberfläche zu gewöhnen.

Dass Weltraumforscher und Meeresbiologen ein ganz ähnliches Arbeitsumfeld gebrauchen können, ist ein Glücksfall, durch den schon in drei Jahren das ungewöhnliche Erkundungsschiff "Seaorbiter" entstanden sein könnte: Teils unter Wasser, teils oberhalb der Wasserlinie wird die schwimmende Forschungsstation mit den Strömungen im Tempo der Meeresbewohner die Ozeane unseres Planeten umkreisen. Zehn Mann arbeiten "an Deck", während acht so genannte Aquanauten unter Wasser experimentieren und wohnen. Das wirklich Besondere, wodurch sich Seaorbiter von allen anderen Forschungsschiffen unterscheidet: Wer vom oberen Bereich in den unteren will, muss durch eine Druckschleuse und sich erst akklimatisieren, weil im Reich der Aquanauten der Druck der entsprechenden Meerestiefe herrscht (1,5 bis 2 bar), sodass diese jederzeit ohne Anpassung oder Dekompression ins offene Meer hinaus und zurück können.

Bis zu sechsmonatige Aufenthalte plant die NASA im Rahmen ihres Spezialprojekts NEEMO in diesem Unterwasser-Habitat, um die geplante, bemannte Reise zum Mars zu simulieren: Astronauten können im Unterdeck des Seaorbiter nicht einfach wie bei vielen anderen Simulationen in Paniksituationen die Flucht ergreifen oder zur Beruhigung den Gedanken nützen, dass dies im Ernstfall jederzeit möglich wäre. "Und der schwindelerregende offene Ozean", so Seaorbiter-Sprecher Ariel Fuchs, "mit Tausenden Metern konturlosem, schwarzem Wasser bis zum Meeresgrund ist auch schon sehr realistisch."

Der Franzose Jacques Rougerie hat den Sea Orbiter und damit eines der größten Klimaforschungsprojekte ins Leben gerufen
Picture by Sea Orbiter

35 Millionen Euro wird das einzigartige Vehikel kosten, das der französische Schiffs- und U-Boot-Architekt Jacques Rougerie mithilfe von Meeresbiologen, Klimaforschern und ehemaligen Astronauten entwickelt hat. Viel Geld, das derzeit durch Spenden und Sponsoren zusammenkommt, aber, wie Ariel Fuchs im Interview meint: "Auch nicht wirklich so viel, wenn man bedenkt, dass ein großes Kreuzfahrtschiff heute schon 120 Millionen Euro verschlingt und ein modernes Wissenschaftsmuseum, in dem Kinder möglichst viel aus der Praxis lernen, auf 40 Millionen kommt."

Ariel Fuchs: "Schließlich soll Seaorbiter nicht nur ganz nah am Puls des Meeres neues Leben unter Wasser entdecken, 24 Stunden am Tag mittels Sensoren den komplexen Bewegungen im Golfstrom Geheimnisse entlocken und den Klimawandel erforschen. Ein genauso wichtiger Teil der Mission ist es, der breiten Öffentlichkeit die Faszination unserer Erde näher zu bringen. Frankreichs Jacques Cousteau und auch Österreichs Hans Hass haben es uns vorgemacht. Sie sind die geistigen Väter, die gezeigt haben, wie man ein großes Publikum für die Meeresforschung begeistert. Und Begeisterung führt dazu, dass man sich für eine Sache engagiert und sie aus eigenem Antrieb bewahren lernt."


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© Eine Reportage von T. Micke (14-05-06) – Kontakt