Welt-Bildung

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

NACHLESE INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Österreich schickt erstmals eigenen Satelliten ins All!

Kleiner Würfel, große Wirkung: Mit dem Projekt "Brite Austria" reiht sich Österreich entgültig in den"exklusiven Kreis der Weltraumforschungsnationen ein. Grund genug, auf unsere Wissenschaft stolz zu sein.



Der kleine österreichische Forschungssatellit "Brite Austria" wird nur 5 Kilo wiegen und 20 Zentimeter groß sein
Picture by Technische Universität Graz

Österreichs "Weltraum-David" – ein schuhschachtelgroßer sogenannter Nano-Satellit, der vergangene Woche in Wien der Öffentlichkeit vorgestellt wurde wird nur fünf Kilo wiegen, aber so schlau sein, es mit ganzen "Sternen-Goliaths" aufzunehmen und ist obendrein – bis auf die in Kanada produzierte Bordkamera und Steuerelemente – ein rot-weiß-rotes Produkt. An Bord einer Trägerrakete wird "Brite Austria" – der Name kommt vom englischen "Bright Target Explorer" und bedeutet so viel wie "Erforscher von hellen Sternen" – voraussichtlich 2008 in den Weltraum in eine Umlaufbahn um die Erde geschossen. Von dort aus wird er große, helle Sterne im All beobachten und mit seiner Bordkamera und einem kleinen Teleskop spezielle Bilder erzeugen, die von der Erde aus wegen der störenden Atmosphäre nicht möglich sind. Ein kleines Hubble-Teleskop im Handtaschen-Format sozusagen.

Prof. Werner Weiss vom Astronomie-Institut der Uni Wien: "Wir wissen heute, dass alle schweren Elemente wie auch Gold, Silber und Eisen und fast alles, woraus wir Menschen bestehen, einmal in hellen, massereichen Sternen entstanden ist. Aber wir wissen bis heute nicht wirklich, wie diese Sterne aufgebaut sind und wie der Prozess genau funktioniert. Diese großen astronomischen Fragen wird Österreichs kleiner Satellit helfen, zu beantworten."

Staatssekretär Eduard Mainoni vom Innovationsministerium: "Rund eine halbe Million Euro hat Österreich in dieses Projekt unter der Leitung von Prof. Otto Koudelka von der Technischen Uni Graz investiert. Mehrere heimische Firmen sowie zwei Institute der Uni Wien sind daran beteiligt. Und Österreich wird damit in den exklusiven, kleinen Kreis jener Länder eingehen, die eigenständig Forschungsprojekte im Weltraum betreiben."

Forschungssatellit 6quot;Brite Austria" wird 800 Kilometer über der Erde mit 30.000 km/h alle 100 Minuten Österreich passieren
Picture by NASA

Die Funktionen von Klein-Hubble werden sowohl von Graz, als auch von Wien aus mit Spezialantennen angesteuert, wobei die eigentliche Mission Control – quasi Österreichs Houston – im Studienzentrum der Grazer Inffeldgasse liegen wird.

Projektleiter Prof. Koudelka von der TU-Graz: "Eine der Spezialitäten von ,Brite Austria und eine Premiere im Weltraum ist sein wegweisendes Steuersystem, das die Universität Toronto für uns entwickelt hat. Unser Satellit soll ja immer neue Sterne beobachten, hat aber keinen eigenen Düsenantrieb um sich neu auszurichten, wie viele der großen Satelliten, die um die Erde kreisen. ,Brite' hat hierfür mehrere kleine Kreisel an Bord, deren Geschwindigkeit wir von Graz aus verändern und dadurch sehr genau eine Drehung des Satelliten auslösen oder bremsen können."

Dr. Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft: "Vor 20 Jahren war erstmals die Rede davon, dass Österreich einen eigenen Forschungssatelliten bauen, starten und betreiben könnte. Jetzt ist es endlich so weit, dass diese Idee in die Praxis geht, und wir können wirklich stolz darauf sein."

"Brite Austria" wird in einer Höhe von 800 Kilometer mit circa 30.000 km/h um die Erde rasen und dabei alle 100 Minuten Österreich passieren und Daten nach Graz und Wien senden. Die Forscher hoffen, dass der nur 20 Zentimeter große Würfel, der immerhin auch Temperaturen von minus 270 Grad und starke Hitze aushalten muss, zumindest 5 Jahre in Betrieb sein wird und in dieser Zeit wertvolle Informationen liefert, die nichts weniger als das Geheimnis der Entstehung des Universums lüften helfen sollen.

Österreichs Satellit wird in seiner Umlaufbahn übrigens nicht so exklusiv unterwegs sein, wie man meinen könnte. Neben dem berühmten Hubble-Teleskop, Raumstation ISS und einem Haufen Fernseh-, Forschungs- und Spionagesatelliten schwirren um die Erde noch zehntausende weitere Objekte und Trümmer früherer All-Missionen. Wenn die Menschheit eines schönen Tages beginnt, den nicht ganz ungefährlichen, slebstgemachten Weltraummüll zu beseitigen, kann man nur hoffen, dass Österreichs stolzer Satelliten-Zwerg nicht von der Putzbrigade aus Versehen eingesammelt wird...


< Zurück zu Astronomie/Weltall

© Eine Reportage von T. Micke (19-02-06) – Kontakt