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Trinkwasser-Herstellung: Zu viel Salz in der Suppe

Schon heute haben eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Trockene Meeresregionen behelfen sich, in dem sie in riesigen Anlagen Meerwasser entsalzen. Dennoch ist klar: Die Kriege der Zukunft werden um sauberes Wasser geführt werden.



In vielen wasserarmen Regionen muss Trinkwasser aus dem Meer gewonnen werden. Auch das Salz kann verwertet werden.
Picture by T. Micke

Schon heute haben eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Trockene Meeresregionen behelfen sich, in dem sie in riesigen Anlagen Meerwasser entsalzen. Dennoch ist klar: Die Kriege der Zukunft werden um sauberes Wasser geführt werden.

Die Zahlen sind beeindruckend: In 13.000 Entsalzungsanlagen werden heute schon täglich 50 Milliarden Liter Trinkwasser hergestellt. Die ständig wachsende Weltbevölkerung erfordert dies. Und so haben viele Großstädte einfach keine andere Wahl. In manchen Regionen im Nahen Osten reiht sich entlang der Küste inzwischen sogar eine Entsalzungsanlage an die andere.

Wenn dieses Problem bisher Mega-Metropolen in Fernost, Afrika und an der arabischen Küste betraf, so war heuer im Frühjahr mit Barcelona auch Europa ernsthaft betroffen: Es fiel - wohl als Folge der neuerdings heftigen Klimaschwankungen - einfach kein Regen in der Region. Die Verwaltung der spanischen Großstadt reagierte auf die Dürre als ersten Schritt damit, dass sie sämtliche Brunnen im Großraum sperren ließ. Als auch das nicht reichte, bat man nach heftigen Diskussionen mit den angrenzenden Provinzen den Nachbarn Frankreich um Hilfe. Marseille schickt mehrere Tankerladungen mit Trinkwasser, um die Bevölkerung zu versorgen und ließ sich das selbstverständlich auch gut bezahlen. Das löste fürs Erste die Krise. Barcelona hat aber inzwischen mit dem Bau einer eigenen Entsalzungsanlage begonnen. Ein Blick in die Zukunft genügte schon für diese Millionen schwere Investition.

Ursprünglich waren es U-Boote der Marine, die sich mit kostspieligem Aufwand für den Kriegsfall vom Festland unabhängig machten, um trotz wochenlanger Tauchphase die Besatzung mit sauberem Wasser versorgen zu können: Salzwasser wird zum Kochen gebracht, der aufsteigende reine Wasserdampf eingefangen und abgekühlt. Fertig ist das destillierte Wasser - dem freilich aus gesundheitlichen Gründen nachher wieder einige Salze zugefügt werden sollten, um es genießbar zu machen. Auf der Ferieninsel Aruba wird sogar mit solcherart hergestelltem Wasser Bier gebraut, was sich allerdings auch im Geschmack niederschlägt.

Weil dieses Destillationsverfahren in Massenanwendung viel zu viel Energie verschlingt, haben Forscher eine deutlich bessere und billigere Methode entwickelt: Ähnlich wie man einen Topf mit Nudeln und Wasser durch ein Sieb schüttet, um die beiden Substanzen zu trennen, lässt sich das in sehr kleinem Maßstab auch mit Salzwasser machen. Meerwasser wird durch einen ganz feinen Filter gepresst, eine Membran deren Poren 500.000 Mal so fein sind wie ein menschliches Haar. Die kleinen Wassermoleküle rutschen hindurch, die größeren Salzionen bleiben hängen. Eine Technologie, bei der übrigens auch der österreichische Wasseraufbereiter BWT in Mondsee weltweit im Spitzenfeld liegt. Eine noch neuere, energiesparende Methode, bei der die Salzionen mit Strom aus dem Wasser gefischt werden, wird gerade entwickelt.

Salzgewinnung in einer nordargentinischen Salzwüste
Picture by T. Micke

Nach dem bewährten "Nudel-Prinzip" wird auch die neueste Entsalzungsanlage funktionieren, die der Wüstenstadt Abu Dhabi am Persischen Golf ab 2010 täglich 600 Millionen Liter trinkbares Wasser zuführen soll. Im besten Fall - wie auf vielen kleineren Inseln im Mittelmeer - kann die Energie für solche Anlagen mittels Solarzellen direkt von der Sonne oder mithilfe von Windrädern auf dem Meer gewonnen werden. In vielen Fällen werden aber auch neue Atomkraftwerke für diesen Zweck errichtet.

Auch aus anderen Gründen halten Umweltschützer den weltweiten Trend zu Entsalzungsanlagen für bedenklich: Wurden nämlich Salz und Wasser erfolgreich getrennt, wird die konzentrierte Salzlösung als Abfallprodukt in der Regel wieder zurück ins Meer geleitet. Nur wenn dieses Einleiten ins Meer weit genug draußen geschieht gibt es dazu keine Bedenken, weil sich das unterschiedlich konzentrierte Salzwasser sehr schnell vermischt. Wird das Salz aber in Küstennähe wieder ins Meer stellt es eine Gefahr für Pflanzen und Tiere dar. Denn dann ist im wahrsten Sinn des Wortes "zu viel Salz in der Suppe". Bildtext: Eine Milliarde Menschen haben keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser (o.) .Bei diesem Abfluss-System einer arabischen Entsalzungsanlage (ganz links) läuft konzentrierte Salzlösung zurück ins Meer. Die Länder am Persischen Golf sind abhängig von dieser Methode (li.).


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© Eine Reportage von T. Micke (21-09-08) – Kontakt