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DARPA: Roboter-Rallye mit High-Tech aus Österreich

Autos, die den Weg ganz ohne Fahrer oder Fernsteuerung finden: Bei einem verrückten Wüstenrennen zeigten auch Österreicher, was die Zukunft bringt.



Start des Red-Teams bei der DARPA-Roboter-Rallye 2005 in der Mojave-Wüste
Picture by Austrian Research Centers

"Und das hier, das ist die Straße!", erklärt der Fahrlehrer: Wenn du immer auf der Straße fährst, dann ist das gut. Nicht so gut ist es, wenn du über eine Wiese fährst oder durch ein Maisfeld. Und ganz ganz schlecht ist es, wenn du gegen einen Baum fährst oder gegen einen Felsen. Bevor das passiert, bleib lieber stehen..."

Jeder Mensch greift sich bei solchen Anweisungen an den Kopf. Wer kann so blöd sein, solche Instruktionen zu benötigen? Aber dies ist keine Fahranweisung für Menschen, sondern für Roboter, für selbständig, ohne Fernsteuerung lenkende Autos.

Als die Forschungsagentur des US-Verteidigungsministeriums (DARPA) letztes Jahr ein Rennen solcher Fahrzeuge veranstaltete, waren selbst die besten Auto-Roboter für diese Aufgabe noch "zu blöd", besser gesagt, nicht mit ausreichenden Fahranweisungen programmiert: Nach ein paar Kilometern stürzten sie ab, fielen um oder waren einfach überfordert. Heuer gingen wieder mehr als 190 Teams an den Start, um die Geländeprüfung über 250 Kilometer in der Mojave-Wüste zwischen Las Vegas und Los Angeles zu bewältigen. Neun davon hatten Orientierungstechnik "made in Austria" an Bord. Drei dieser Teams landeten auf Platz 2 bis 4. Und der Geländebuggy "Rascal" mit der Diplomarbeit zweier 24-jähriger oberösterreichischer Fachhochschüler an Bord schaffte es trotz winzigem Budget auf Platz 16.

Hannes Hemetsberger und Jürgen Kogler mit ihrem Robo-Schützling "Rascal" bei der DARPA-Challange
Picture by Austrian Research Centers

Jürgen Kogler und Hannes Hemetsberger verpassten "Rascal" im Rahmen ihrer Arbeit für die "Austrian Research Centers" (ARCS) in Seibersdorf die Augen, um mithilfe zweier Stereovisionskameras die Umgebung vor dem Auto nach Hindernisssen abzusuchen. Hannes Hemetsberger war dafür verantwortlich, dass der Roboter die Informationen richtig interpretiert und in Ausweichmanöver umsetzt: "Rascal kann zwischen einem eher ungefährlichen Busch und einem Felsbrocken unterscheiden, was gar nicht leicht ist." Leider ging schon nach 25 Kilometern in der staubigen Hitze ein Computer im offenen Fahrzeug ein. Peter Hössl, der bei ARCS für das Umsetzen von Forschungserfolgen in die Praxis verantwortlich ist: "Ein toller Erfolg bei einem Budget von nur 120.000 US-Dollar!"

Ein Laserscanner der Firma Riegl in Horn (NÖ) bei der Darpa-Challenge
Picture by Austrian Research Centers

Ungefähr so viel kosten allein schon zwei der Laserscanner der Firma Riegl in Horn (NÖ), mit denen drei der vier Topteams (Budget bis zu 15 Mio. Dollar) in rund 7 Stunden das Ziel erreichten. 10.000 Distanzmessungen pro Sekunde schaffen diese Geräte von der Größe einer Wasserflasche laut Prof. Johannes Riegl, der vor 25 Jahren mit Forschung auf diesem Gebiet an der Wiener TU begann. Was dabei herauskommt, ist auf einem sehr speziellen Gebiet mehr als jedes Auge kann: Der Scanner schätzt die Distanz zum nächsten Hindernis nicht nur, er weiß die Entfernung zu jedem Punkt des Objekts auf Zentimeter genau.

Das Red-Team mit einem seiner beiden selbstfahrenden Hummer auf der Darpa-Rennstrecke
Picture by Austrian Research Centers

Während die Orientierungstechnik der Roboter-Rallye bald zur Unfallvermeidung in Zügen und als intelligenter Autopilot für Pkws dienen wird, werden die Riegl-Scanner schon jetzt weltweit in Flugzeugen eingesetzt, um Pipelines und Hochspannungsleitungen auf Defekte zu überprüfen und sogar, um Forstarbeitern ihren Job zu erleichtern: Mit einem solchen Scanner kann man bequem und schnell aus der Luft messen, wie hoch die Bäume im Wald stehen und ob sie geschnitten werden können. – Österreichisches Hightech, das ein bisschen stolz macht. Übrigens werden auch hochpräzise Laserpistolen "made in Horn" von Polizei im In- und Ausland sehr geschätzt. Das begeistert vielleicht ein bisschen weniger...


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© Eine Reportage von T. Micke (23-11-05) – Kontakt