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Roboter-Fussball: Blechsalat an der Strafraumgrenze

Dieses Wochenende steigt in Italien die Fußball-WM der Roboter. Erstmals sind Österreicher am Start bei diesem für die Forschung so wichtigen Beweis.



Steirische Roboter-Fußballstars der Technischen Uni Graz in der heißumkämpften Midsize-Liga
Picture by RoboCup Federation

"Die Japaner sind flink und wendig und die Holländer ziemlich massiv. Mit denen willst du nicht zusammenkrachen. Dafür haben sie einen knallharten Schuss..." Fast wie im echten Fußballleben hört sich das an, wenn Ing. Gerald Steinbauer von der technischen Uni Graz die Gegner der österreichischen Robo-Mannschaften (aus der Steiermark und aus Wien) bei der dieswöchigen WM in Padua analysiert.

Da surrt und dröhnt es, da wird geflankt, gefoult und gejubelt, da krachen Verteidiger gegen Stürmer, dass die Trainer vor Schreck die Hände überm Kopf zusammenschlagen und hektisch Befehle in die Computertasten hämmern. Und wenn es zu Härteeinlagen kommt, passiert es schon mal, dass der (menschliche) Schiedsrichter einen ausgerasteten Blech-Kicker mit roter Karte ausschließt.

Immer beliebter werden Wettkampf-Veranstaltungen, bei denen statt Menschen oder womöglich Tieren Maschinen aufeinander losgelassen werden, aber im Gegensatz zu den "Robotwars" im Fernsehen, bei denen technisch eher einfache hammerschwingende, feuerspuckende, kreissägenbestückte Kampfroboter in die Arena rumpeln, stellt die Idee des Roboter-Fußballs hohe Ansprüche an Forscher und Techniker aus den verschiedensten Bereichen.

Wenn in diesen Tagen an die 200 Teams aus mehr als 30 Nationen (darunter Exoten wie Iran oder Singapur) in vier verschiedenen Kampfklassen ihre Sprösslinge gegeneinander antreten lassen, dann geht es in erster Linie darum, zu zeigen, wie weit man auf dem Gebiet der Entwicklung von künstlicher Intelligenz vorangekommen ist. Denn die kleinen, teilweise wie Staubsauger aussehenden Torjäger hängen nicht etwa an einer Fernsteuerung wie bei Gameboy und PlayStation, sondern müssen (bis auf das Startsignal) absolut selbständig 2 x 10 Minuten Spielzeit bewältigen. Dabei sollte der Roboter etwa in der "Midsize-Liga", in der das Team der TU Graz antritt den Ball als Objekt der Begierde erkennen, das Tor als Ziel, den Gegner als bewegliches Hindernis und die Out-Linien als Begrenzung. Alles, was sich außerhalb dieses Bereichs abspielt, muss per Programmierung ausgeblendet werden, die drei Feldspieler sollten selbständig aus der Spielsituation heraus ihre Rolle als Stürmer oder Verteidiger erkennen und sich im Idealfall auf die jeweiligen Fähigkeiten des Gegners einstellen. Für die Erfüllung dieser Vorgaben gibt es "Sinnesorgane" wie 360-Grad-Kameras, Laser-Scanner und Ultraschall-Sensoren. Und natürlich eine Schussvorrichtung, die den Ball per Fußtritt mit Hilfe von Druckluft oder Magnet oder mittels einer sich schnell drehenden Spin-Kugel ins Tor befördert.

Hondas Roboter-Prototypen Asimo beim Fußball-Kickerl
Picture by RoboCup Federation

"Dass sich die Roboter so richtig auf Stärken und Schwächen der gegnerischen Mannschaft einstellen, ist leider noch ein Wunschtraum", erklärt Ing. Steinbauer. "Die spektakulären Vorführungen von Roboter-Prototypen wie Hondas menschähnlichem, hauptsächlich äußerlich beeindruckendem ,Asimo' täuschen." Die Forscher sind leider noch weit von der Lösung des Grundproblems, eines "überlebensfähigen" Roboters, entfernt, den man in fremder Umgebung einfach nur einschaltet und der sich dann von allein zurechtfindet, um etwa Aufgaben wie Kaffee holen aus der Küche oder Autoteile schleppen im Lager auf Befehl erledigt.

Wenn die Teams der TU Graz (15 beteiligte Institute!) und des Wiener Technikums (der Studiengänge Robotik und Mechatronik) heute in Padua bei ihrer WM-Premiere antreten, geht es wie bei Krankls National-Elf im echten Fußball hauptsächlich um zwei Dinge: 1. Eine halbwegs gute Figur machen. 2. Das eine oder andere deutsche Team schlagen...


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© Eine Reportage von T. Micke (06-07-03) – Kontakt