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Wachau Ring: Erste Schritte in Richtung Formel-1

Langeweile beim TV-Grand-Prix? Da hilft nur selbst ins Cockpit zu steigen...



Walter Lechners Renn-Boliden in der Racing School am Wachauring
Picture by Lechner Racingschool

Formel-1 in Zeltweg ohne einen einheimischen Hoffnungsträger? Langweilig! Und der Schmäh mit Schumi II, dem Wahl-Österreicher, zieht ja (zum Glück) auch nicht wirklich. Bleibt nur eins: Zur Selbsthilfe greifen, selber ins Rennauto steigen und eigenhändig der Konkurrenz den Auspuff zeigen.

Wie geht man die Sache am besten an? Der Ferrari-Händler an der Wiener Ringstraße hat leider gerade keinen Formel-1-Boliden lagernd, und außerdem weiß man spätestens seit Verona Feldbusch, dass sich so ein Renngerät ohne Training und Einschulung keinen Meter vom Fleck bewegen lässt. Nichts wird's also mit der Poleposition in Monte Carlo.

Trotzdem, kein Rennen wird in der Box gewonnen. Drum nichts wie raus nach Melk an den Wachau-Ring zu Ex-Rennfahrer Walter Lechner, der dort seit mehr als 25 Jahren die "Racing School" leitet. Auch Walter hat leider gerade kein Formel-1-Gerät herumstehen, außerdem tippt er sich ganz ungeniert an die Stirn, als ich ihm mein Ansinnen vortrage. Nach einem mitleidigen Blick auf meinen alten Golf Diesel meint er aber: "Ich hab schon das richtige für dich: Einen Formel Ford in Renn-Abstimmung. Da werden dir auch früh genug die Ohren schlackern – vorausgesetzt du kommst vom Start besser weg als der Ford-Pressechef, den's gestern auf der ersten Gerade gedreht hat..."

Formel Ford, klärt Walter Lechner auf, während ich mich in einen feschen Renn-Overall und Gas-Patscherln hineinzwänge, das heißt offenes Cockpit, freiliegende Räder, 140 PS auf 430 Kilo Leergewicht, 0 auf 100 in 4,3 Sekunden und 230 km/h Spitze. Außerdem ist die Strecke heute feucht vom Regen, also viel Spaß beim Abheben!

Einschulung des Nachlese-Redakteurs auf einen Formel Ford Rennwagen auf dem Wachau Ring
Picture by T. Micke

Robert, einer der beiden rennaktiven Söhne Walter Lechners, macht die Einschulung. Sitzprobe: Im Sarg hat man wahrscheinlich mehr Beinfreiheit, die Pedale sind eher auf die Schuhgröße von Säuglingen abgestimmt, der Vierpunkt-Sicherheitsgurt, ordentlich festgezurrt, macht das Atmen zum Kraftakt und das Mini-Lenkrad vor der digitalen Drehzahlanzeige lässt sich beinahe mit einer Hand umfassen. "Und das hier", sagt Robert, und deutet auf ein Hebelchen rechts neben der Lenkrad-Miniatur, "das ist die Schaltung. Vier Gänge plus ein Rückwärtsgang, unsynchronisiert, also brav Zwischengas geben, und alles sehr knapp nebeneinander. Pass also auf, wenn du von der Zweiten in die Dritte willst, dass du nicht die Erste erwischst. Sonst zerreißt's den Motor..."

Ruhe vor dem Sturm in Walter Lechners Rennschule für Hobby-Schumis
Picture by Lechner Racingschool

Ein Knopfdruck, dann röcheln hinter meiner kleinen Plastiksitzschale 140 PS wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe. "Dreh ihn hinauf auf 5000", schreit Robert gegen das Motorgebrüll an und tippt dabei auf die Drehzahl-Anzeige, "und dann lass langsam die Kupplung aus!" – 5000 Umdrehungen, und dann die Kupplung? Wenn ich das bei meinem Diesel mache, fliegt er mir wahrscheinlich um die Ohren. – Aber der Formel Ford zieht wie eine Rakete mit mir hinaus auf die erste Gerade. Kuppeln, schalten, in die Zweite. Zwischengas, runter in die Erste für die Schikane. Die Erste will nicht, zu schlampig geschaltet. Noch einmal etwas Zwischengas. – Jetzt klappt's

Inzwischen ist die Schikane längst vorbei und ich rolle in eine lange Rechtskurve hinein. Mein sowieso schon sanfter Tritt aufs Gas fällt trotzdem zu heftig aus. Die Hinterräder drehen auf der nassen Fahrbahn durch, und schlagartig dreht sich der Rennwagen hinaus in die Wiese. Schrecksekunde!

Aber die Faszination ist stärker: Wenigstens habe ich ihn nicht abgewürgt. Zweiter Versuch...

Dutzende Runden auf dem Wachauring machen zwar noch keinen Rennfahrer, aber riesigen Spaß
Picture by T. Micke

Dutzende Runden auf dem Wachau-Ring und ein paar Dreher später bin ich Schumis Bestzeit schon bedeutend näher: Er würde mich nur noch dreißigmal überrunden und nicht mehr fünfzigmal.

Am liebsten würde ich den ganzen Tag weiterfahren, aber die Unterarme machen nicht mehr mitt. Rennfahren ist wirklich furchtbar anstrengend, auch wenn man die ganze Zeit "nur" sitzt. Monte Carlo, denke ich, als ich wieder in meinem eigenen Auto sitze, werde ich wohl heuer wirklich noch auslassen. Aber vielleicht bekommt die Formel-1 ja bald sowieso einen würdigeren Österreich-Vertreter. Robert Lechner jedenfalls scheint auf dem beten Weg dorthin zu sein.


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© Eine Reportage von T. Micke (21-05-02) – Kontakt