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Regolith: Atemluft aus Mondstaub zaubern

Bald ist es aus mit der romantischen Stille auf Luna: Nach Weltraum-Exot China schmiedet jetzt auch Japan Mondpläne, US-Forscher haben das Villenviertel auf dem Erdtrabanten entdeckt, und die NASA stellt schon aus Mondstaub Luft und Wasser her.



Entwurf einer bemannten NASA-Mondbasis im 21. Jahrhundert
Picture by NASA

Spätestens 2020 soll wieder eine bemannte Weltraummission der Amerikaner den Mond erforschen. Das verkündete US-Präsident Bush zu aller Überraschung vor eineinhalb Jahren. Ein kühner Plan, meinten viele Experten, könnte es doch Jahrzehnte dauern, die aktuelle Weltraumtechnik mit ihren Routine-"Hüpfern" zur Raumstation ISS in 400 Kilometer Höhe wieder auf jenes Niveau zu bringen, das bei den aufwändigen Apollo-Missionen der 70er-Jahre zum knapp 400.000 Kilometer entfernten Mond zur Verfügung stand.

Andere nahmen Bushs Rede gar nicht erst Ernst und taten sie als Versuch ab, vom Irak-Desaster abzulenken. Tatsächlich schmiedet die NASA aber bereits sehr konkrete Pläne, um möglichst vor allen anderen Nationen nach mehr als 32 Jahren wieder das Sternenbanner in den Mondstaub rammen zu können. Denn, dass die USA und Russland längst nicht mehr allein in Sachen Weltraumeroberung sind, haben neben den Europäern ja kürzlich auch die Chinesen mit ihrem ersten bemannten Raumflug gezeigt. Und vor einigen Tagen verkündete auch noch die japanische Weltraumbehörde JAXA, man wolle in den nächsten zwei Jahrzehnten einen Raumgleiter bauen, der Menschen zum Mond befördert und in der Folge dort eine Forschungsstation einrichten.

Regolith-Verarbeitungsfabrik auf dem Mond aus der Sicht eines NASA-Zeichners
Picture by NASA

Da heißt es sich anstrengen für die Weltmacht USA, will man den heute auf einmal wieder so prestigeträchtigen Wettlauf zum Mond gewinnen. Wie konkret Amerika an Ideen zur Besiedelung von Luna arbeitet, zeigt ein moderner Alchemisten-Wettbewerb, den das Weltraumforschungsinstitut von Florida jetzt unter dem Titel "MoonROx" ins Leben gerufen hat: 250.000 Dollar für denjenigen, dem es bis 1. Juni 2008 gelingt, aus Mondstaub - in Fachkreisen "Regolith" genannt - mit einem maximal 25 Kilo schweren Gerät in acht Stunden fünf Kilo Sauerstoff herzustellen.

Sauerstoff aus feinem, grauem Sand? Was so unmöglich klingt wie manche "Goldrezepte" im Mittelalter, ist bei näherem Hinsehen durchaus machbar. Denn aus dem unscheinbaren Staub, in dem Neil Armstrong 1969 mit seinen Moonboots als erster Mensch Fußabdrücke hinterließ, kann man theoretisch sogar Wasser und Treibstoff gewinnen:

Seit Milliarden Jahren trommeln Sonnenwind, kosmische Strahlung und unzählige winzige Meteoriten von keiner schützenden Atmosphäre (wie auf der Erde) gebremst auf die Mondoberfläche ein. Steinbrocken werden so mit der Zeit zu Staub zerschossen, und der Sonnenwind hinterlässt Elemente wie Wasserstoff, Helium, Kohlenstoff und Stickstoff, die sich in der mehrere Meter dicken Regolith-Schicht binden und mithilfe der kosmischen Strahlung auch andere Elemente entstehen lassen. Das dort in großen Mengen vorhandene und bei uns in der Natur nicht vorkommende Helium-3 (zwei Protonen, ein Neutron) wäre außerdem idealer Treibstoff für einen fortgeschrittenen Kernfusionsreaktor, der nicht ausschließlich mit Wasserstoff funktioniert, wie jener, der jetzt erstmals in Frankreich gebaut werden soll.

Entwurf einer Sauerstoff-Fabrik auf der Basis von Regolith
Picture by NASA

Eine unscheinbare, aber sehr reichhaltige Rohstoffquelle ist dieses Regolith also. Und es ist nur eine Frage der richtigen, effizienten Technologie, dass man Überlebenswichtiges wie Atemluft, Wasser und Treibstoff nicht sündteuer von der Erde mitbringen muss, sondern einfach vor Ort aus dem, was man vorfindet, herstellen kann.

Während die NASA sich also mit dem ersten Mondbergwerk befasst, ist nun auch klar, wo die erste Mondbasis errichtet werden dürfte: US-Astronom Ben Bussey hat am Mond-Nordpol am Rande eines Kraters Bergkuppen entdeckt, die rund um die Uhr, ob Mond-Sommer oder Mond-Winter aufgrund der speziellen Achs-Lage des Mondes, in der Sonne liegen.

Doch obwohl dies vermutlich für Grundstücksspekulanten der mit Abstand teuerste Fleck auf dem Mond wäre, sollte man sich das Errichten einer luxuriösen Mondvilla mit Panoramablick auf die Erde doch genau überlegen: Minus 50 Grad beträgt die Durchschnittstemperatur auf diesen exklusiven Aussichtshügeln. Was immer noch vergleichsweise lauschig ist gegenüber den -180 bis +100 Grad, die eine Klimaanlage am Mondäquator ausgleichen müsste. Die Wissenschafter jedenfalls freuen sich über die Entdeckung dieses Beverly Hills am Rande des Peary Kraters. Denn nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Forschungsgeräte hätten dort eine deutlich höhere Lebenserwartung.

Mond-Gewächshaus von der Größe eines Kraters am Nordpol des Erd-Trabanten
Picture by NASA

Spätestens wenn wirklich die ersten bemannten Mondbasen in Villenlage entstehen, wird man wohl auch eine Lösung für die dubiosen Geschäfte des Amerikaners Dennis Hope finden müssen. Dieser ließ sich 1980 im Grundbuchamt von San Francisco dank einer Gesetzeslücke als Besitzer des Mondes eintragen und ist mittlerweile Millionär durch den Verkauf von Mondgrundstücken im Internet. Ob die Käufer wirklich jemals ihre Ansprüche geltend machen können, ist fraglich.


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© Eine Reportage von T. Micke (05-06-05) – Kontakt