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Minus 50 Grad: Da gefriert der Wasserdampf beim Ausatmen, die Lunge sticht, und man muss besonders bei Wind höllisch aufpassen, dass nicht Nasenspitzen oder Finger trotz Schutzmaske und Spezial-Fäustlingen in kürzester Zeit in der Kälte Schaden nehmen. Menschen sind nicht für solche arktischen Temperaturen geschaffen, wie sie in Teilen Sibiriens und um den Nordpol jedes Jahr herrschen. Sie müssen sich mit Tricks helfen, um in solchen Regionen überleben zu können. Tricks, die von der Natur abgeschaut sind und die heute dank modernster Kunstfaser-Technik sogar noch verbessert werden können.
Nichts wärmt besser als ein Pelz! Diese vorgestrige Binsenweisheit gilt heutzutage mit Sicherheit nur noch für die Tiere selbst. Denn der moderne Mensch hat es nicht mehr nötig, seine besser ausgestatteten Erdenmitbewohner zu töten und ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen, nur um nicht zu frieren. Wir verstehen inzwischen, wie zum Beispiel Angora-Kaninchen die Kälte austricksen. Und auch dem Eisbären, dem Weltmeister der biologischen Thermoisolierung, sind die Forscher auf die Schliche gekommen.
Der genialste Wärme-Trick des weißen Meister Petz: Die Härchen seines Fells sind mit einem nur Tausendstelmillimeter dünnen Luftkanal ausgestattet, sind also innen hohl. Da Luft ein sehr schlechter Temperaturleiter ist, bleibt die Eiseskälte weitgehend draußen, während die sich aufstauende Körperwärme unter dem Pelz nur schwer entweichen kann. Nach demselben Prinzip mit einer isolierenden Schicht aus Luft funktioniert zum Beispiel auch die Thermoskanne oder das Isolierfenster. Zusätzlich zu diesen Dämmkanälen, die nur unter einem präzisen Mikroskop sichtbar werden, sind Eisbären-Haare leicht gekräuselt, um noch mehr Luft einschließen zu können, und außerdem gut geölt, damit das eisige Wasser nach einem Tauchgang nicht an ihnen haften bleibt.
Moderne Kunstfasern aus Polyester oder Polyamid sind inzwischen besser als Eisbären- und Angora-Fell. Ing. Peter Trappl vom österreichischen Textilforschungsinstitut: Künstliche Hohlfasern wie ,Holofil' von der Firma Dupont sind heute bis zu fünf Tausendstel Millimeter dünn. Dabei können in einer einzigen Faser schon beim Spinnen sieben Luftkanäle erzeugt werden (siehe Foto), wodurch sie weniger leicht abknickt. Der noch flüssige Kunststoff wird dabei durch ein mikroskopisches Sieb gepresst, das ihm diese spezielle Form vorgibt.
Ing. Trappl: Jede Firma, die solche Fasern herstellt, hat da allerdings ihr eigenes patentiertes Geheimrezept. So entstehen Vliese, die in Winterjacken, Handschuhen und auch in Hochleistungsschlafsäcken verarbeitet werden, die etwa beim Übernachten im Gebirge extremer Kälte trotzen müssen.
Die eigentliche Herausforderung an die Forscher besteht aber heute darin, Stoffe herzustellen, die möglichst viele Eigenschaften gleichzeitig vereinen. Am besten sollten sie wind- und wasserabweisend sein, in der Kälte wärmen und bei Hitze kühlend wirken und nebenbei möglichst leicht und strapazierfähig sein. Ing. Trappl: Es gibt noch keine Universalkleidung, die man einfach bei jeder Temperatur anziehen kann. Selbst die Tiere entledigen sich nach der kalten Jahreszeit eines Teils ihres ,Kleides', weil ihnen sonst zu heiß wird.
Wenn also ihr Hund im kommenden Frühjahr wieder für haarige Teppiche sorgt, freuen sie sich lieber darüber. Wenigstens braucht er keinen eigenen Kleiderschrank für seine Wintergarderobe...
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