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Zukunftsszenario: Eine Erde ohne Menschen

Die Natur erholt sich in Rekordzeit. Überall sprießt neues Grün, der Treibhauseffekt verschwindet. Alles wird wieder gut. – Ein US-Wissenschaftsautor hat ein interessantes Klima-Szenario durchgerechnet: Was passiert mit der Welt, wenn der Mensch von heut auf morgen nicht mehr da wäre?



Will Smith erlebt im Film I am Legend ein menschenleeres New York
Picture by Warner Bros.

Die Szenen im Science-Fiction-Streifen "I Am Legend" (Warner Bros.) sind faszinierend und beunruhigend zugleich: Will Smith spaziert dort mit seinem Hund durch die ewig pulsierende Mega-Metropole New York. Nur, dass außer ihm niemand dort ist. New York ist ausgestorben, still, menschenleer. Kolonnen von Autos rosten vor sich hin, Gras wächst aus den Straßenfugen auf dem Times Square, und das Wasser, das einst die feuchte Halbinsel Manhattan vor ihrer Besiedlung beherrschte, kehrt in die U-Bahn-Schächte zurück und macht sie zu einem Netz unterirdischer Flussläufe, die die Stadt in kürzester Zeit von unten aushöhlen und zerstören. Der – zugegeben – ebenfalls etwas Science-Fiction-hafte Hintergrund: Ein außer Kontrolle geratenes Virus hat die Menschheit dahingerafft...

Anleihe genommen hat das Drehbuch hierfür offenbar an einem aktuellen Bestseller des Wissenschaftsautors Alan Weisman. In "Die Welt ohne uns" (Piper Verlag), das bisher in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurde, spielt er mit genauen Recherchen, Fakten und Zahlen ein Szenario durch, das in dieser Form wohl nie Wirklichkeit werden dürfte, aber gerade deshalb hochinteressante Bilder aufwirft und zum Nachdenken anregt: Wie würde sich die Welt weiterentwickeln, wenn wir Menschen von heute auf morgen einfach nicht mehr da wären?

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Picture by NASA

Alan Weisman im Interview: "Der Mensch ganz plötzlich nicht mehr da! Ich habe dieses Bild nicht gewählt, weil ich glaube, dass es jemals so passieren wird oder weil ich den Leuten Angst machen will. Es ging mir vielmehr darum, uns Menschen einmal auszublenden, damit wir nicht den Blick auf den Rest der Welt verstellen, wie sie derzeit nur in unserem Schatten existiert. Wir sind keine Plage, und wir verdienen es wirklich, auch weiterhin auf diesem Planeten zu leben, so wie jede andere Spezies auch. Aber unser Verhältnis zur Natur ist aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn wir weiterhin auf der Erde leben wollen, dann müssen wir wieder ein Teil von ihr werden und nicht ihre Spielregeln ignorieren. Da hilft es, einmal zu sehen, wie die Welt ganz ohne uns zurechtkäme."

Für seine Recherche begab sich Weisman nicht nur in den New Yorker Untergrund, wo täglich 40 Millionen Liter Grundwasser weggepumpt werden, um die Stadt vor einer (natürlichen) Überschwemmung zu schützen. Er sah sich auch in Regionen um, denen der Mensch aus verschiedensten Gründen den Rücken gekehrt hat: in den (mittlerweile) tierreichen Urwäldern der "Todeszone" rund um Tschernobyl, im Tabustreifen zwischen Nord- und Südkorea, auf einer unbewohnten Insel, auf der die Amerikaner im Kalten Krieg mit Nervengas experimentiert hatten. Alan Weisman: "Ich war fasziniert, wie stark die Kräfte der Natur doch sind. Egal, wie zerstört oder verseucht eine Gegend ist, das Leben findet einen Weg, sie zu besiedeln. Und wenn es tausend Jahre dauert."

Ein paar Auszüge aus Weismans Szenario: Binnen eines Jahres würden Millionen Vögel mehr leben, weil es keine Hochspannungsleitungen und keine Flughafenlichter mehr gibt. Kopfläuse, Kakerlaken und Ratten würden ohne uns schnell aussterben. Nach 20 Jahren wären die Städte überwachsen, nach 100 Jahren die meisten Gebäude zerstört. Nach 500 Jahren beherrscht Urwald die ehemaligen Städte, mit unzähligen Wildtieren. Erst nach 100.000 Jahren wäre der CO2-Gehalt der Luft wieder so wie zur Zeit der Neandertaler...

Alan Weisman: "Nicht aus Sorge um die Natur sollten wir uns also in Sachen Klimawandel anstrengen. Die Frage ist eher, ob wir Menschen auch in ferner Zukunft ein Teil von ihr sein wollen. Das Leben zeigt immer wieder: Nichts kann ewig wachsen, ohne sich auf die eine oder andere Weise zwischendurch gesundzuschrumpfen. Keine Firma schafft das, kein Ökosystem, nicht einmal ein scheinbar unaufhaltsamer Schwarm Heuschrecken. Wir Menschen haben aber zwei Trümpfe, die uns das Schicksal eines Heuschreckenschwarms ersparen können. Erstens: Wir besitzen die Intelligenz, die Konsequenzen dessen, was wir tun, einigermaßen vorauszusehen. Und zweitens: Wir besitzen die Fähigkeit, Situationen durch diszipliniertes Handeln zu verändern. Und Letzteres gilt es jetzt zu beweisen."


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© Eine Reportage von T. Micke (03-02-08) – Kontakt