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Computerchip inside: Das Geheimnis der neuen Pässe

In Österreichs neue Reisepässe werden ab 2005 Computerchips eingebaut. Ein Lokalaugenschein im Hochsicherheitstrakt der Staatsdruckerei. Und: Was Grenzbeamte in Zukunft alles über uns wissen.



Neue Sicherheitspässe mit Computerchip in Österreichs Staatsdruckerei
Picture by T. Micke

Eigens abgestellte staatliche Sicherheitsbeamte bewachen das Gelände der unscheinbaren Druckerei in Wien 23. Und für die Hochsicherheitszone des Gebäudes muss man sich mit Funkausweis und Zeigefingerscan identifizieren. Kein Wunder, schließlich werden hier nicht nur sämtliche österreichischen Briefmarken gedruckt, sondern auch Personalausweise, Führerscheine, Warengutscheine und die beliebten Brieflose, von denen das eine oder andere immerhin 100.000 Euro wert ist.

Der Chef der österreichischen Staatsdruckerei Generaldirektor Reinhart Gausterer
Picture by T. Micke

Zum 200-Jahr-Jubiläum hat man sich in der 1804 gegründeten österreichischen Staatsdruckerei selbst ein Geschenk gemacht, auf das Generaldirektor Reinhart Gausterer besonders stolz ist: "Wir sind die Ersten, die technisch in der Lage waren, die für 2005 in der EU vorgeschriebenen ,biometrischen Reisepässe herzustellen. Die Konkurrenz hat sich bei der Pariser Messe staunend um unseren Stand geschart."

Das Spezielle an den neuen Pässen, die durch die verschärften Einreisebestimmungen der USA ab Oktober 2005 bei Neuanträgen in Österreich ausgegeben werden: Sie enthalten einen winzigen Computerchip und eine Funk-Antenne, beides unsichtbar in den Deckel integriert.

Dr. Heinrich Pawlicek, Leiter des Referats für Passwesen des Innenministeriums zu den technischen Details: "Dieser Chip, der eine Speicherkapazität von 72 Kilobyte hat, wird ein knapp 20 Kilobyte großes Foto des Pass-Inhabers im klassischen ,jpeg-Format' enthalten, außerdem die Passdaten und eine Computer-Signatur. Man könnte auch noch Fingerabdrücke und anderes darauf speichern, aber das ist bei Österreichs Pässen nicht vorgesehen."

Die integrierte Antenne ermöglicht das kontaktlose Abrufen der gespeicherten Informationen, aber damit nicht irgendjemand heimlich und unbemerkt diese persönlichen Daten empfangen kann, reicht das verschlüsselte Funksignal nur zehn Zentimeter weit und kann nur aktiviert werden, wenn der Grenzbeamte den Pass händisch durch seinen Spezial-Scanner zieht.

Alte Druckerpressen in der Staatsdruckerei, die erstaunliches von der Rolle liefern
Picture by T. Micke

Während es sich bei den Zwei-"Millimeter-Winzlingen in den neuen Pässen noch um normale, mehrere Euro teure Speicherchips handelt, tüftelt das Staatsdruckerei-Team im Geheimen an einer Technik, wie man solche Chips, die nur relativ wenig Daten enthalten müssen, noch flacher und für nur 20 Cent herstellen kann. Gausterer: "Unsere Tiefdruckmaschinen sind so genau, dass Details von 0,015 Millimeter kein Problem sind." Während Chiphersteller derzeit Schaltkreise mit solchen Dimensionen mit teuren Verfahren aufdampfen oder herausätzen müssen, arbeiten die Wiener daran, sie mit einer ganz speziellen, stromleitenden Kupferfarbe einfach auf ein Blatt Papier oder eine Folie aufzudrucken.

Solche Chips wären zwar von ihrer geringen Speicherkapazität und von der Geschwindigkeit her nicht für Computer geeignet, aber man kön-nte etwa die Strich-Codes auf sämtlichen Lebensmitteln in Supermärkten durch billige Chip-Aufkleber mit Antenne ersetzen, obendrein noch das Verfallsdatum und andere Informationen darauf speichern und bequem abrufen. Auch gestohlene Autos ließen sich damit identifizieren oder die gesamte Krankengeschichte eines Patienten vom Computer auf einen simplen Aufkleber übertragen.

Funkende Speicherchips fürs Milchpackerl, für das Porsche-Cabrio, für die Krebs-Therapie: Beinahe alles ließe sich auf diese Weise vernetzen, wenn die Kosten dafür durch geniale Lösungsansätze wie jenen der österreichischen Staatsdrucker weiter sinken. Gleichzeitig steigt aber die Gefahr, dass der Bürger zum "gläsernen Menschen" wird, der per Mausklick digital durchleuchtet oder wie es jetzt schon möglich ist, via Handy-Chip ausspioniert werden kann. So sind die neuen Reisepässe nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch eine Herausforderung an die Datenschützer.

Grenzenlose Freude lösen die Möglichkeiten der Überwachungstechnik wohl nur bei jenen aus, die unbedingt erkannt und ausgeforscht werden wollen: Ängstliche superreiche Öl-Scheichs ließen sich jetzt angeblich winzige Funkchips unter"die Haut implantieren, damit sie im Falle einer Entführung auf der ganzen Welt angepeilt und gefunden werden können.


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© Eine Reportage von T. Micke (15-08-04) – Kontakt