Osama, ein unsicherer, schüchterner Teenager
Hätten Sie ihn wiedererkannt, den schlanken 14-jährigen Buben, der hier vor einem Bekleidungsgeschäft im schwedischen Städtchen Falun mit einer Gruppe ausgelassener Jugendlicher lächelnd für eine Urlaubserinnerung posiert – sich als Einziger scheu, mit unsicher verschränkten Armen seitlich stehend, ein wenig in der Reihe versteckt?
Es ist der junge Osama bin Laden, seit einem knappen Jahr Halbwaise. Sein Vater, der saudische Großunternehmer Mohammed Awad bin Laden, hat ihm gerade 80 Millionen US-Dollarvererbt. Auch die anderen Jugendlichen auf dem Bild von 1971 sind Multimillionäre. Es sind Osamas Geschwister.
52 Söhne und Töchter hat Mohammed Awad seinen vier Haupt- und sechs Nebenfrauen hinterlassen. Osama soll das einzige Kind seiner im Familienclan wenig geachteten Mutter gewesen sein. Einer Palästinenserin oder Syrerin, das weiß man nicht genau.
Osama selbst wurde von seiner Adoptiv-Mutter Al Kalifa großgezogen. Er war ein ruhiger, unauffälliger Bub mit einer, wie jetzt die Psychologen sagen, unglücklichen Kindheit.
Schockiert betrachtet man das sanfte freundliche Gesicht des 14-jährigen Kindes, versucht darin Hass, Jähzorn, Hang zu Gewalt, womöglich die Züge eines Massenmörders zu erkennen. Keine Spur davon.
Inzwischen wurde aus diesem unsicheren, noch formbaren Teenager der meistgesuchte Verbrecher der Welt, ein schreckliches Produkt aus Fanatismus und Verbitterung. Hätte man damals etwas anders gemacht, sind jetzt viele versucht zu sagen. Zu spät...
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