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Orbital Space Plane: Kleiner Viersitzer für die Stratosphäre

Nach der Columbia-Katastrophe greift die NASA nun doch bald wieder nach den Sternen. In den nächsten Jahren wird ein Shuttle-Nachfolger gebaut: kleiner, sicherer, vielseitiger und wahrscheinlich ohne eigenen Raketenantrieb.



Vier mögliche Versionen von NASAs Orbital Space Plane
Picture by NASA

Das Space Shuttle, stellt NASA-Sprecherin Kim Newton im Interview klar, war wie ein Pick-Up-Truck, wie eine Art Weltraum-Lieferwagen. Das neu geplante "Orbital Space Plane" (OSP – "Raumflugzeug für die Umlaufbahn") ist eher wie ein Pkw, also kein voller Ersatz fürs Shuttle.

Kim Newton: "Zum Beispiel werden statt der bisher möglichen sieben Astronauten an Bord der Shuttles im OSP nur noch vier Platz haben und mit den 25 Tonnen Nutzlast ists dann auch vorbei." Großes Gerät, wie seinerzeit das fast 13 Tonnen schwere Hubble-Teleskop, kann mit dem OSP nicht mehr transportiert werden. Dafür ist es leichter zu manövrieren, wenn es etwa um knifflige Satelliten-Reparaturen geht. Für große Transporte wird man mittelfristig andere Wege finden, etwa durch Kooperationen mit Europa, Russland und vielleicht bald sogar mit China.

NASA-Vize-Chef Fredrick Gregory, selbst ein ehemaliger Shuttle-Pilot
Picture by NASA

Angedacht wurde der neue, kleine "Weltraum-Pkw" schon 2001, also lange vor dem letzten Shuttle-Unglück. Ursprünglich geplant war, ihn ab 2010 als eine Art Rettungsboot einzusetzen, das an der Weltraumstation ISS geparkt wird und ein fluchtartiges Verlassen der Station, etwa bei schwerem Meteoritenschlag, ermöglichen sollte. Jetzt wird der kleine "Orbiter" ab 2012 auch als Personen- und Nachschubtransporter eingesetzt werden. Das bestätigte dieser Tage NASA-Vize Frederick Gregory, der selbst als Shuttle-Astronaut 1985 mit der später verunglückten Challenger im All war. Seit dem Columbia-Unfall überprüfen die Experten, ob sich der Zeitplan nicht noch etwas straffen lässt, um die alten Shuttles noch früher einzumotten.

Orbital Space Plan-Studie (OSP) mit Trägerrakete
Picture by NASA

Obwohl schon einiges über das Grundkonzept des neuen kleinen Viersitzers durchgesickert ist, steht das äußere Erscheinungsbild noch nicht fest. Neben drei Shuttle ähnlichen Raum-Flugzeugen ist am Rande auch noch immer eine Version als klassische Kapsel im Rennen, wie sie die Russen seit vielen Jahren für ihre Sojus-Missionen verwenden. Alle vier Konzepte haben gemein, dass sie ohne eigene Haupttriebwerke von einer vollwertigen Trägerrakete huckepack bis in die Umlaufbahn mitgenommen werden. Die Space Shuttles waren im Gegensatz dazu mit drei Triebwerken ausgestattet und wurden für den Start noch mit zwei Boostern plus Treibstofftank bestückt. In der Umlaufbahn würde das OSP dann nur noch mit eigenen kleinen Manöver-Aggregaten an die Raumstation andocken. Die Rückreise erfolgt energie- und gewichtsparend im Gleitflug.

Vorteil dieser Trennung von Hauptantrieb und Raumflugzeug ist, dass man mit der Wahl des Treibstoffs über viele Jahre flexibel bleiben kann. Konnte man die Haupttriebwerke der Space Shuttles ausschließlich mit kostspieligem Flüssigwasserstoff und Flüssigsauerstoff befeuern, so denkt man jetzt darüber nach, wieder wie bei herkömmlichen Flugzeugen auf Kerosin umzusteigen, wie ebenfalls die Russen es seit Jahren problemlos und vor allem kostengünstig in der Raumfahrt vorexerzieren. Kosten will man auch dadurch weiter senken, dass die Kerosin-Triebwerke nach getaner Arbeit selbsttätig zur Erde zurückkehren und wiederverwendet werden können. Der Shuttle-Nachfolger wird sich also eine ausbalancierte Mischung aus alter und neuer Technik zunutze machen, um vor allem sicherer als seine Vorgänger zu werden.


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© Eine Reportage von T. Micke (09-03-03) – Kontakt