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Notgasse: Zeitreise in die Eisfestung der Steiermark

Ein historischer Roman erobert die Herzen der Einheimischen und Gäste am Dachstein



Buchautor Peter Gruber bei einer Wanderung durch die Notgasse im Dachstein-Gebirge
Picture by T. Micke

"Urplötzlich richtete sich vor David, in frühmorgendliches Licht getaucht, der riesengroße, alles überstrahlende Turm der Achatiuskirche von Schladming auf. Er musste stehenbleiben, so überwältigt war er von diesem Anblick. Vor ihm lag die Bergwerksstadt, von der so viel erzählt wurde was die Märkte, das Handwerk und Bürgertum und den Silberabbau betraf ..."

Wenn Buchautor Peter Gruber (Link zur pers. Homepage des Autors) im historischen Roman "Notgasse" seine steirische Heimat am Fuße des Dachsteingebirges mit den Augen des Jungbauern David beschreibt, dann tut er dies mit so viel Kraft und Liebe zum Detail, dass der Leser unwillkürlich in die turbulente Geschichte zur Zeit der Bauernaufstände des 16. Jahrhundert mitgerissen wird.

Schladming, die schillernde Ski-WM-Gemeinde von 1982, heute das Wintersport-Mekka für unzählige Touristen aus ganz Europa, war damals, im Jahr 1525, eine Bergbaumetropole und die Ski-Arena Planai mit den angrenzenden bis ins Hochgebirge ausgebauten Skischaukeln im Winter eine totenstille, unheimliche Eisfestung, die die Macht der unzähmbaren Naturgewalt ausstrahlte statt kontrollierten Pulverschnee-Genuss und geborgene Hüttenidylle.

Als Peter Gruber mir anbot sein Schladming, seine Hausberge (und eine meiner Lieblings-Urlaubsregionen) bei einer gemütlichen Winterwanderung auf den Spuren seiner Romanfiguren kennen zu lernen, saß ich sofort im nächsten Zug. Nichts ist schöner, als wenn sich die frischen Eindrücke einer so zeitlos imposanten Landschaft mit alten Geschichten verflechten lassen, mit Menschenleben und Schicksalen, die auf den gleichen Pfaden, in den selben Tälern und Wäldern ihren Lauf nahmen.

Tief in diesen Wäldern am Fuße der Dachstein-Almen liegt eine schmale, felsenreiche Schlucht, die seit jeher die "Notgasse" genannt wird. Wo jetzt gelegentlich Skifahrer zwischen den engen Felswänden eine Abkürzung ins Tal wagen, war früher eine beschwerliche aber dennoch viel begangene Route, die auch von Salzträgern als Schmuggelpfad vom Norden ins Ennstal benützt wurde.


Noch heute kann man an einigen Stellen Jahrhunderte alte Heiligenmonogramme, Drudensterne und andere mystische Symbole auf den Felswänden erkennen, die im Laufe der Zeit von Viehhirten, Wanderern, spielenden Kindern oder auch in Bedrängnis geratenen Seelen ins Kalkgestein geritzt wurden.

Um diese sagenhafte "Notgasse" rankt sich Peter Grubers spannender Roman, der dem Leser auch ganz nebenbei die Augen für die Schätze der Natur öffnet: Vom leuchtenden "Gold der Lärchen", schreibt der Bergbauern-Sohn, der auf dem elterlichen Hof hoch über dem Ennstal aufgewachsen ist, "das im Herbst von den Bäumen rieselt" und den Waldboden zudeckt. Und an anderer Stelle vom dramatisch "glühenden Herbstlicht, das durch Risse in den rabenschwarzen, winterträchtigen Wolken das Dachsteingebirge blutrot färbt".

Vielleicht hat man auch die Gelegenheit, Peter Grubers "Notgasse" Seite für Seite beim Schein einer Öllampe auf einer winterlichen Almhütte irgendwo in der Märchen-Bergwelt unserer Alpen zu "durchwandern". Dann tut sich selbst für einen flüchtigen (aber vielleicht umso aufmerksameren) Feriengast ein Tor in die Vergangenheit auf, durch das die heutige, touristisch so erschlossene Region in kürzester Zeit wieder einen persönlichen, beinahe schon intimen Charakter bekommt.


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© Eine Reportage von T. Micke (11-12-99) – Kontakt