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Nordwest-Passage: Schleichweg durchs "Ewige" Eis

Die Klima-Erwärmung öffnet erstmals eine eisfreie Seeroute nach Norden von Europa nach Asien für die Schifffahrt. Ein historischer Schleichweg, für den viele Forscher ihr Leben ließen.



Der Weg ist frei: Satellitenaufnahme der Nordwest-Passage im Sommer 2007
Picture by ESA/Envisat

Es sind 23.300 Kilometer auf dem Seeweg von Tokio bis zum holländischen Frachtschiff-Hafen Rotterdam, wenn man zwischen Nord- und Südamerika den Panama-Kanal benützt. 21.100 Kilometer ist man unterwegs, wenn man nach der Fahrt durchs Mittelmeer in Ägypten den Suez-Kanal benützt in Richtung Asien, um die langwierige Umschiffung Afrikas zu vermeiden. Könnte man auf der Nordwest-Passage an Grönland und dem Nordpol vorbei vom Atlantik in den Pazifik, dann wäre die Strecke nur noch 15.900 Kilometer lang. Eine Abkürzung (je nach Route) von zumindest 5200 Kilometer.

Kein Wunder, dass diese legendäre Verbindung der beiden Weltmeere in vergangenen Jahrhunderten fieberhaft und teilweise um jeden Preis gesucht wurde. Wertvolle Seide und teure Gewürze waren das Hauptmotiv dieser Epochen. Heutzutage wären es Ölfrächter und riesige Container-Schiffe für den globalen Warenaustausch, die von einer solchen "Handelshintertür" profitieren würden. Einzig die Nordwest-Passage, die in vergangenen Jahrhunderten oft ähnlich fieberhaft und erfolglos gesucht wurde wie Atlantis, Eldorado oder Avalon blieb unter einer viele Meter dicken Packeis-Decke verschollen.

"Zehn Männer versuchten mit Äxten und Spaten das Eis vor dem Bug zu öffnen, zehn weitere stemmten sich ins Seil, gut zwei Schiffslängen voraus. Nach einigen Stunden waren alle so erschöpft, dass sie am Ende der Wache grundlos kicherten, um nicht zu heulen," schreibt Sten Nadolny in seinem Bestseller "Die Entdeckung der Langsamkeit" über den Seefahrer und Meeresforscher John Franklin. Er und viele andere mutige Abenteurer ließen auf der Suche nach der ruhmverheißenden Passage in den Pazifik ihr Leben, verhungert und erfroren im Eis des Nordpolarmeeres. Erst Pol-Forscher Roald Amundsen bewältigte schließlich in einer dreijährigen Expedition Anfang des 20. Jahrhunderts die Route. Dass die vermeintliche Abkürzung von Europa nach Asien für den Handel unbrauchbar war, glaubte man erst, als sich der amerikanische Supertanker-Eisbrecher "Manhattan" 1969 in einer 50 Millionen Euro teuren Expedition am Nordpol vorbei erfolgreich durch das bis zu 20 Meter dicke Eis gefräst hatte. Das größte Handelsschiff der USA wurde bei der Fahrt so beschädigt, dass man alle weiteren Pläne aufgab. Bis jetzt.

Klimawandel: Satelliten-Nahaufnahme des schmelzenden Polareises
Picture by ESA/Envisat

Satellitenaufnahmen der ESA zeigen, dass die Nordwestpassage in den kommenden Sommern eisfrei bleiben könnte. Wie ein riesiger Eiswürfel in zu warmem Wasser schmilzt das Packeis um den Nordpol in rasendem Tempo. Was für den Welthandel ein viele Jahrhunderte lang ersehntes Geschenk zu sein scheint, ist die katastrophale, sich beschleunigende Folge der Klima-Erwärmung: Das Arktiseis verringerte sich in den vergangenen zehn Jahren um jeweils durchschnittlich 100.000 Quadratkilometer. Im letzten Jahr verschwanden aber rund eine Million Quadratkilometer, sodass jetzt nur noch drei Millionen übrig sind.

Während die Anrainerstaaten USA, Russland, Kanada, Norwegen und Dänemark (mit Grönland) zum großen Rohstoff-Halali blasen, um als erste an die auf einmal leicht zugänglichen Bodenschätze der Region zu gelangen, sind Umwelt- und Klimaforscher in größter Sorge. Denn die gigantische weiße Eisfläche der Arktis reflektiert seit jeher das einfallende Sonnenlicht und damit sehr viel Wärme von der Erde weg. Ist das Eis einmal geschmolzen, trifft die Sonne auf die dunkle Oberfläche des Meeres, wo ihre Wärme aufgenommen wird. Gerade in dieser Region soll aber das von Süden heranströmende Warmwasser abgekühlt werden. Die vermutliche Folge: Das Meer (und damit das globale Klima) heizt sich durch diese Kettenreaktion noch schneller auf als bisher.

Trotzdem sind die Experten mit solchen Prognosen vorsichtig. Im gleichen Zeitraum sollen die Flächen des "ewigen Polareises" auf der Südhalbkugel unseres Planeten nämlich angewachsen sein.


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© Eine Reportage von T. Micke (07-10-07) – Kontakt